Doppelkupplung ohne Öl

Autor / Redakteur: Christian Bartsch / Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow

Volkswagen bringt im Herbst ein zweites Doppelkupplungsgetriebe (DKG) auf den Markt. Es trägt den internen Namen DQ 200, arbeitet mit zwei „trockenen“ Kupplungsscheiben und bietet sieben Vorwärtsgänge.

Der Wolfsburger Hersteller bringt im Herbst schon ein zweites Doppelkupplungsgetriebe (DKG) auf den Markt. Es trägt den internen Namen DQ 200, arbeitet mit zwei „trockenen“ Kupplungsscheiben und bietet sieben Vorwärtsgänge. Entwicklungspartner ist der Kupplungsspezialist Luk in Brühl. Das Getriebe ist für Drehmomente bis 250 Nm und Motorleistungen bis 125 kW/170 PS geeignet und wird künftig vom Polo bis zum Passat angeboten, danach auch bei den anderen Konzernmarken. Es ist eine ideale Ergänzung des ebenfalls brandneuen TSI-Motors von VW, der aus 1,4 Liter Hubraum mit einfacher Aufladung 90 kW/122 PS leistet und ein Drehmoment von 200 Nm bietet.

Elektrohydraulisch betätigt

Beim bekannten DQ 250 mit Ölbadkupplung ordnete Zulieferer Borg Warner die beiden Lamellenpakete ineinander geschachtelt an. Das DQ 200 hingegen arbeitet mit zwei üblichen (trockenen) Belagscheiben gleicher Größe, die hintereinander angeordnet sind. Deren Betätigung erfolgt durch zwei ineinanderliegende Ausrückhebel.

Dafür entwickelte VW eine hydraulische Betätigung, die von einem kleinen Elektromotor und einer Hydraulikpumpe versorgt wird. Luk hatte eine elektromechanische Betätigung vorgeschlagen, die die VW-Ingenieure jedoch nicht akzeptierten. Sie erfüllte nicht ihre Anforderungen hinsichtlich Dauerhaltbarkeit, Geräusch und Schnelligkeit. Zusammen mit einem Speicher für 60 bar, einem Filter und den Gang- und Kupplungsstellern wird ein eigenständiges Mechatronikmodul gebildet, das bei Störungen separat ausgebaut werden kann. Getriebe und Mechatronik haben getrennte Ölkreise. Der Bedarf an elektrischer Leistung von Elektromotor und Sensorik beträgt lediglich 50 Watt.

Wie beim DQ 250 besteht die Getriebe-Eingangswelle aus zwei ineinandergeschobenen Einzelwellen, die die zugehörigen Gänge bedienen. Trotz eines zusätzlichen Gangs ist das DQ 200 mit einem Gewicht von 73 Kilogramm um sieben Kilogramm leichter und sieben Millimeter kürzer als das DQ 250. Es besitzt eine Spreizung von 8,1 und eine kurze Anfahrübersetzung von 19,77.

Kurzer erster Gang

Diese kurze Übersetzung wurde besonders im Hinblick auf extreme Fahrsituationen gewählt, etwa wenn man mit beladenem Auto und Anhänger bergauf fährt. Damit erreicht VW die gleiche thermische Sicherheit wie mit der Ölbadkupplung.

Für den Kraftstoffverbrauch ist neben den Motordaten der mechanische Wirkungsgrad eines Getriebes ausschlaggebend. Hier erreicht des DQ 200 mit fast 97 Prozent bei Konstantfahrt die Werte des Handschaltgetriebes. Gegenüber einem Sechsgang-Handschaltgetriebe verbraucht das Siebengang-DKG im MVEG-Test je nach Motor sieben bis zwölf Prozent weniger. Damit unterbietet es ein WandlerautomatGetriebe um bis zu 25 Prozent!

Verbraucht fast nichts

Viele Autofahrer, die mit dem Handschaltgetriebe nur unzureichend zurechtkommen (ihre Schaltarbeit wird unter Entwicklern „Lieschen-Müller-Fahrprogramm“ genannt), werden mit dem DQ 200 speziell im Stadt- und Kurzstreckenverkehr ein Wunder erleben. Hier sind Einsparungen von 20 Prozent und mehr möglich. Zugleich schont die Automatik Motor und Antrieb, weil sie verhindert, dass der Fahrer mit zu niedriger oder hoher Drehzahl fährt oder den Motor abwürgt.

Bereits das DQ 250 von 2003 hat der gesamten Getriebeentwicklung einen erheblichen Schub versetzt, besonders bei den Herstellern von Wandlerautomaten. Das DQ 200 dürfte der Anfang vom Ende der automatisierten Handschaltgetriebe sein.

(ID:214751)