Die Spannung aufrecht erhalten

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow

Bereits vor einigen hielt es Einzug in den modernen Fahrzeugbau: Die selbstnachstellende Motorkupplung. Bei der Instandsetzung gilt es einige Punkte zu beachten.

Immer mehr Zusatzkomponenten wie das Zweimassenschwungrad oder das automatisierte Schaltgetriebe machen einen ehemals „einfachen“ Kupplungswechsel zur anspruchsvollen Arbeit. Die Anforderungen an die Werkstätten wachsen, denn auch für diesen Fahrzeugbereich werden zunehmend geeignete Diagnosegeräte und Spezialwerkzeug notwendig. Sie dienen nicht nur der Fehlersuche, sondern lernen zum Beispiel neue Kupplungsbauteile an, oder setzen Parameter zurück.

Im Gegensatz dazu schwinden die Möglichkeiten, ausgebaute Einzelteile mit einfachen Mitteln zu prüfen. Früher konnte der Mechaniker beispielsweise die Druckplatte in einen Bohrständer einspannen und probeweise betätigen. Dies ist mit modernen Kupplungssystemen nicht mehr ohne Weiteres möglich oder führt sogar zur Zerstörung des Bauteils.

Der Kupplungslieferant ZF Sachs rät daher den Werkstätten, die von ihm angebotenen Schulungen zu nutzen und ausreichend Zeit für die Weiterbildung der Mechaniker einzuplanen. Wettbewerber Luk ist sogar der Meinung, dass Werkstätten mittelfristig nicht mehr in der Lage sein könnten, moderne Kupplungen zu reparieren, wenn sie die Investitionen in Schulung und Spezialwerkzeuge scheuten.

Ein manchmal diffiziler Reparaturfall sind die selbstnachstellenden Kupplungen, die unter verschiedenen Bezeichnungen in Produktion sind (ZF Sachs: Xtend, Luk: SAC, Valeo: SAT).

Zum Einsatz kommen diese Typen bei zahlreichen Herstellern wie dem VW/Audi-Konzern, BMW, Mercedes, Volvo, Opel, Renault und vielen anderen seit rund zehn Jahren.

Das Ziel, über einen langen Anwendungszeitraum des Fahrzeugs hinweg einen stets gleichbleibenden Kupplungsweg und -Druckpunkt zu bekommen, hat die selbstnachstellende Kupplungsdruckplatte hervorgebracht. Sie funktioniert ähnlich dem Prinzip diverser selbstnachstellender Trommelbremsen mit einem federbelasteten Nachstellmechanismus.

Im Betrieb bringt sie dem Autofahrer manchen Vorteil, im Rahmen der Wartung heißt es für den Mechaniker aber: Vorsicht! Denn Unwissenheit verursacht zum Beispiel durch einen erneuten Wechsel der Kupplung schnell Schäden in nicht minderer Höhe. Baute ein Mechaniker das Getriebe eines Golf 1 Diesel noch in gut 2,5 Stunden aus und ein, so benötigt er heute bei einem Golf 4 schon über die Hälfte mehr an Zeit. Zudem sind auch die Bauteilekos-ten der selbstnachstellenden Druckplatte im Falle einer Beschädigung höher.

Gewusst wie

In der Theorie einfach, verlangt dieses Bauteil in der Praxis einige Aufmerksamkeit. Denn SACs und Co. reagieren empfindlich auf ein Kippen beim Transport und Stöße während des Einbaus. Sie könnten bereits eine irreparable Beschädigung des Nachstellmechanismus hervorrufen. Dieser muss bei der Montage einer neuen Druckplatte unbedingt „auf Null“, d. h. zurückgestellt sein – eine gebrauchte Kupplung, die wiederverwendet werden soll, darf auf keinen Fall in der Nachstellposition verändert werden.

Für das eventuelle Zurücksetzen einer neuen Druckplatte verweist selbst der Reparaturleitfaden eines Fahrzeugherstellers wie VW/Audi auf die gute alte Werkstattpresse und einen Schraubendreher.

Doch davor warnen die Kupplungshersteller einstimmig. Erstens kann hier falsches Tun sehr schnell für Schäden sorgen, zum anderen können bei der anschließenden Montage auf das Schwungrad immer noch Fehler passieren.

Bislang gibt es nach Aussage von Luk und Sachs jedoch nur einen Hersteller, der ein geeignetes Montagewerkzeug in seinem Sortiment führt: Die Firma Klann bietet für unterschiedliche Fahrzeughersteller spezifische Sets zu Preisen ab 450 Euro an. Diese können auch bei Luk bezogen werden. Ein finanzieller Aufwand, der bereits durch einen ersparten – da durch einen Fehler doppelt notwendigen – Getriebe-Ein- und Ausbau wieder wett gemacht sein kann.

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