Auto Zentrum Nord setzt Maßstäbe – nicht nur für die „Freien“

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Neben einem Dealer Management System von PV-Automotive setzt Oelsch auch auf elektronische Fahrzeugakten. Der Betrieb kann sämtliche Fahrzeugdaten sofort in die Werkstatt übertragen. Per ASA-Schnittstelle sind alle Tester vernetzt, die Monteure müssen nichts mehr per Hand eingeben. Bis ins Reifenlager reicht die Vernetzung. Das effiziente Arbeiten ist extrem wichtig, denn das AZN wirtschaftet mit einem sehr günstigen Stundenverrechnungssatz von knapp 50 Euro. An diesem Satz will Oelsch auch nicht rütteln; für zu groß hält er die Gefahr, dass preissensible oder scharf kalkulierende gewerbliche Kunden keinen Obulus für das Gebäude zahlen möchten und abwandern.

Mit dem niedrigen Verrechnungssatz gelingt es Oelsch, am neuen Standort auch Handwerksbetriebe mit Kleinflotten zu akquirieren. Bisher widmete sich die Firma nur dem Geschäft mit Privatkunden, doch durch die jetzt an einem Standort gebündelten Serviceangebote gelingt es AZN, ins lukrative Flottenkundengeschäft einzusteigen. Nach knapp neun Monaten liegt der Anteil am Werkstattgeschäft bereits bei etwa 10 Prozent. Mit der Außendarstellung durch das neue Gebäude kann die freie Werkstatt gerade auch bei großen Unternehmen punkten. Die optische Gleichwertigkeit mit einem Vertragshändler überzeugt diese bereits auf den ersten Blick von der Leistungsfähigkeit des Betriebs.

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Um die meist von Freitagnachmittag auf Samstag laufenden Aufträge auch fristgerecht fertigstellen zu können, hält Oelsch die wichtigsten Verschleißteile für Bestandsfahrzeuge im Wert von 30.000 Euro vor, denn am Samstag können auch die großen Ersatzteilhändler nicht immer alles kurzfristig liefern. Bei der Neu- und Flottenkundengewinnung zahlt sich das Sponsoring im Nachwuchsbereich von zahlreichen Vereinen aus – AZN ist bekannt und gut vernetzt in Chemnitz. Darüber hinaus findet der Betrieb auch leichter qualifizierte und engagierte Auszubildende. Viele der Chemnitzer Sportvereine sind in höheren Ligen vertreten und ziehen daher auch überregional junge Nachwuchsspieler an. Das gelingt umso leichter, je vielfältiger die Ausbildungsangebote sind, die ein Verein vermitteln kann. In der Umzugsphase wollte Oelsch im Interesse der korrekten Durchführung keine Lehrlinge ausbilden; ab nächstem Jahr sollen aber wieder vier sportliche junge Leute ihre Chance bekommen.

Alles zu verkaufen

Die ausgestellten Schätzchen von Porsche bis W 123 sind übrigens nicht nur museale Dekoration: Rico Oelsch trennt sich auf Nachfrage auch von seinen Exponaten. Etwa fünf bis zehn Old- und Youngtimer hat er ständig verkaufsbereit. Für Kunden mit besonderen Wünschen arbeitet AZN mit dem Klassikzentrum Zwickau zusammen und kann auch auf dessen Fachkompetenz zugreifen. In die Marktnische Oldtimerrestauration mag er aber nicht einsteigen, denn die Unwägbarkeiten bei der Ersatzteilversorgung behindern den normalen Werkstattablauf zu sehr. „Wenn ein Fuhrparkleiter mit 30 Autos vor der Tür steht, möchte ich den nicht abweisen, weil ein Oldie zwei Monate auf ein Teil wartet“, sagt Oelsch. „Trotzdem kümmern wir uns im Einzelfall gerne darum.“

Deutscher Werkstattpreis 2016: Topmoderne Servicebetriebe
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1.000 Radsätze kann das Räderlager im Erdgeschoss aufnehmen, doch bereits jetzt ist es schon zu zwei Dritteln voll. Kein Wunder, denn AZN startet auch beim Reifengeschäft richtig durch. Neben einer Radeinlagerungsaktion sorgt vor allem der Gebrauchtwagenverkauf für volle Auftragsbücher; bei jedem zweiten Wagen ordern die Kunden von AZN gleich einen Satz Winterräder mit. Hier hilft natürlich auch die geografische Lage nahe des Erzgebirges – Allwetterreifen oder gar keine Winterräder, das funktioniert hier nicht. Etwa 40 Prozent der Fahrzeuge bleiben in der Region und meist gleich als neue Stammkunden bei AZN.

Drei Millionen Euro hat Oelsch in den neuen Betrieb investiert, und das schicke Gebäude hilft sicher, die Schwellenängste von Autohauskunden abzubauen. Von der optischen Anmutung machten sich natürlich auch Geschäftsführer und Regionalleiter wohlbekannter Nobelmarken vor Ort ihr Bild. Sogar ein Servicevertrag für Land Rover stand bereits zur Debatte – doch Rico Oelsch bleibt lieber „frei“. Das Freie, das Selbstentscheiden, das machte AZN stark. Folgerichtig sieht Oelsch den eigentlichen Grund für den wirtschaftlichen Erfolg seiner Firma bei der Belegschaft. „Wir sind authentisch und die Kunden merken das. Nadelstreifen und Sakko trägt niemand bei AZN, und wir reden mit allen Kunden gleich – so wie uns der Schnabel eben gewachsen ist“, meint Oelsch schmunzelnd.

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