70 Jahre Unimog: Meister der abseitigen Wege

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Damit der inzwischen nicht mehr in Gaggenau, sondern ein paar Kilometer weiter in Wörth gebaute U 5023 sich überhaupt bewegt, arbeitet unter der kurzen Haube ein nicht ganz taufrischer Vierzylinder-Diesel, der sich beim Anlassen heftig schüttelt, aber immerhin die Euro-6-Norm erfüllt. Vier Zylinder, das klingt nicht viel, aber verteilt auf 5,1 Liter Hubraum sorgen sie immerhin für 170 kW/231 PS und ein enormes Drehmoment von 900 Newtonmetern. Die verwaltet ein Achtgang-Getriebe, das den Unimog – in allen Zahnradpaarungen – sowohl vorwärts wie rückwärts fahren lassen kann und per Untersetzung nochmal so viele Fahrstufen bereitstellt.

Hat man die Taste mit dem Esel-Symbol gedrückt, ist die Arbeitsgruppe aktiviert und der Koloss schiebt sich mit nur wenigen km/h über Stock und Stein. Ist das immer noch zu schnell, steht außerdem eine Kriechgruppe mit acht Gängen bereit: Im Extremfall macht der Unimog dann noch gut 80 Meter (sic!) pro Stunde und der Fahrer kann sich nebenbei bequem einen Kaffee holen.

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Solches Schleichen ist freilich im Gelände weniger von Nöten, dafür aber zum Beispiel auf dem Bau. Schließlich feiert der Unimog nicht nur als Komplettfahrzeug große Erfolge, sondern insbesondere auch als Geräteträger. Über 250 Partnerunternehmen halten in Summe rund 3.500 spezielle Aufbauten bereit, mit denen sich der Unimog zum maßgeschneiderten Arbeitstier aufrüsten lässt. In den 50er Jahren waren das vor allem landwirtschaftliche Geräte, die nach dem Krieg dringend benötigt wurden. Inzwischen aber reicht der Einsatz vom Winterdienst-Auto über die Baumaschine und das Wohnmobil für Extrem-Abenteurer bis hin zum Feuerwehr-Wagen.

Alte Werte erhalten

Der Unimog macht seinem Namen also alle Ehre, steht die Bezeichnung doch für nichts anders als Universal-Motor-Gerät. Das betont auch Schnepf immer wieder, wenn er in seiner Funktion als Vereinsvorsitzender interessierten Museums-Besuchern die Welt des Kraxel-Kolosses erklärt: „Wer einen Unimog kauft, kauft nicht nur einen einfachen Lkw, sondern ein ganzes System“, betont er und ergänzt schmunzelnd und mit breitem Dialekt: „Wer nur ä bissle Ladung rumfahre will, der hat’s net verstande!“

Dass dabei nicht jeder Kunde unbedingt eine vollwertige Geländeausführung braucht, ist klar. Genau deswegen bietet Daimler den Unimog in verschiedenen Schärfegraden an. Wenn es aber hart auf hart kommt, muss die ultimative Ausbaustufe ausrücken und die hat nicht zuletzt bei zahlreichen Hilfseinsätzen in Katastrophengebieten auch schon unzählige Menschenleben gerettet. Dort, wo es eigentlich nicht mehr weitergeht, findet der Unimog eben doch noch einen Weg – seit nunmehr 70 Jahren und mit Sicherheit auch in der Zukunft.

Mit der knallgrünen Studie Advanced Design haben die Unimog-Macher schon im Jahr 2011 gezeigt, wie sie sich ihren Dicken in ein paar Jahren vorstellen können: Mit futuristischem Design, doch die innere Werte bleiben ganz die Alten.

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