Amerikanische Finanzinvestoren kaufen ATU

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Kurz nach dem gescheiterten Börsengang verkauft Doughty Hanson die Werkstattkette nun für knapp 1,5 Milliarden Euro an eine US-Investorengruppe.

Die Autowerkstattkette Auto-Teile-Unger (ATU) wechselt einen Monat nach dem Scheitern ihres Börsengangs den Besitzer. Käufer sei für umgerechnet 1,45 Mrd Euro die US-Investorengruppe KKR, teilte der bisherige Eigentümer Doughty Hanson am Mittwoch mit.

Ein neuer Anlauf für den Gang an die Börse rückt damit in weite Ferne. KKR (Kohlberg Kravis Roberts) kündigte ihn erst innerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahre an. ATU aus Weiden in der Oberpfalz hatte Ende Mai den Börsengang zwei Tage vor Zeichnungsbeginn auf unbestimmte Zeit verschoben. Als Grund wurden schwierige Marktbedingungen für Neuemissionen und eine unsichere Stimmung an den Finanzmärkten genannt. Nach Meinung von Finanzexperten hingegen seien die Pläne von ATU, mit den Erlösen aus der Emission vor allem die hohen Schulden abbauen und die Bilanz sanieren zu wollen, "kein besonders aufregendes Verkaufsargument" gewesen. Zudem seien die Preisvorstellungen des Unternehmens für den Ausgabepreis der Aktien zu hoch gewesen.

Die Transaktion soll bis Ende August abgeschlossen werden. ATU-Chef Werner Aichinger bezeichnete KKR als richtigen Partner, um das weitere Wachstum zu begleiten. Doughty Hanson hatte die Mehrheit an dem einstigen Familienunternehmen im Juli 2002 übernommen. KKR sieht sich durch ein früheres Engagement bei dem größten US-Autoteilehändler Autozone gut für ATU gerüstet. Unter der Eigentümerschaft von KKR war das Vertriebsnetzwerk von Autozone von 175 auf 1.423 Verkaufsstellen angewachsen. Seit 1996 ist Autozone Mitglied im S&P-500-Index, dem Index der 500 bedeutendsten US-amerikanischen Unternehmen.

Johannes Huth, Managing Partner bei KKR, sagt: "Wir freuen uns, mit der A.T.U. einen innovativen, schnell wachsenden Marktführer zu erwerben. Wir stehen hinter der Vision des Unternehmens, in Deutschland und international das Filialnetz weiter auszubauen und weitere vielfältige Wachstumschancen zu nutzen.

KKR ist eines der führenden Private-Equity-Häuser der Welt. Die Anlagestrategie konzentriert sich auf Investments in attraktive Unternehmen, um nachhaltige Wertsteigerungen zu erzielen. KKR wurde 1976 gegründet und hat in Nordamerika und Europa mehr als 115 Transaktionen zum Abschluss gebracht. Seit 1996 hat KKR in Großbritannien und auf dem europäischen Festland dreizehn Transaktionen durchgeführt. Im Durchschnitt hat KKR die Beteiligung an seinen Unternehmen über sieben Jahre gehalten. Das Portfolio von KKR besteht aus über 30 Unternehmen. Im deutschsprachigen Raum ist KKR seit 2002 Mehrheitseigner der Demag Holding, in der sieben ehemals zur Siemens AG gehörende Firmen - vornehmlich aus dem Maschinenbau - zusammengefasst sind. Außerdem gehören zum Portfolio von KKR Wincor Nixdorf (früher Siemens Nixdorf), Tenovis (früher Bosch Telekom), MTU sowie Zumtobel.

ATU Autoteile Unger Holding Aktiengesellschaft ist der in Deutschland führende Betreiber von Autofahrer-Fachmärkten mit integrierten markenunabhängigen Kfz-Meisterwerkstätten. Seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1985 baute ATU sein Filialnetz kontinuierlich aus und hatte zum 30. April 2004 ein Netz von 468 Filialen, davon 454 in Deutschland, 13 in Österreich und eine in der Tschechischen Republik. Im Jahr 2003 erzielte ATU einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro und ein betriebliches Ergebnis von 125,4 Millionen Euro. ATU beschäftigt über 12.000 Mitarbeiter und bietet nach eigenen Angaben rund 60.000 verschiedene Produkte an.