H-Kennzeichen-Klassiker 2025

Als James Bond Cabrio wagte und Biodesign cool war

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Die Zeit von Franzi, Boris und Schumi

Sport machte positive Schlagzeilen, denn Michael Schumacher fuhr zum zweiten Formel-1-WM-Titel, Boris Becker wurde neuer ATP-Weltmeister, Franziska van Almsick fünffache Schwimm-Europameisterin und der deutsche Fußball-Nationalspieler und Weltmeister von 1990, Jürgen Klinsmann, wurde in England zum Spieler des Jahres 1995 gewählt. 13 Jahre später war Klinsmann Trainer des FC Bayern und ein Audi der Dienstwagen – das ikonische TT Coupé debütierte als schon seriennahes Concept auf der IAA 1995.

In der Messehalle gleich nebenan überraschte der koreanische Newcomer Kia mit einem Roadster-Konzept auf Lotus-Basis, das wenig später in Serie ging. Ferrari F355 Spider, Honda NSX mit T-Bar-Roof, Pontiac Firebird V6, Renault Mégane Coach (die französische Interpretation eines kompakten Familien-Coupés) sowie der revolutionär offene Renault Sport Spider ohne Windschutzscheibe (aber mit Helmempfehlung zum Schutz vor Insekten und Steinchen) komplettierten die Sportschau.

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„Auto, echt gut!“

Die Leichtigkeit der Athleten lenkte den Blick ab von den Krisen jenes Jahres. Darunter die Schrecken des Bosnienkrieges mitten in Europa, das Erdbeben, das die japanischen Millionenstädte Kobe und Osaka verwüstete, oder der Krieg zwischen der Kaukasusrepublik Tschetschenien und Russland. Auch das Überleben des Planeten war Thema in Berlin, dies bei der allerersten UN-Klimakonferenz nach dem Inkrafttreten der Klimarahmenkonvention und eröffnet von der damaligen Bundesumweltministerin Angela Merkel. Vertrug sich die Angst vor einem Klimakollaps mit dem Credo: „Auto, echt gut!“? Dieser Slogan begrüßte rund eine Million Besucher der IAA 1995. Zu sehen gab es u. a. den ersten effizienten Benzin-Direkteinspritzer (Mitsubishi Carisma), den seriennahen Smart Fortwo, Hybrid- und E-Autos – und Vertreter des Bio-Trends.

„Ei – Ei – Ei: der neue Sharan“, warb etwa Volkswagen und zeigte den Van in Ei-Form, denn rundliches Biodesign war angesagt. Auch Chryslers großer Voyager (Werbeslogan: „Noch besser als das Original von 1984“) folgte dem Trend, ebenso die gerundeten Cityflitzer Ford Fiesta, Mazda 121 und Lancia Y (Werbespruch: „Die Antipoden der Norm“), während der kompakte Nissan Almera und der Ford Scorpio die Grenzen der Eiform ausloteten. Als neue Familienautos fungierten neben Vans (Honda CR-V, Toyota RAV4 Fünftürer) und frühen SUV sowie Kombis noch immer klassische Fünf- und Viertürer, wie der Novitätenreigen zeigte: vom Alfa 146 über BMW 5er (E39), Fiat Bravo und Brava, Nissan Maxima, Opel Vectra, Peugeot 406 bis zum Rover 400.

H-Kennzeichen: Lohnt das?

Lange Jahre war es ein übliches Ritual: Kaum war ein Fahrzeug 30 Jahre alt geworden, verpasste man ihm eine historische Zulassung. Verständlich, schließlich waren die 191,73 Euro pauschale Steuer (Pkw) ab einem Hubraum von circa 700 cm3 aufwärts immer günstiger als die Steuer im Fall einer regulären Zulassung. Doch das ist seit einiger Zeit nicht mehr zwangsläufig der Fall. Nämlich dann, wenn der Wagen der Schadstoffklasse Euro 2 (oder höher) angehört und über weniger als circa zwei Liter Hubraum verfügt. Deshalb sollte man unbedingt vorab prüfen, ob ein H-Kennzeichen lohnt – zumindest aus steuerlicher Sicht.

Denn: Beides geht nicht, wie ein Urteil des Finanzgerichts Baden-Württemberg zeigt. Im konkreten Fall stritt sich der Eigentümer eines Oldtimers mit dem Hauptzollamt um die Höhe der Kfz-Steuer. Den Oldtimer hatte er 2013 erworben. Seither zahlte er eine Kfz-Steuer in Höhe von 132 Euro, da der Oldtimer von der Zulassungsstelle als schadstoffarm im Sinne der Norm „Euro 2“ eingestuft wurde. Im April 2024 ließ er sich vom Landratsamt den Zusatz „H“ zum amtlichen Kennzeichen erteilen (Oldtimer-Zulassung). Das Hauptzollamt setzte die Kfz-Steuer neu fest – fortan zu zahlen: 191,73 Euro.

Diese Erhöhung wollte der Oldtimer-Eigentümer nicht akzeptieren. Schließlich habe sich die Emissionsklasse des Oldtimers nicht geändert, sodass es aus seiner Sicht keinen Grund gab, ihm die dafür zustehende Steuervergünstigung zu streichen. Das sah das Finanzgericht Baden-Württemberg allerdings anders. Die Zuteilung von H-Kennzeichen unterliege nämlich gesondert der Kfz-Steuer. Diese knüpfe rein an die Zuteilung des H-Kennzeichens, werde unabhängig von Hubraum, Schadstoff- oder Kohlendioxidausstoß festgesetzt und betrage pauschal 191 Euro. Dem stehe auch nicht entgegen, dass die Oldtimer-Besteuerung im Regelfall zwar günstiger sei. Schließlich bleibe es dem Fahrzeughalter unbenommen, von der Zuteilung des H-Kennzeichens abzusehen und den Oldtimer als „normales“ Fahrzeug zuzulassen (FG Baden-Württemberg, Urteil vom 23.3.2023, Az. 13 K 1489/22, Abruf-Nr. 235859)

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Oldtimer von 40 Marken

Nicht zu vergessen die kleinen, braven Alltagsgeräte Honda Civic, Peugeot 306 Stufenheck, Kia Sephia, Subaru Justy oder Suzuki Swift, denen man ihr Alter bis heute ebenso wenig anmerkt wie dem Sound einiger Megahits des Jahres 1995. Vangelis und „Conquest of Paradise“ sowie „Wish you were here“ von Rednex etwa, und natürlich Elton Johns „Circle of Life”, der Song aus „Der König der Löwen“, diesem erfolgreichsten Zeichentrickfilm aller Zeiten und scheinbar ewig populärem Musical.

Und noch ein Kapitel Kulturgeschichte: Ab 1995 galt auf Inlandsflügen der Lufthansa ein Rauchverbot, auch die skandinavische SAS bekämpfte den blauen Dunst. Zeitgleich entfernte der schwedische Autobauer Saab für erste Märkte den Aschenbecher aus seinem neuen Modell 900 – und wurde in Schweden prompt mit einem Preis für den Schutz der öffentlichen Gesundheit ausgezeichnet. Das Überleben seiner Autosparte konnte Saab so nicht sichern. Aber als Klassiker finden die Turbos und Cabrios aus Trollhättan auch 2025 Fans, so wie fast alle neuen Oldtimer von insgesamt über 40 Marken.

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