Schon 1925 drohte W.O. deshalb die erste Pleite, aber damals wurde Woolf Barnato zum Retter. Barnato kam aus der Mitte der bis heute unvergessenen Bentley Boys, einer Reihe reicher, motorsportverrückter junger Männer, die ihre Rennwagen bei Bentley kauften und damit nicht weniger als vier Siege bei den 24 Stunden von Le Mans errangen.
Mit allein drei Siegen an der Sarthe war Barnato der brillanteste Racer unter den Bentley Boys und zudem ab 1925 größter Finanzier und faktisch Chef bei Bentley Motors. Auch die triumphale Rekordfahrt eines Bentley Speed vom südfranzösischen Cannes nach London gegen den Expresszug Blue Train ging auf Barnatos Konto. 1931 aber war für Barnato Schluss mit lustig, da er nicht wie sein Rennfreund Tim Birkin enden wollte. Dieser verbrannte das gesamte Vermögen seiner Familie in selbst gebauten Blower-Bentley und zog sich damit obendrein die Verachtung von W.O. zu, der die Kompressor-Aufladung stets ablehnte.
Rettung durch Rolls-Royce
Neuer Herr im Hause Bentley wurde 1931 Rolls-Royce und so kam es zu modellpolitischen Veränderungen, die W.O. noch bis 1935 leitete, ehe er als Konstrukteur für andere Marken tätig wurde. Nun bestimmte Rolls-Royce-Technik die ab sofort in Derby gebauten Autos mit dem frisch eingeführten Logo des geflügelten „B“. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlagerte man die Bentley-Produktion in ein neues Werk nach Crewe, das bis heute Bentley-Sitz ist. Allerdings pflegte Rolls-Royce lange Jahre den sportiven Nimbus seiner Neuerwerbung, was sich in Modellen wie dem ikonischen Coupé R Continental oder der dynamisch gezeichneten Limousine S2 Continental Flying Spur aus den 1950er Jahren zeigte.
Erst reine Badge-Engineering-Typen wie der Bentley T von 1965 als Zwilling des Rolls-Royce Silver Shadow schadeten dem Bentley Image. Ging doch das bis dahin ausgewogene Verhältnis der Verkaufszahlen zwischen den Marken jetzt zulasten von Bentley zurück. Das änderte sich in den 1980er Jahren, denn mit Turbos bei Mulsanne und Continental fand die von W.O. gegründete Marke zurück zu alter sportlicher Leistungsstärke und zu steigenden Verkaufszahlen.
Manche Fachleute fühlten sich an Walt Disneys Dumbo, den fliegenden Elefanten, erinnert, als sich in den 1990er Jahren das bis zu 5,34 Meter lange und 2,5 Tonnen schwere Continental Coupé auf 280 km/h Vmax hievte und beim Tempo-100-Sprint an Ferrari Maß nahm. Bentley war wieder bei seinen Wurzeln angekommen und so attraktiv, dass Ferdinand Piech das Fabrikat ins VW-Imperium integrierte. Eigentlich inklusive Rolls-Royce, aber die Rechte an dieser Ultra-Luxus-Marke ergatterte am Ende BMW.
Mit einer beachtlichen Modelloffensive führte VW das Erbe von W.O. zurück an die Spitze der populärsten High-End-Automobile: Seit ihrem 50. Thronjubiläum im Jahr 2002 fährt sogar Queen Elizabeth II eine Bentley-Staatslimousine. In Le Mans sicherte sich Bentley ein Jahr später mit dem EXP Speed 8 den sechsten Sieg und der gleichzeitig lancierte Continental GT glänzte nicht nur durch stolze Absatzzahlen, sondern auch als schnellstes viersitziges Coupé der Welt. Superlative liefert seit 2016 auch der Bentayga, das erste SUV dieser Klasse und als 306 km/h flinker Bentayga Speed aktuell rasantestes Schwergewicht der Welt.
Alles gut also im Jubiläumsjahr? Nicht ganz, denn Bentley machte 2018 Verluste und ein Elektroauto wird erst 2025 erwartet. Andererseits boomt der globale Luxusmarkt und Bentley macht sich fit, mit Plug-ins davon zu profitieren.
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