Bevor die Bänder anliefen, wurde in einem Wettbewerb noch ein neuer Name für die Firma gefunden, da diese nicht den Familiennamen Toyoda tragen sollte. Die Wahl fiel auf Toyota, denn dieses Wort benötigt in japanischer Schrift nur acht Zeichen und damit eine Zahl, die Glück verspricht.
Tatsächlich blieben die Glücksgötter Toyota lange Zeit gewogen. So entgingen die Toyota-Werke im Zweiten Weltkrieg der eigentlich geplanten Bombardierung. Schon Ende 1945 erlaubten die amerikanischen Militärbehörden Toyota zudem den Wiederbeginn der Fahrzeugproduktion, was das Unternehmen zur Entwicklung des Pick-ups Toyopet und des Kleinwagens Toyota SA nutzte. Beide gingen 1947 als erste japanische Nachkriegsneuheiten in Serie.
Land Cruiser als Imageträger
Nach Ausbruch des Koreakriegs beteiligte sich Toyota an einer Ausschreibung der US-Besatzer für einen japanischen Geländewagen, mit dem die USA eine japanische „Nationale Polizeireserve“ ausrüsten wollten. Beim 1951 vorgestellten Toyota BJ (B-Jeep) als Urvater des Land Cruiser war die Verwandtschaft zum Willys-Jeep zwar unverkennbar, dennoch gaben die Amerikaner Mitsubishi und einer 1:1-Kopie des US-Jeep den Vorzug.
Weshalb Toyota eine unverwüstliche, zivile Serienversion des Land Cruiser entwickelte, die ab 1957 in Amerika und ab 1960 in Europa und Afrika Kultstatus gewann. Einen besseren Imageträger hätte sich Toyota nicht wünschen können, denn die ersten Mittelklasselimousinen Crown und Corona entsprachen in Technik und Design noch nicht westlichen Standards. Immerhin war das später von vielen Konkurrenten kopierte Toyota-Produktionsprinzip der totalen Qualitätskontrolle längst eingeführt worden.
Als Toyota 1965 als erster Autobauer den Deming Award für Verdienste um das Total-Quality-Management erhielt, schienen die Japaner endgültig nach den Sternen zu greifen. Mit Modellen wie dem 2000 GT als erstem japanischen Supersportler (ab 1965), dem bis heute in über 40 Millionen Einheiten verkauften Corolla (ab 1966), dem Sportcoupé Celica als Antwort auf Ford Capri und Mustang (ab 1970) und Familienautos wie Carina (ab 1970) und Camry (1982) wurde Toyota eine der erfolgreichsten Massenmarken, die ihr Image durch Triumphe auf Rennstrecken zusätzlich stärkte.
Neue Segmente erschlossen
Ein Leben auf der Überholspur, das durch die Entdeckung neuer Segmente wie der Vans (Model F, ab 1983) und der Kompakt-SUV (RAV4, ab 1994), aber auch die Millionenerfolge der Hybride (Prius, ab 1997) weiter beschleunigt wurde. Und durch die Entwicklung der Luxusmarke Lexus (ab 1989) dann eine vorläufige Krönung erfuhr.
Denn während Lexus in Europa bis heute hinterher fährt, gelang in Amerika der Coup, kurzzeitig zur meistverkauften Premiummarke aufzusteigen. Dagegen übertraf die Marke Toyota im Jahr 2008 wahrscheinlich sogar die kühnsten Träume ihres Initiators Kiichiro Toyoda. Wurde doch Toyota in den USA größte Automarke vor Chevrolet – nicht zuletzt dank amerikanischer Produktionsanlagen.
Auch in Europa waren es Werke und Kooperationen, vor allem mit deutschen und französischen Wettbewerbern, die Toyota zu einem großen Player machten. Der aber weltweit zu rasch gewachsen war, wie Akio Toyoda, der Enkel des Unternehmensgründers, erkannte, als er im Krisenjahr 2009 die Konzernführung übernahm. Toyoda richtete deshalb ein „Special Committee for Global Quality“ ein, um den Qualitätsvorsprung der Marke wiederherzustellen.
War der erste Toyota AA eine Kopie der besten US-Vorbilder, lädt Toyota heute alle Konkurrenten zum Kopieren von Techniken seines neuen Brennstoffzellenfahrzeugs Mirai ein. Ein Geburtstagsgeschenk in Form kostenfrei lizenzierter Patente, damit der Wasserstoffantrieb rascher verbreitet wird. Selbstbewusst, aber das waren die Japaner ja schon immer.
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