Die Lage bei VW ist ernst, noch ist völlig unklar, wie der Autobauer die geforderten Einsparungen aufbringen soll. Die Arbeitnehmer signalisieren Entgegenkommen – sind allerdings auch sehr kampfbereit. Die jüngsten Gespräche haben nichts gebracht, nun werden Streiks immer wahrscheinlicher.
Die Lage bei VW Pkw ist ernst, doch noch besteht Gesprächsbereitschaft. Ob die Situation eskaliert, könnte sich bald zeigen.
(Bild: Mario Hommen/SP-X)
Im Ringen um die massiven Sparpläne bei Volkswagen gehen IG Metall und Betriebsrat mit einem eigenen Zukunftskonzept in die Offensive. Dem angeschlagenen Konzern bieten sie dabei Entlastungen bei den Arbeitskosten von 1,5 Milliarden Euro an. Allerdings nur, wenn VW im Gegenzug auf Lohnkürzungen, Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen verzichtet, wie IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger hinzufügte. Danach sieht es allerdings bislang nicht aus.
„Sollte der Vorstand auf Maximalpositionen und Werksschließungen beharren, übernimmt er die Verantwortung dafür, dass wir in einen Arbeitskampf um Standorte laufen, wie ihn die Republik noch nicht erlebt hat“, sagte Gröger bei der Vorstellung des „Masterplans“ am Mittwoch, 20. November, in Wolfsburg. Noch bis Ende November läuft bei VW die Friedenspflicht, ab 1. Dezember sind dann auch Streiks möglich. Nachdem die Tarifparteien am Donnerstag ohne Ergebnis auseinander gegangen sind, bereitet sich die IG Metall nun auf Warnstreiks vor. Er werde der Tarifkommission empfehlen, „dass wir zu Warnstreiks an den Standorten bei Volkswagen aufrufen“, sagte Gröger nach der dritten Tarifrunde.
Am Donnerstag hatte die Gewerkschaft Muskeln gezeigt. Mehr als 6.000 Teilnehmer aus allen zehn deutschen VW-Werken waren laut IG Metall zu der Protest-Kundgebung direkt vor dem Eingang zum Verhandlungssaal in der Volkswagen Arena gekommen. „Zukunft statt Kahlschlag“, wurde auf Transparenten gefordert, und „Alle Werke müssen bleiben“. Sprechchöre skandierten mit Blick auf mögliche Warnstreiks: „Wir sind bereit.“ Sie heutige Kundgebung sei nur ein Vorgeschmack dessen, was ab Dezember passiert, wenn das Unternehmen unsere konkreten Lösungsvorschläge nicht ernst nimmt, warnte Betriebsratschefin Daniela Cavallo.
Die SPD ruft dazu auf, bei VW einen massiven Arbeitsplatzabbau zu verhindern. Katja Mast, Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion, appellierte an beide Seiten, im konstruktiven Gespräch zu bleiben, „um so einen massiven Arbeitsplatzabbau zu verhindern“. Sie betonte aber auch, dass Managementfehler nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden dürften. „Wir als SPD werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen“, sagte sie.
Die Gespräche sollen am 9. Dezember fortsetzt werden.
Was bieten IG Metall und Betriebsrat an?
Konkret bietet die Arbeitnehmerseite in den laufenden Gesprächen an, die Tariferhöhung 2025 und 2026 nicht an die Mitarbeiter auszuzahlen, sondern befristet als Arbeitszeit in einen Zukunftsfonds einzubringen. Voraussetzung wäre allerdings, dass man in der noch laufenden Tarifrunde um den VW-Haustarif den jüngsten Pilotabschluss für die Metall- und Elektroindustrie übernimmt, der eine Erhöhung um insgesamt 5,1 Prozent in zwei Stufen vorsieht. Volkswagen lehnt bisher jede Erhöhung ab und fordert stattdessen zehn Prozent Lohnkürzung.
Aus dem Fonds sollen nach dem Willen von IG Metall und Betriebsrat dann flexibel Arbeitszeitverkürzungen an bedrohten Standorten finanziert werden. Das ermögliche flexible Arbeitszeitkürzungen ohne Personalabbau. Anders als in der Krise 1993, als VW generell eine Vier-Tage-Woche einführte, gehe es aber nicht darum, die Arbeitszeit generell an allen Standorten abzusenken. Vorgeschlagen werde vielmehr ein solidarischer Fonds, der flexibel eingesetzt werden könne, um Entlassungen an bedrohten Standorten zu verhindern. Laut Gröger führe das bei VW zu erheblichen Einsparungen, da man sich Abfindungen und Kosten für Werksschließungen spare.
„Es ist ein Gegenmodell zum Kahlschlag-Plan des Vorstandes, der Zukunft verhindert statt schafft“, sagte Betriebsratschefin Daniela Cavallo. Einem Personalabbau verschließe man sich dabei nicht grundsätzlich. Er müsse aber sozialverträglich erfolgen – ohne betriebsbedingte Kündigungen. Und auch das Management solle auf Boni verzichten und in den geforderten Fonds zur Zukunftssicherung einzahlen. „Ohne diese Beiträge“, so Cavallo, „wird es auch keinen Beitrag der Belegschaft geben“.
Was verlangen sie als Gegenleistung?
Im Gegenzug verlangen IG Metall und Betriebsrat Garantien für Standorte und Beschäftigung. Die von VW im September gekündigte Beschäftigungssicherung, die betriebsbedingte Kündigen bisher ausschließt, müsse wieder in Kraft gesetzt werden – sowohl für die sechs westdeutschen Werke mit 125.000 Mitarbeiter in Niedersachsen und Hessen als auch für die drei Standorte in Sachsen. Der zehnte deutsche VW-Standort Osnabrück fällt nicht unter den VW-Haustarif und ist daher nicht Teil der gerade laufenden Tarifrunde. Und auch Werkschließungen müssten vom Tisch. Mit den entsprechenden Plänen habe der Konzern „rote Linien“ überschritten, sagte Cavallo.
Stand: 08.12.2025
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Die Betriebsratschefin räumte zwar ein, dass es zu Kapazitätsanpassungen kommen müsse. „Uns ist eben auch klar, dass die Werke, die wir haben, nicht auf dem Niveau, wo wir uns jetzt aktuell befinden, von den Kapazitäten her bleiben werden.“ Das müsse aber ohne Standortschließungen vollzogen werden. Sie forderte eine „solidarische Belegung aller Werke“: Die aktuellen Produkte sollten dafür entsprechend auf die Fabriken verteilt werden. Der Konzern hatte zuvor von 500.000 Fahrzeugen gesprochen, die allein der Kernmarke VW fehlen, um alle Standorte auszulasten. Das entspreche der Kapazität von zwei großen Werken.
Was sagt das Unternehmen dazu?
Der Konzern regierte zurückhaltend auf die Vorschläge. „Zunächst begrüßen wir es, dass die Mitbestimmung Offenheit für Maßnahmen bei Arbeitskosten und Kapazitätsanpassungen signalisiert“, sagte Personalvorstand Gunnar Kilian laut einer Mitteilung. „Jeder Vorschlag hilft, der einen Beitrag zur Zielerreichung leistet“, so Kilian. Die Vorschläge müssten sich aber daran messen lassen, ob sie konkrete und nachhaltige Lösungen ermöglichen, die sowohl die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens sichern als auch die Zukunft der Belegschaft glaubhaft schützen würden.
VW hatte im September einen massiven Sparkurs angekündigt und schließt betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen nicht länger aus. Laut Cavallo sollen mindestens drei Fabriken in Deutschland schließen und Zehntausende Jobs wegfallen. Das Unternehmen selbst hat sich bisher nicht zu konkreten Maßnahmen geäußert.