Vor 30 Jahren war die Autowelt noch deutlich bunter, nicht nur Bezug auf Farbtöne. Vom kuriosen Ford Ka über kleine Raumriesen á la Citroen Berlingo bis zu feinen Kompakten von Alfa, Audi oder Volvo war alles dabei. Aber auch clevere Volksautos von Skoda und VW fehlten nicht.
Eben noch beim Gerbrauchtwagenhändler, jetzt bereits Oldtimer: Bei zahlreichen Oldtimer-Newcomern kann man kaum glauben, dass diese bereits vor 30 Jahren erstmals erschienen.
(Bild: Audi)
Sie werden von Jahr zu Jahr zahlreicher, die jungen Oldies. Klassische Automobile, die durch das begehrte „H“ auf dem Kennzeichen den amtlichen Ritterschlag zum mindestens 30 Jahre alten Oldtimer erhalten können und die Sehnsucht nach der vermeintlich guten alten Zeit befriedigen. Rund 900.000 historische Fahrzeuge mit und ohne „H“ sind bereits beim Kraftfahrt- Bundesamt registriert, und 2026 wird diese Zahl noch einmal steigen. Denn dann passieren viele Modelle die magische Altersgrenze, die manchen heute wieder aktuellen Modetrend wie „Minimalistic Basics“ schon damals initiierten.
Egal ob winziger Cityflitzer Ford Ka im kuriosen New-Edge-Design als Gegenentwurf zum Renault Twingo, pragmatischer Hochdach-Kombi á la Citroen Berlingo, Peugeot Partner und Mazda Demio oder als praktischer Kombi von Audi (A4 Avant, B5) über Fiat (Marea), Lancia (Kappa), Mercedes (C-Klasse S 202 und E-Klasse Baureihe 210), Opel (Vectra) bis zu VW (Passat B5) und Volvo (V70): „Weniger ist mehr“ war 1996 angesagt wie 30 Jahre später die Trends zum Tiny House und bezahlbaren Kleinwagen. Dabei konnte sich der Minimalismus auf den Preis wie auf das äußere Format der Fahrzeuge beziehen. Mit Kombis kurvte es sich leichter durch Parkhäuser als mit sperrigen Vans, die es nun im Kompaktformat gab: Der Renault Mégane Scénic wies den Weg.
Viele raffte die Verschrottungsprämie dahin
Sportlicher Spaß durfte nicht fehlen, damals, als es der Popsong „Macarena“ auf die Wahlparty des US-Präsidenten Bill Clinton schaffte, und angeblich sogar der Vatikan tanzte. Zum Kurventanz luden frische Pulsbeschleuniger vom Toyota Paseo bis zur Viper GTS. Mehr als 80 Neuheiten bot das automobile Premierenfeuerwerk des Modelljahrs 1996, und darunter findet sich für fast jeden etwas. Für die Future-Classics-Fans von heute, die mit Modellen wie dem Klappdach-Sportler Mercedes SLK oder den Frischluftstars Porsche Boxster und BMW Z3 heute noch bezahlbare Autos mit potenziellem Sammler- und Wertsteigerungsstatus kaufen, oder für Nostalgiker, die sich mit Familien-Vans wie Renault Espace, Opel Sintra, Seat Alhambra und Toyota Picnic in ihre unbeschwerte Kindheit zurückbeamen wollen.
Apropos Picnic: Wer kennt ihn heute eigentlich noch, diesen unaufgeregten Japaner mit Nehmerqualitäten, der in der TÜV-Mängelstatistik ebenso wie Porsche Boxster und Mercedes SLK durch Unauffälligkeit glänzte, ehe er auf Verschleiß gefahren, zu einem der vielen COpfer des Jahres 2009 avancierte? Dieser Toyota zählt zu den vergessenen Helden des Jahrgangs 1996, er stellt sich in eine Reihe mit anderen Namen, die heute kaum jemand kennt. Clarus, Cordoba, Baleno, Saxo, Tiburon, Primavera, Palio und Marea – wer erinnert sich an dieses preiswerte Import-Portfolio, das perfekt in jenes Jahr passte, in dem die Deutschen zu Spar-Weltmeistern avancierten. Während alle EU-Länder, die bei der kommenden neuen Währung Euro mitmachen wollten, 1996 ihren Haushalt auf Sparkurs brachten, erreichten die Spar- und Anlagekonten der Bundesbürger Rekordstände.
Eine Zeit, als es noch „Minis“ gab
Trotzdem florierte der Autoabsatz, dabei profitierten die Anbieter bezahlbarer Importmodelle aber besonders. Also Marken wie Kia, Seat, Suzuki, Citroen, Hyundai, Nissan oder Fiat, die u.a. mit den oben genannten, kurzzeitig klangvollen, aber rasch verschwundenen Modellnamen auffielen. Vor allem Frauen fühlten sich von ebenso stilvollen wie erschwinglichen Cityflitzern angezogen: Deshalb machten sich neben neuen Stil-Ikonen wie dem Ford Ka auch etablierte Mini-Stars frisch. Der Toyota Starlet debütierte in Neuauflage bevor der Yaris den Staffelstab übernahm, den Peugeot 106 gab es 1996 als Citroen-Klon Saxo, der uralte Mini versuchte als „1.3“ ein finales Revival vor dem Debüt des New Mini made by BMW – und Lancia Y, Nissan Micra sowie Renault Twingo erhielten etwas Make-Up.
Feiner als der Golf IV, aber konstruktiv verwandt gab sich der kompakte Audi A3. Dagegen wurde das Messedebüt der kleinen Mercedes A-Klasse auf März 1997 verschoben – nicht ahnend, dass die A-Klasse danach erst durch serienmäßiges ESP auf sicher-stabile Spur gebracht werden musste, um auch den sogenannten Elch-Ausweichtest zu bestehen. ESP, diese ab 2014 in der EU für alle Neufahrzeuge verpflichtende Sicherheitstechnik, gab es vor 30 Jahren nur in neuen Oberklassemodellen wie der Mercedes S-Klasse oder dem BMW 7er (E38), aber ABS (Vorschrift ab 2004) oder Airbags zogen allmählich auch in Kompaktklassemodelle ein.
Von Katzen und Schlangen
Gleichzeitig setzte das Bundesverkehrsministerium auf den Ausbau der Autobahnen, insbesondere auf den unfallträchtigsten Ost-West-Strecken wie der A2. Nachdem die Verkehrsunfallstatistik 1991, im Jahr nach der deutschen Wiedervereinigung, 11.300 Getötete verzeichnete, ging die Zahl der Verkehrstoten 1996 auf 8.758 zurück – aber noch drei Mal so viele wie 2024. Vorbildlich sicher und gleichzeitig „Alles, bloß nicht langweilig“, sollten neue Autos laut einem Volvo-Werbeslogan 1996 sein, und deshalb renovierten die Schweden gleich ihr komplettes Programm: Vom V40 bis zum vielseitigen V90 reichte nun das skandinavische Typenportfolio – inklusive des schönen Endorphin-Boosters C70. Ein Coupé, auf das Peugeot mit dem aufregend designten zweitürigen 406 in Pininfarina-Couture antwortete. Enthusiastische Motorjournalisten meinten gar, beim Peugeot Coupé habe Pininfarina die Linie des neuen Ferrari 456 GTA zitiert.
Stand: 08.12.2025
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Das Sportjahr 1996 – in dem die deutsche Elf unter Berti Vogts in einem denkwürdigen Finale gegen Tschechien die Fußball-Europameisterschaft gewann (Oliver Bierhoff schoss das erste Golden Goal der Geschichte) und der Fackelläufer Muhammad Ali das olympische Feuer in Atlanta entzündete – brachte weitere automobile Siegertypen hervor. Unter dem Slogan „The Cat is back“ ließ Jaguar den XK8 als Coupé und Cabrio von der Leine und tatsächlich konnte es der XK8 auf einigen Märkten mit Mercedes SL und Porsche 911 aufnehmen. Aus dem Land des neuen Pokémon-Phänomens kam 1996 die fünfte Generation des Honda Prelude mit Allradlenkung; dagegen schickten die USA „Toy Story“ als weltweit ersten digitalen Trickfilm in die deutschen Kinos und Chrysler die zweite Generation der Viper GTS mit bärenstarkem 8,0-Liter-V10 in die Showrooms.
Für Autokäufer, denen Nervenkitzel völlig fremd war, und die ihr Budget für Familie und Business einsetzten, hatte Skoda ein cleveres Angebot: Der neue Octavia basierte auf der Plattform des VW Golf IV und beeindruckte mit schickem Design im Lancia-Look – so die Meinung mancher Motorjournalisten – und viel Platz zu günstigen Preisen. Ein unaufgeregter Tscheche, der Skoda in einen Big Player unter den europäischen Autobauern transformierte. Auch Volkswagen wollte stilvoll wachsen: Chefdesigner Hartmut Warkuß zeichnete die Passat (B5) Limousine mit einem eleganten Dachbogen, an Stammtischen „Warkuß-Bogen“ genannt. Zum weltweit meistverkauften Allrad-Kombi avancierte dagegen fast unbemerkt der japanische Subaru Legacy, der als Outback den Crossover-Trend belebte. Langweilig war das Jahr 1996 nicht – gut für alle Oldtimerfans.