SAIC nimmt Anlauf nach Europa

Redakteur: Christoph Baeuchle

Neuer Anlauf eines chinesischen Autobauers nach Europa: SAIC will noch im laufenden Jahr die ersten MG-Fahrzeuge in Europa verkaufen. Dazu wollen die Chinesen das MG-Vertriebsnetz nutzen.

Der chinesische Autobauer SAIC will noch im laufenden Jahr erste Modelle auf den europäischen Markt bringen. Dazu werde SAIC die Vorteile des MG-Vertriebsnetzes in Europa und der günstigen Produktion in China nutzen, sagte Konzernpräsident Hu Maoyuan am Montag der Nachrichtenagentur Reuters in Shanghai.

Demnach sollen selbst entwickelte Modelle der Limousinenreihe MG unter anderem in der ehemaligen MG-Fabrik im englischen Birmingham vom Band laufen. Die Produktion gehört seit der Übernahme von Nanjing Automobile 2007 zum Konzern.

Vom einstigen MG-Rover-Händlernetz sind noch Teile vorhanden. Auch im Händlerverband gibt es noch Kontakte. Nach Einschätzung des ZDK sind mindestens noch 50 von den einst mehr als 100 Kfz-Betriebe aktiv. Das Interesse der MG-Rover-Betriebe ist groß, manche haben geradezu auf die Rückkehr der Traditionsmarke gewartet.

Bei den aktiven MG-Rover-Werkstätten ist großes Interesse vorhanden. „Wir würden uns natürlich als Service-Händler von MG und Rover freuen, wenn die Marke auf dem deutschen Markt vertreten ist“, so Jürgen Künstler, Geschäftsführer der Autohaus Pichel GmbH Chemnitz. „Wir würden die Marke gerne wieder aufnehmen.“

Großes Interesse der MG-Rover-Betriebe

Nach Ansicht Künstlers wäre die Marke eine gute Erweiterung für das bereits bestehende Portfolio: Neben Ford und Land Rover verkauft die Gruppe mit sechs Standorten in Sachsen auch Opel und Mitsubishi. „Das würde als preissensible Marke für den Einstieg gut passen“, so Künstler.

Die Kontakte sind noch vorhanden. „Wir haben aktive Servicekunden und sind auch am Netz für Ersatzteile noch angeschlossen“, betont Künstler. Für preisgünstige Fahrzeuge sieht er in Ostdeutschland gute Chancen.

Vor allem in der Mittelklasse ist SAIC gut positioniert. Durch den Erwerb der Rover-Modelle 45 und 75 sowie die spätere Übernahme des kleineren Nanjing-Konzern kaufte der Autobauer sich Know-how und Technologie. Auf deren Grundlage brachte SAIC Mittelklasse-Modelle der eigenen Marke Roewe und MG auf den Markt.

Stark in der Mittelklasse

Laut der Unternehmensberatung Jochen Siebert Consulting verkauft SAIC den Roewe 750 seit 2007 in der Preisspanne zwischen 18.000 und 24.000 Euro und den Roewe 550 seit 2008 in der Preisspanne zwischen 14.000 und 19.000 Euro. Als dritten Mitteklassewagen hat SAIC den MG 7 für einen Preis zwischen 16.000 und 30.000 Euro im Portfolio.

SAIC baut bereits seit 40 Jahren Fahrzeuge. Im vergangenen Jahr hat Chinas größter Automobilhersteller mehr als 1,61 Millionen Pkw produziert, davon stellten die Chinesen jeweils rund 730.000 Pkw gemeinsam mit ihrem Partner Volkswagen und General Motors her. Zudem produzierte SAIC rund 90.000 Pkw der eigenen beiden Marken MG und Roewe. Für 2010 hatte SAIC bereits zuvor das Ziel herausgegeben, den Absatz auf 180.000 Pkw etwa zu verdoppeln.

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