GM zieht Chevy aus Europa ab

Autor / Redakteur: jr/dpa / Jens Rehberg

Völlig unerwartet macht General Motors das Geschäft seiner Hauptmarke in Europa zu. Die Händler wurden vom Importeur im Vorfeld der Pressemitteilung nicht informiert.

Der Bowtie ist bei den deutschen Verbrauchern in der Breite nie so richtig angekommen.
Der Bowtie ist bei den deutschen Verbrauchern in der Breite nie so richtig angekommen.
(Foto: Rehberg)

General Motors beendet seinen konzerninternen Markenkampf und zieht Chevrolet Ende 2015 aus Europa zurück. „Mit diesem Schritt können wir unsere Ressourcen darauf konzentrieren, die Marke und das Geschäft von Opel/Vauxhall zu stärken“, sagte GM-Vize und Opel-Aufsichtsratschef Steve Girsky am Donnerstag.

Von 2016 an werde Chevrolet in Europa nur noch „US-Ikonen“ wie die Corvette verkaufen. Nur in Russland und den sogenannten GUS-Staaten sollen weiter auch die Kleinwagen der viertgrößten Automarke der Welt auf dem Markt bleiben.

Die 2005 in Europa neu aufgestellte Marke hat auf dem alten Kontinent 520 Beschäftigte und 1.900 Händler. Die Entscheidung bringe für die internationale GM-Organisation (GMIO) Sonderkosten von bis zu einer Milliarde US-Dollar (etwa 0,74 Mrd. Euro) für Abschreibungen, Händler-Entschädigungen, Abverkaufshilfen sowie Mitarbeiterabfindungen mit sich. Die Adam Opel AG und GM Europa würden dadurch aber nicht belastet.

Die rund 340 deutschen Händler wurden von Chevrolet Deutschland im Vorfeld der Pressemitteilung nicht informiert. Offenbar ist auch der Importeur von der Entscheidung des US-Konzerns überrascht worden. In einem von Chevy-Europa herausgegebenen „Fragen-und-Antworten“-Papier heißt es dann auch bezeichnenderweise: „Ich habe kürzlich Kontakt zu meinem Chevrolet-Händler aufgenommen, dieser schien jedoch noch nicht über sämtliche Informationen zur jüngsten Chevrolet-Mitteilung zu verfügen.“ Die Antwort der Europazentrale: „Wir haben erst vor kurzem damit begonnen, das Verfahren zur Kontaktaufnahme zu allen unseren Händlern einzuleiten, um mit diesen alle Optionen zu erörtern.“ Den Kunden wird vielmehr der Besuch der Chevy-Website empfohlen, um sich über nachrichtliche Updates, Neuwagen- und Serviceangebote auf dem Laufenden zu halten.

Der Europachef von Chevrolet, Thomas Sedran, begründete den Rückzug mit der schwachen Marktentwicklung in West- und Osteuropa: „Wenn wir nach vorne schauen, sehen wir, dass es für Chevrolet Europa sehr schwer werden würde.“ Sowohl der erwartet geringe Absatz als auch die Überkapazitäten und der Preiskampf der Hersteller machten das Geschäft schwer. Chevrolet-Kunden müssten sich keine Sorgen machen, sagte Sedran. Alle Garantien würden weiter gelten, Ersatzteile soll es bis mindestens 2025 geben.

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