Automobilmarkt im Wandel
Die 11. Handelsblatt-Jahrestagung unter dem Motto "Die Automobilindustrie - Märkte im Wandel" brachte es ans Tageslicht: Lebensgefühl, Kreativität und Individualität statt Technik sind gefragt.
Die Themen der 22 führenden Vertreter der Automobilbranche trafen den Puls der Zeit: Innovationen der Automobilindustrie, Herausforderungen für Hersteller und Zulieferer sowie Chancen in Osteuropa, China und den USA. Rund 270 Teilnehmer besuchten die dreitägige 11. Handelsblatt-Jahrestagung "Die Automobilindustrie - Märkte im Wandel" in Frankfurt, die in Kooperation mit dem Verband der Automobilindustrie VDA, der Euroforum Deutschland GmbH und dem Wall Street Journal Europe stattfand.
Prof. Dr. Bernd Gottschalk, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) sprach sich auf dem Branchentreff für einen weltweiten Abbau von Handelsschranken aus: "Wir brauchen und wir fordern einen weiteren Schub in der Liberalisierung unserer Märkte". Weiterhin mahnte Gottschalk eine ideologiefreie Welthandel-Diskussion an und meinte: "Es ist sehr enttäuschend, was derzeit aus Cancún gemeldet wird." Durch die Konkurrenz der Standorte werde aber auch der Produktionsstandort Deutschland noch stärker auf den Prüfstand gestellt. Innovationen und Flexibilität seien unabdingbar, um im Markt zu bestehen. Absoluter Star der Wachstumsmärkte sei derzeit China, resümierte der VDA-Präsident.
Profitables Wachstum sieht Bernhard Mattes, Vorsitzender des Vorstandes der Ford-Werke AG, nur durch nachhaltiges Kosten- und Wachstumsmanagement gegeben. Für den Pkw-Markt schätzt Mattes für dieses Jahr 3,2 Millionen Einheiten, eine leicht rückläufige Tendenz (Vorjahr: 3,25 Millionen Einheiten). Am Beispiel Ungarns zeigte er die Möglichkeiten des osteuropäischen Marktes auf: Hier sei das Industrievolumen in den letzten fünf Jahren um 59 Prozent gestiegen, von 127.202 im Jahr 1998 auf 203.461 im Jahr 2002. Notwendig sei aber vor allem ein starkes Produkt: "Die Marke muss erlebbar sein", stellte Mattes fest.
Carl-Peter Forster, Vorsitzender des Vorstandes der Adam Opel AG, hält zwar Innovationen für notwendig, weist aber darauf hin, dass in diesem Jahrhundert technologische Innovationen nicht mehr so ausschlaggebend seien wie früher. Gefragt seien vielmehr Vielseitigkeit und Kreativität, denn: "Autos sollen den Lebensstil der Kunden unterstützen", so Forster.
"Überzeugende Qualität in allem was wir tun!" ist die Philosophie von Toyota, erklärte Dr. Takis Athanasopoulos, Executive Vice President and COO von Toyota Europe. Dies mache sich bezahlt, denn nach einer JD Power-Studie sei Toyota in Großbritannien und Deutschland die Marke mit der größten Kundenzufriedenheit. Toyota entwickele für Europa und produziere auch dort, betonte Athanasopoulos. Das erwartete Absatzwachstum mache eine Erweiterung der vorhandenen Fabriken notwendig, stellte er in Aussicht.
Die Entwicklungen der Automobilproduktion und die Absatzmöglichkeiten in Zentral- und Osteuropa stellte Vratislav Kulhánek, Vorsitzender des Vorstandes von Skoda Auto, vor. Immerhin 95 Prozent der Produktion der tschechischen Automobilindustrie werde exportiert. Dabei habe sich der Umsatz in der Branche in den letzten fünf Jahren verdreifacht. Kulhánek sieht auch einen Trend zur Individualisierung, der eine hohe Variantenvielfalt der Modelle bewirke.
Inwieweit sich europäische Premiumanbieter auf dem US-Markt positionieren, erläuterte Dr. Joachim Schmidt, Mitglied des Geschäftsfeldvorstandes Mercedes Car Group, DaimlerChrysler. Für Schmidt "wächst der US-Markt nur noch sehr moderat, allerdings auf hohem Niveau". Die Incentive-Schlacht werde aber in den USA im Premium-Bereich nicht so stark sein wie in anderen Segmenten. Benchmark für Qualität sei Toyota, stellte Schmidt abschließend fest.