Neue Verträge: HUK kann Kasko-Zahlung verweigern

Vorsicht beim Abschluss neuer Kasko-Select-Verträge

| Autor: Elmar Fuchs

Die HUK-Coburg hat fast unbemerkt die Geschäftsbedingungen in den sogenannten Kasko-Select-Verträgen geändert.
Die HUK-Coburg hat fast unbemerkt die Geschäftsbedingungen in den sogenannten Kasko-Select-Verträgen geändert. (Foto: HUK)

Nahezu unbemerkt hat die HUK-Coburg die Allgemeinen Geschäftsbedingungen in den Kasko-Select-Verträgen mit Werkstattbindung geändert – und beschränkt damit die Rechte der Versicherten. Schon bisher musste ein Versicherungsnehmer, der die Reparatur seines Fahrzeugs nicht in einer Werkstatt aus dem Werkstattnetz der HUK-Coburg durchführen ließ, damit rechnen, dass der Versicherer 15 Prozent der Reparaturkosten in Abzug brachte. Doch jetzt droht dem Versicherungsnehmer nach den neuen AKB (Allgemeine Bedingungen für die Kfz-Versicherung) – zumindest auf den ersten Blick – sogar eine Reduzierung der Reparaturkosten auf Null.

Mit der Entscheidung, die AKB der Select-Verträge derart zu verändern (siehe auch Seite 2), richtet sich die HUK-Coburg insbesondere frontal gegen die Automobilhersteller und Leasinggesellschaften. Offenbar ist auch der HUK-Coburg bewusst geworden, dass viele Versicherungsnehmer in Unkenntnis der abgeschlossenen Verträge die Reparatur im Partnerbetrieb ihres Fabrikats statt im Partnerbetrieb der HUK-Coburg vorziehen (die neuen AKB der HUK Coburg als als PDF-Download).

Neue Verträge provozieren Interessenkollisionen

Insbesondere bei neuen, geleasten oder finanzierten Fahrzeugen gibt es allerdings eine ganze Reihe von Gründen, die dafür sprechen könnten, den Weisungen der HUK-Coburg nicht zu folgen. So ist keineswegs sicher, dass bei der Reparatur in einem HUK-Coburg-Partnerbetrieb die Fahrzeuggarantie uneingeschränkt erhalten bleibt oder später Kulanz in Anspruch genommen werden kann.

Zudem muss stets auch geprüft werden, ob der Leasinggeber oder die finanzierende Bank nicht darauf bestehen kann, dass ausschließlich in einem Betrieb instand gesetzt wird, der durch den entsprechenden Hersteller autorisiert ist. Auch die immer komplexere Fahrzeugtechnik könnte dafür sprechen, es nicht der HUK-Coburg zu überlassen, zu entscheiden, welche Werkstätten über die entsprechenden Qualifikationen verfügen.

All diesen zutreffenden Überlegungen will die HUK-Coburg jetzt einen Riegel vorschieben, indem sie damit droht, die vertraglich geschuldete Entschädigungsleistung entweder auf null oder aber zumindest auf den Betrag, der bei Reparatur in einem Partnerbetrieb der HUK-Coburg anfallen würde, zu reduzieren. Im Falle einer fiktiven Abrechnung wird bereits von vorneherein darauf verwiesen, dass ausschließlich der Betrag erstattet wird, der in einer Partnerwerkstatt der HUK-Coburg anfallen würde.

Verluste bei fiktiver Abrechnung drohen

Wenn man sich vor Augen führt, dass diese Entschädigungssumme oft zwischen 30 und 50 Prozent unter den üblicherweise anfallenden Reparaturkosten liegt, wird es noch entscheidender, bei Abschluss des Vertrages sehr genau abzuwägen, ob ein derartiger Vertrag nicht wirtschaftlich und juristisch gefährlich ist. Wegen ein paar Euro günstigerer Prämien Gefahr zu laufen, beispielsweise gegen den Leasingvertrag zu verstoßen oder Reparaturnachteile zu erleiden, muss sehr genau überlegt werden.

Gerade im Verkauf muss jeder Automobilverkäufer dem Kunden die Risiken des Abschlusses eines ungünstigen Versicherungsvertrages klarmachen.

Überdies stellt sich die Frage, ob die neuen Bedingungen des HUK-Coburg-Vertrags überhaupt einer rechtlichen Überprüfung standhalten werden. Für den Versicherungsnehmer stellen sich derart ungewöhnliche Konditionen möglicherweise als überraschende Klauseln dar, die ohnehin nichtig wären. Auch das offensichtliche Missverhältnis zwischen der Einsparung bei der Prämie für den Versicherungsnehmer und der Einsparung für den Versicherer bei Reparatur außerhalb des HUK-Coburg-Partnernetzwerkes spricht für eine dringend notwendige juristische Überprüfung dieser Klauseln.

Abhängig vom Ergebnis einer derartigen Prüfung bleibt es jedoch dabei, dass es entscheidend ist, den Kunden über seine Rechte aufzuklären, um ihm die Möglichkeit zu schaffen, einen Vertrag ohne Werkstattbindung abzuschließen.

Bei allen Verträgen der HUK-Coburg, die noch 2013 abgeschlossen wurden, bleibt es bei einem Maximalabzug von 15 Prozent.

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