Elefantenhochzeit im Teilehandel

Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Wessels + Müller übernimmt Trost. Das wird den Wettbewerb in der Branche weiter befeuern, doch etliche Betriebe sind jetzt erst einmal ihren Ersatzteillieferanten bzw. ihr Werkstattkonzept los.

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( © JohanSwanepoel - Fotolia)

„Do lunch or be lunch“, wie der Engländer sagt. Auf gut Deutsch: „Fressen oder gefressen werden“. Diesem bekannten darwinistischen Prinzip folgt nicht nur die Fauna auf diesem Planeten. Auch unsere moderne Wirtschaft richtet sich stark nach diesem Grundsatz bzw. propagiert „size is everything“ – Größe ist alles. Jüngstes Beispiel dafür im automobilen Aftermarket: die Übernahme des Kfz-Teilespezialisten Trost Auto Service Technik SE (Trost) durch seinen Konkurrenten Wessels + Müller SE (WM). Hier schluckt ein Großer einen fast genauso Großen. Somit ist das Gemeinschaftsunternehmen der neue Löwe im Revier. Mit einem Umsatz von circa 1,7 Milliarden Euro verweist es den bisherigen Platzhirschen Stahlgruber, der sich vor gut zwei Jahren PV Automotive einverleibt hatte (Umsatz rund 1,3 Milliarden), auf Platz zwei.

Zusammenschluss nur unter Auflagen

Zwar hatten die beiden erstgenannten Unternehmen ihre Fusion bereits Ende letzten Jahres bekannt gegeben. Doch wie das bei Elefantenhochzeiten oftmals so ist, bestand nicht nur theoretisch die Gefahr, dass WM und Trost zusammen übermächtig werden könnten. Ergo trat das Bundeskartellamt auf den Plan, schließlich würde die Fusion „(...) ohne geeignete Nebenbestimmungen zu einer erheblichen Behinderung wirksamen Wettbewerbs (...) für den freien Sortimentsgroßhandel mit Pkw-Ersatzteilen führen“, so die Bundesbehörde. Ende August stimmte das Amt einem Zusammenschluss nur unter zwei Auflagen zu. Erstens: Beide Unternehmen müssen ihre Standorte in Stuttgart, Darmstadt, Frankfurt, Heilbronn, Braunschweig und Magdeburg schließen bzw. an geeignete Mitbewerber abtreten. Wer Letztere sein könnten, ist bislang offen. „Weder PV noch Stahlgruber werden einzelne noch alle Standorte übernehmen“, teilt das Gemeinschaftsunternehmen auf Anfrage mit. Zweitens: WM tritt „freiwillig“ aus der ATR-Gruppe aus.