Beide Gallier blieben letztlich aber schon zu Lebzeiten Geheimtipps, im Rückblick zählen sie sogar zu den vergessenen Größen. Gesamt-Produktionszahlen von nur etwa 150.000 Einheiten liefern da eine leicht erkennbare Erklärung. Woran lag es? Der Renault 30 übertrug das erstmals im Renault 16 von 1965 präsentierte Konzept einer eleganten Fließhecklimousine mit praktischer Heckklappe in die Oberklasse, wo es außerhalb Frankreichs schlicht nicht akzeptiert wurde. Ein Schicksal, das übrigens auch den Audi 100 Avant von 1977 ereilte. Vorübergehend europäischer Standard wurde die fünftürige Karosserieform erst Mitte der 1980er Jahre, da hatte der Renault 30 das Feld bereits seinem Nachfolger Renault 25 überlassen, der nun immerhin die Früchte ernten konnte, die einst der R 30 gesät hatte.
Bärenstarke Löwenmarke
Zumal der R 25 solider gebaut war. Zeigte Renaults erster Nachkriegs-V6 doch noch Qualitätsmängel, die zumindest für kritische deutsche Käufer jenseits der Toleranzgrenze waren und sogar Dauertestwagen der Fachpresse zu oft in die Werkstatt zwangen. Derartige Defizite plagten den Citroën CX übrigens noch massiver, ein Pressefahrzeug verbrachte während seines 18-monatigen Dauertests sogar 65 Tage mit Werkstattaufenthalten. Dennoch wurde dieses Laissez-faire für Citroën-Fans durch das Faszinationspotenzial der großen Limousinen und riesigen Kombis aufgewogen. So brachte es das Citroën-Topmodell bis 1991 auf eine Gesamtstückzahl von stolzen 1,2 Millionen Einheiten.
Mit der damals oft zitierten Panzerschranksolidität eines Mercedes konnte übrigens nicht einmal der in gediegenem Design vorfahrende Peugeot 604 aufwarten. Dafür garantierte wenigstens Frankreichs erster moderner V6 sowohl im Peugeot wie im Renault 30 standesgemäßen Vortrieb. Den Leistungszenit reklamierte dabei die Löwenmarke, denn der Peugeot 604 hielt etwa im Jahr 1977 stolze 100 kW/136 PS bereit, während es beim R 30 TS nur 92 kW/125 PS waren und sich der Vierzylinder im Citroën CX 2400 lediglich 85 kW/115 PS entlocken ließ.
Diesel wird gesellschaftsfähig
Nicht zu vergessen das Verdienst unserer westlichen Nachbarn um den Selbstzünder, war es doch vor allem der Peugeot 604, der den Diesel endgültig gesellschaftsfähig machten. So bot der 604 ab 1979 nicht nur den ersten in Europa verfügbaren Turbodiesel, er wurde auch zur ersten Selbstzünder-Staatslimousine mit verlängertem Radstand. Zuvor aber setzte der Citroën CX noch einen Diesel-Meilenstein. Nach einem Anfang 1978 erfolgten Facelift präsentierte sich der CX 2500 D nicht nur in nobler Pallas-Ausstattung, sondern auch mit 55 kW/75 PS Leistung. Genügend Kraft für das Cw-Wunderauto, um mit einer Vmax von 156 km/h den Titel der schnellsten Diesel-Limousine der Welt zu reklamieren.
Exakt ein km/h schneller als der Mercedes 300 D mit Fünfzylinder-Diesel war der Vierzylinder-Franzose, mit einem Normverbrauch von 6,1 Liter bei 90 km/h jedoch zugleich über 20 Prozent sparsamer als der Sternträger. Auch der Renault 30 wurde als Turbodiesel lieferbar, konnte aber die Verkaufszahlen des Fünftürers nicht mehr befeuern. Manchmal genügt es nicht, seiner Zeit vorauszufahren. Weshalb die 2014 gegründete französische Avantgarde-Marke DS Automobiles stets ihre Vergangenheit zitiert, auch wenn die göttliche DS noch stolz das Citroën-Logo zur Schau stellte.
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