Autoscout 24 und der Urknall des automobilen Internets

Autor / Redakteur: Stephan Maderner / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Autoscout 24 feiert 2008 sein zehnjähriges Firmenjubiläum. Wie alles begann, was sich seither im Autohandel gewandelt hat und vor welchen Herausforderungen die Branche steht, haben die beiden Firmengründer verraten.

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Redaktion: Herr Dr. Carbonari, Herr Dr. Deskovic – vor zehn Jahren haben Sie Autoscout 24 gegründet. Welche Rolle hat Ihr Unternehmen in diesem revolutionären Professionalisierungsprozess für Autohäuser gespielt?

Dr. Nicola Carbonari: Wir haben vor zehn Jahren erkannt, dass die Automobilbranche vom Internet profitieren konnte – zu einer Zeit, als dieses Medium selbst unter Investoren noch ein Fremdwort war. Denn an der Schnittstelle zwischen Produkt/Angebot und Kunde ging es intransparent zu. Kunden, die damals in den gängigen Anzeigenblättern suchten, taten sich schwer, fündig zu werden. Mit der Gründung von Autoscout 24 machten wir der Branche ein verlockendes Angebot. Durch das schnelle Medium Internet ließen sich viele Prozesse professionalisieren, vor allem aus Sicht des Verbrauchers.

Dr. Nicolas Deskovic: Wir sind von Anfang an nicht nur eindimensional gestartet, sondern mehrschichtig aus dem Markt heraus. Es gab und gibt drei Bereiche, die man abdecken muss: Das ist erstens der Autohandel mit den Händlerverbänden, mit den Organisationen, mit den Meinungsführern des Kfz-Gewerbes. Es gibt zweitens die Autohersteller, die wiederum ihre eigenen Ziele verfolgen, und schließlich den Endkunden. Um den Nutzen und die Vorteile des Internets für alle drei Parteien offensichtlich zu machen, musste man alle drei Interessensgruppen auf einem Marktplatz zusammenbringen. Wir waren von Anfang an die einzigen, die konsequent alle drei Felder beackert haben.

Beschreiben Sie Ihre Gefühlslage am Vorabend des Start-ups 1998.

Carbonari: Wie bei vielen anderen Neugründungen auch, fiel uns in den Anfangstagen von Autoscout 24 beileibe nicht alles in den Schoß. Wir hatten unsere sicheren Jobs bei McKinsey gekündigt und den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Um uns herum schossen die Internet-Start-ups wie Pilze aus dem Boden. Es erfüllt uns mit Stolz, dass wir als eine von wenigen Marken überlebt haben und erfolgreich gewachsen sind. In den USA reüssierten automobile Online-Marktplätze wie Autobytel oder Cars Direct eher im Neuwagensektor. Wir dagegen legten den Fokus auf das Gebrauchtwagengeschäft, wo der Wunsch nach klaren Angeboten definitiv am größten war. Der Handel hat diesen Vorteil sehr schnell für sich erkannt. Hinzu kam eine ordentliche Portion Glück, dass wir schließlich auch Investoren von unserem Konzept überzeugen konnten. Als endlich das erste Geld da war, waren wir fast schon euphorisch. Damit startete unser Höhenflug. Heute fühlen wir uns nach wie vor als Unternehmer, sind begeistert und gestalten Zukunft.

Deskovic: Wir haben unser Unternehmen zunächst unter dem Namen „Mastercar“ gegründet. Die Idee war, auf einem Online-Marktplatz Angebot und Nachfrage zusammenzuführen. Zu diesem Zeitpunkt brachten wir beide die richtigen Voraussetzungen mit, um das Thema hochzuziehen. Wichtig war jedoch auch das Team. Es ist in jedem Start-up kriegsentscheidend. Wichtig ist ein harmonisches Zusammenspiel von Technikfreaks und Marketingprofis..

Welche positiven, aber auch negativen Ereignisse sind Ihnen in den vergangenen zehn turbulenten Internetjahren in Erinnerung geblieben?

Carbonari: Der positivste Moment ist der Urknall. Man hat ein Ziel, das weit weg ist, und man fühlt die Energie. Es ist, wie wenn man ein Baby bekommt: Man schafft etwas Neues und hofft, dass dieses Neue eine erfolgreiche Zukunft hat. Aber natürlich gab es auch negative Ereignisse. 2001 und 2002 waren sehr schwierige Jahre, nicht nur für uns. Viele Investoren verloren damals ihr Vertrauen ins Internet – glücklicherweise traf das nicht auf unsere Geldgeber zu. Wir hatten jedoch just zu diesem Zeitpunkt einen Börsengang geplant, der damit natürlich in weite Ferne rückte. In dieser schwierigen Phase sind wir gereift und legten wieder mehr Wert auf Prozessoptimierung. Wir kümmerten uns vermehrt um Dinge, die zwar weniger Spaß gemacht haben, die uns aber „erwachsener“ werden ließen. Die „Erziehung“ unseres „Babys“ hat schließlich Früchte getragen.

Deskovic: Auch für mich überwiegen die positiven Momente. Vor allem an drei Meilensteine erinnere ich mich gern: Zum Beispiel an die erste große Party, die wir gefeiert haben – weil wir eine Million Seitenaufrufe im Monat erreicht hatten. Für uns war das damals eine ungeheuer große Menge. Heute registrieren wir bereits eine Milliarde Page Impressions! Oder der Zeitpunkt, als wir 100 000 Fahrzeuge in der Datenbank hatten. Heute stehen wir bei fast 1,7 Millionen. Ein weiterer Glücksmoment für mich war das Erreichen der schwarzen Zahlen im Jahr 2003, ein echter Meilenstein. Aber auch die Rückschläge bleiben natürlich in Erinnerung. Im Jahr 2000 beispielsweise mussten wir unsere Aktivitäten in Frankreich, wo wir heute wieder kräftig Gas geben, vorübergehend auf Eis legen. Meine Erkenntnis aus dieser Zeit ist: Man darf sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Um fit für die Zukunft zu bleiben, darf man sich niemals von seinen Visionen verabschieden.

Dank eines organischen Wachstums sind Sie derzeit in zehn Ländern aktiv. Wo wachsen Sie weiter?

Carbonari: Osteuropa steht ganz oben auf der Agenda. In Polen sind wir bereits über eine Partnerschaft vertreten. Aber auch für Rumänien und Bulgarien gibt es konkrete Pläne. Die Internationalisierung war von Anfang an ein wichtiges Thema.

Deskovic: Die Frage ist nicht, ob Autoscout 24 bereit ist, in neue Märkte zu expandieren. Entscheidender ist die Frage, ob die Märkte die Reife haben, um von unserem Service zu profitieren.

Der deutsche Markt ist ein reifer Markt. Dennoch werden viele Fehler gemacht. Wie helfen Sie Händlern, professioneller zu werden?

Carbonari: In die Unterstützung und Schulung unserer Handelspartner investieren wir viel. Technologie und Bedienbarkeit stehen im Vordergrund – aus Sicht des Endverbrauchers wie des Händlers. Wir trainieren unsere Handelskunden kontinuierlich und zeigen ihnen auf, wie sie die Vorteile des Internets noch besser für sich nutzen können. Das geht von der schnellen Beantwortung von E-Mails über die perfekte Fahrzeugbeschreibung bis hin zur Organisation der internen Prozesse. Mithilfe des Internets lässt sich nicht zuletzt ein perfektes Kundenbeziehungsmanagement aufbauen.

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