Alkohol-Detektor Bei betrunkenen Fahrern geht der Motor aus

Quelle: sp-x 3 min Lesedauer

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Die Zahl der bei Alkoholunfällen Getöteten und Verletzten steigt nach dem Corona-Tief wieder deutlich an. Eine neue Technik soll gegensteuern – und künftige EU- und US-Vorschriften umsetzen.

Die Europäische Union schreibt Herstellern bis Juli 2024 eine Schnittstelle zur einfachen Integration sogenannter „Alkohol-Interlocks“ in Neufahrzeugen zwingend vor. (Bild:  ADAC/Markus Hannich)
Die Europäische Union schreibt Herstellern bis Juli 2024 eine Schnittstelle zur einfachen Integration sogenannter „Alkohol-Interlocks“ in Neufahrzeugen zwingend vor.
(Bild: ADAC/Markus Hannich)

Mehr als 10.000 Menschenleben pro Jahr könnten allein in den USA gerettet werden, wenn das Fahren unter Alkoholeinfluss verhindert würde. Das hat das „Insurance Institute for Highway Safety“ errechnet. In Deutschland erfasste die Polizei im Jahr 2022 insgesamt 16.807 Alkoholunfälle mit Personenschaden – Tendenz steigend. Über wirksame Gegenmaßnahmen wird seit vielen Jahren diskutiert. Zulieferer Magna stellte jetzt auf der CES in Las Vegas ein Gerät vor, das die künftigen Anforderungen der Zulassungsbehörden in der EU und in den USA erfüllen soll.

Für die Autohersteller und ihre Systemlieferanten besteht akuter Handlungsbedarf. Denn in den USA sollen über das Infrastrukturgesetz bis spätesten 2027 Technologien vorgeschrieben werden, die Alkohol am Steuer – zumindest in neuen Personenkraftwagen – verhindern. Und die Europäische Union schreibt bis Juli 2024 eine Schnittstelle zur einfachen Integration sogenannter „Alkohol-Interlocks“ in Neufahrzeugen zwingend vor. Der Einbau eines Atemalkohol-Kontrollgeräts ist aber laut Deutscher Kommission Elektrotechnik (DKE) bis auf Weiteres freiwillig.

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Ein passives Alkoholtest-System

Entsprechend groß war auf der Tech-Messe CES das Interesse am neuen Alkohol-Detektor von Magna. Er basiert auf einer Kombination aus Kameras und Infrarotsensorik. Und zwar konträr zum etwa von Volvo seit Jahren bekannten Alko-Tester, in den man aktiv hineinpusten muss, als passives System: Das noch namenlose Elektronik-Zubehör arbeitet weitgehend im Verborgenen.

Das entscheidende Bauteil, ein infrarotbasierter Sensor zur Bestimmung des Promillewerts in der Atemluft des Fahrenden, ist oben an der Lenksäule versteckt. Ein winziges Gebläse saugt die Atemluft des Fahrers ein, während dieser einsteigt und sich anschnallt. Das reicht bereits aus, um die Alkoholkonzentration gesichert festzustellen.

Dass die analysierte Brise nicht etwa der nüchterne Beifahrer anstatt des angetrunkenen Piloten beisteuert, wird laut Magna „schnell, zuverlässig und kostengünstig“ durch die obligatorische Innenraum-Kamera sichergestellt. Die kommt auch zum Einsatz, wenn die jeweils vorgeschriebene Promillegrenze überschritten wird: Sie sucht nach alkoholtypischen Pupillensignalen.

Umstrittene Maßnahme

Wird die zu hohe Atemalkohol-Konzentration in beiden Schritten bestätigt, soll sich das Fahrzeug nach den Vorstellungen der Zulassungsbehörden nicht mehr starten lassen. Ein Fakt, der in den USA für reichlich Wirbel sorgt und von Autofahrern in diversen Internet-Foren als Eingriff in die persönliche Freiheit gewertet wird.

Ob die Regelung in den USA also tatsächlich bis 2027 umgesetzt wird, hängt nach Ansicht von Experten auch vom Ausgang der Präsidentenwahl ab. Sollte Donald Trump wiedergewählt werden, könnte das Projekt der Biden-Regierung durchaus gestoppt werden.

Wirksamkeit in der Praxis belegt

Die Fachingenieure der DKE, die maßgeblich an der Vorlage für die EU beteiligt waren, sind von der zwingenden Notwendigkeit einer klaren Gesetzeslage überzeugt – schlicht aus Gründen der Verkehrssicherheit: „Vor allem der sehr oft unterschätzte Restalkohol wird sicher aufgedeckt“, sagen die Experten. So bedeute der obligatorische Atemalkoholtest gerade bei Schulbusfahrern morgens einen Sicherheitszugewinn für ihre Fahrgäste und deren besorgte Eltern.

Dass die Motorblockade bei Alkoholisierung ein wirkungsvolles Mittel zur Unfallvermeidung ist, machen praktische Erfahrungen in Ländern wie Schweden deutlich. Dort sind Alkohol-Interlocks in Behördenfahrzeugen schon seit 2003 Pflicht. Bei Ausschreibungen für behördlich eingesetzte Pkw, Lastwagen und Busse kommen praktisch nur noch Hersteller zum Zuge, die eine Promille-Bremse installiert haben. Nach einer Trunkenheitsfahrt führerscheinlose Autofahrer können sich das Gerät freiwillig einbauen lassen, um ihre Lizenz schneller zurückzubekommen.

Auch in Finnland gibt es seit 2019 ein Alkohol-Interlock-Gesetz; Dänemark, Frankreich, Belgien, Polen und Österreich setzen „alkoholempfindliche Wegfahrsperren“ bei einschlägig auffällig gewordenen Autofahrern ein. Kombiniert werden sie meist mit einer sozialpsychologischen Betreuung. „Studien aus den USA und Schweden zeigen, dass die Rückfallquote zu Fahrten unter Alkoholeinfluss signifikant sinkt“, resümiert die Deutsche Kommission Elektrotechnik.

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