Deutschlands ältester BMW-Händler ist pleite
Nach 80 Jahren endet in München eine Ära. Der erste BMW-Händler überhaupt, Buchner + Linse, hat am Freitag Insolvenz angemeldet. Gespräche mit dem Hersteller brachten keine Rettung.
Seit 1929 verkauft „Automag Buchner + Linse“ an wechselnden Standorten in München die Fahrzeuge des weiß-blauen Herstellers. Seit Jahrzehnten steht das Unternehmen als letzter unabhängiger BMW-Händler in der bayerischen Landeshauptstadt in Konkurrenz zu den Niederlassungen seines Herstellers. Seit vergangenen Freitag nun ist der Händler im Insolvenzverfahren. Es bedeutet den vorläufigen Schlusspunkt einer langjährigen Partnerschaft.
Das familiengeführte Unternehmen beschäftigte zuletzt 200 Mitarbeiter an drei Standorten in München und Fürstenfeldbruck. Noch 2007 bezog das Unternehmen die neue Unternehmenszentrale in der Landsberger Straße, die dem Vernehmen nach rund 25 Millionen Euro gekostet hat. Nicht betroffen von den Zahlungsschwierigkeiten ist das ebenfalls in der Landsberger Straße ansässige gleichnamige Renault-Autohaus Buchner + Linse.
Der vorläufige Insolvenzverwalter, der Münchener Rechtsanwalt Josef Nachmann, strebt laut einer Pressemitteilung an, Automag Buchner + Linse zu erhalten und einen Investor zu finden. Es seien bereits „vielversprechende Gespräche mit potenziellen Erwerbern“ geführt worden.
Harte Kritik am Hersteller
Den Neubau an der Landsberger Straße und „die einhergehende monatliche finanzielle Belastung“ sei ein Grund für die Schieflage des Unternehmens, heißt es in einem Schreiben des Insolvenzverwalters. Aber „mit den alten Räumen hätten wir keinen Händlervertrag mehr bekommen“, bestätigte Cathrine Batdorf gegenüber »kfz-betrieb ONLINE« einen Bericht der Süddeutschen Zeitung.
Akut in Zahlungsschwierigkeiten hätten ihr Unternehmen allerdings die Verluste mit den Leasing-Rückläufern gebracht. Das Minus habe sich zuletzt auf 1,6 Millionen Euro summiert. Zudem habe ihr Unternehmen schlechtere Konditionen im Neuwagengeschäft von BMW bekommen als die konzerneigenen Niederlassungen, kritisiert Batdorf. Von einem „insbesondere im Großraum München festzustellenden Margendruck“ spricht auch der Insolvenzverwalter.
Ihr Unternehmen habe intensive Gespräche mit dem Hersteller gesucht, die aber extrem schwierig gewesen seien und zu keinem Ergebnis geführt hätten, sagte Batdorf. Sie habe bis zuletzt gehofft, der Hersteller würde in das Unternehmen einsteigen. Bis zuletzt sei die Werkstatt ausgelastet gewesen, führte die Geschäftsführerin aus. Auch der Neuwagenverkauf sei 2008 noch gut gelaufen.
BMW sieht sich als verlässlicher Partner
Diese Kritikpunkte konnte BMW-Sprecher Alexander Bilgeri gegenüber »kfz-betrieb ONLINE« nicht nachvollziehen. Er bestätigt zwar, dass Buchner + Linse wegen der Standard-Vorgaben ein Neubau nahegelegt worden sei. „Mit welcher Bausumme aber gebaut wurde, war nicht von BMW vorgegeben“. Mit den verfallenden Restwerten der Leasing-Rückläufer hätten alle Händler zu kämpfen, wobei die Vertriebspartner „maximal drei Prozent des Restwert-Risikos“ zu tragen hätten, wenn sie die Leasinggeschäfte standardisiert über die BMW-Bank abwickeln.
Kein Verständnis hat Bilgeri zudem für den Vorwurf, die BMW-Niederlassungen würden zu besseren Konditionen bedient als die selbstständigen Autohäuser. „Wir haben 250 Händler. Die würden alle auf die Barrikaden gehen, wenn wir beide Gruppen unterschiedlich behandeln würden.“ Günstiger würden nur Gebrauchtwagenpakete angeboten, für die aber alle Vertriebspartner bieten könnten, „auch Buchner + Linse“.
Ein Einstieg bei Buchner + Linse kommt Bilgeri zufolge trotz der langen gemeinsamen Geschichte nicht in Frage. „Wir bauen auf das zweigliedrige Vertriebsnetz und stehen zur Aussage, dass kein weiterer Ausbau der Niederlassungen erfolgt“. Grundsätzlich wehrt sich der BMW-Sprecher gegen den Eindruck, der Hersteller habe seinen Vertriebspartner hängen lassen. Man sei lange Zeit im Gespräch gewesen, habe betriebswirtschaftliche Konzepte erarbeitet, BMW habe Berater finanziert, die BMW-Bank, die den Neubau finanzierte, auch Kreditraten gestundet.
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