Opel muss Ad-Blue-Regler-Tausch erklären

Autor Jens Rehberg

Seit Anfang November tauscht Opel in einer Service-Aktion die Hardware für die Steuerung des Ad-Blue-Zuflusses an Tausenden Diesel-Pkw. Ein Medienbericht wittert undokumentierte Funktionen.

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Der 1,6-Liter-CDTI (Euro 6) von Opel fiel bereits im ADAC-Ecotest (WLTC 2.0/warm) mit einer deutlichen Überschreitung des Stickoxid-Grenzwertes auf.
Der 1,6-Liter-CDTI (Euro 6) von Opel fiel bereits im ADAC-Ecotest (WLTC 2.0/warm) mit einer deutlichen Überschreitung des Stickoxid-Grenzwertes auf.
(Foto: Opel)

Eine belgische Nachrichtenseite bringt eine Opel-Service-Aktion in Verbindung mit einem angeblich veränderten Abgasverhalten eines getesteten Zafira Tourer. Dem Bericht zufolge hätten Messungen an dem Testfahrzeug vor und nach der Service-Aktion bei einem Opel-Partner ergeben, dass der Stickoxid-Ausstoß nach dem Werkstattaufenthalt deutlich reduziert gewesen sei.

Opel weist die Anschuldigungen in einer Stellungnahme vom Montag scharf zurück. Die genannte Service-Aktion habe nichts mit einer Veränderung der Emissionswerte zu tun.

Bei der Service-Aktion 15-P-044 wird seit 2. November 2015 in Deutschland an 2.316 Opel-Zafira- und Insignia-Modellen mit 1,6- oder 2,0-Liter-Diesel ab Baujahr 2015 das Steuergerät für die Regulierung der Dieselabgasflüssigkeit ersetzt. Wie ein Opel-Sprecher am Dienstag auf Anfrage von »kfz-betrieb« erklärte, sei es bei einer werksinternen Überprüfungsfahrt zu einer Fehlfunktion dieses Reglers gekommen. Das Steuergerät hätte fälschlicherweise einen nicht korrekten Ad-Blue-Füllstand an die Motorsteuerung gemeldet, woraufhin der Fahrer eine Warnmeldung angezeigt bekommen habe.

Einen Zusammenhang mit der einige Wochen vor Beginn der Service-Aktion aufgekommenen VW-Diesel-Affäre wies der Sprecher klar zurück. Es gehe bei der Aktion ausschließlich um ein unter gewissen Witterungsumständen falsch ausgelöstes Diagnosesignal. „Wenn wir erkennen, dass ein Bauteil fehlerhaft ist, dann tauschen wir es gegebenenfalls auch präventiv aus. Denn der Kunde steht für uns immer im Mittelpunkt“, so der Sprecher.

Opel bekräftigte in der Stellungnahme erneut, dass man keine Software einsetze, die feststelle, ob ein Auto einem Abgastest unterzogen wird.

Als Reaktion auf den belgischen Medienbericht und weitere Messungen an mehreren unterschiedlichen Zafira-Modellen – unter anderem der britischen Rundfunkanstalt BBC – hat der Verein „Deutsche Umwelthilfe“ (DUH) unterdessen beim Kraftfahrt-Bundesamt den Widerruf der Typgenehmigung oder eine Rückrufanordnung für bereits zugelassene Opel Zafira 1.6 CDTi „aufgrund stark erhöhter NOx-Emissionen“ beantragt. Nach Ansicht des Vereins erfüllen die gemessenen Opel-Zafira-Diesel nicht die Voraussetzungen der EU-Zulassungsrichtlinie 715/2007. Opel hat diese Darstellung stets zurückgewiesen.

Bereits Ende Oktober hatte die Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule im Auftrag der DUH einen Opel Zafira 1.6 CDTI untersucht und dabei in bestimmten Fahrsituationen angeblich bis zu 17-fach höhere Stickoxid-Emissionen gemessen als nach dem Euro-6-Grenzwert zulässig. Opel-Ingenieure hatten daraufhin zusätzliche Tests mit einem Zafira-Diesel nach den gesetzlichen Vorschriften sowohl auf einem Zwei- als auch auf einem Vier-Rollen-Prüfstand nachgefahren und protokolliert. Das Resultat laut Opel: „Die Werte sind absolut korrekt und im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben.“

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