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„Spezial-Öle“
Ergo fragt sich der Werkstattmann: Welches Öl dann nehmen? Im Gegensatz zum Nutzfahrzeugbereich gibt es kaum spezielle „Gasmotoröle“ für Pkw. Einzig der Ulmer Schmierstoffanbieter Liqui Moly hat bereits seit Längerem eine ganze Reihe gasspezifischer Produkte im Programm, darunter auch LPG/CNG-Motoröle (siehe Tabelle unter „Mehr zum Thema“) für Pkw. Ganz neu und erst seit wenigen Tagen auf dem Markt ist das „Spezific CNG/LPG“ genannte Gasmotoröl des Schmierstoffherstellers Motul. Auch hier sorgen neben einem hochwertigen aschearmen Synthetikgrundöl spezielle Additivpakete für eine Funktionssicherheit gerade im Erdgasbetrieb.
Anders ist die Situation bei Nutzfahrzeugen mit Gasantrieb. Diese werden in der Regel monovalent, d. h. ausschließlich mit Gas betrieben. Ihre Basis sind fast ausnahmslos robuste Dieselaggregate. Hier haben die Konstrukteure signifikante Veränderungen an den Basismotoren vorgenommen – z. B. haben sie so genannte Kühlkanalkolben verbaut. Doch auch diese Motoren haben mit den beschriebenen Widrigkeiten eines Gaskraftstoffs zu kämpfen.
Deshalb, und nachdem der Alternativkraftstoff Erdgas bei Nfz bereits seit rund 15 Jahren zum Einsatz kommt, gibt es von nahezu jedem Schmierstoffanbieter spezielle Gasmotoröle für Nutzfahrzeuge (siehe Tabelle „Mehr zum Thema“). Ein Grund dafür ist auch, dass Lkw-Motoröle in der Vergangenheit meist rein mineralische Produkte waren und an das Potenzial von synthetischen Pkw-Ölen nicht heranreichten – es hier also rasch zu Problemen im Gasbetrieb kam. Deshalb haben auch zahlreiche Nfz-Hersteller entsprechende Freigaben für Motoröle im Gasbetrieb erteilt.
Alternative Öle
Und was empfehlen die anderen Schmierstoffanbieter den Werkstätten und Fahrzeughaltern in Sachen Motoröl für den Betrieb mit Erd- oder Flüssiggas? „Auf jeden Fall sollte hier ein hochwertiger Schmierstoff zum Einsatz kommen“, sagt Dipl.-Ing. Jürgen Deckert, Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung bei Addinol. In das gleiche Horn stoßen auch die Schmierstoffproduzenten Mobil, Aral/Castrol und Shell. Auch sie raten zum Einsatz hochwertiger Synthetiköle im Viskositätsbereich von 0W-30 bis 5W-40.
Hier eignen sich die bereits erwähnten Low- bzw. Mid-SAPS-Öle, die ursprünglich für den Einsatz in Fahrzeugen mit Dieselpartikelfilter (DPF) entwickelt wurden – denn hier würde ein zu hoher Ascheanteil bekanntlich den Filter zusetzen. Auch Anbieter Fuchs empfiehlt mit „Titan GT 1“ sein Topöl, das zinkfrei ist und als einziges Produkt am Markt auf den Aschebildner Zink komplett verzichtet. In der ACEA-Norm C1 bis C4 sind diese aschearmen Öle definiert.
Derartige moderne Öle gewährleisten laut Shell dann auch, dass die vom Fahrzeughersteller mittlerweile weit ausgedehnten Wechselintervalle trotz härterer Einsatzbedingungen beibehalten werden können. So empfiehlt BMW bei Gasbetrieb nun Öle, die der Norm „Longlife 04“ – und damit der Norm für DPF-Fahrzeuge – entsprechen.
Vorteil Synthetik
Martin Redzanowski, Leiter des technischen Kundendienstes bei Castrol, verweist in diesem Zusammenhang auf das Spritsparpotenzial, das hochwertige Synthetiköle gegenüber günstigeren und höherviskosen Produkten bieten. Die möglichen Verbauchseinsparungen von drei bis sechs Prozent sollen so dabei helfen, einen Teil der Mehrkosten wieder aufzufangen.
Stichwort Kosten: Der Kfz-Betrieb kann mit der Umrüstung von Pkw auf den Alternativkraftstoff Gas bares Geld verdienen. Er hat aber auch die Aufgabe, den Autogasfahrer über erhöhte Anforderungen und mögliche Gefahren für Motor und Öl aufzuklären. Dabei hat er gleichzeitig die Möglichkeit, mittels spezifischer bzw. besonders geeigneter Produkte zusätzliche Umsätze zu generieren. Und das ist – die Schmierstoffindustrie wird‘s freuen – gut für ihn, die Umwelt und auf lange Sicht auch für den Autofahrer.
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