Berufsweltmeisterschaft 2009 in Kanada
Mehr als 900 Teilnehmer aus 48 Nationen waren in 45 Wettkampfdisziplinen angetreten, um die Besten der Besten zu ermitteln. Die „deutsche Nationalmannschaft“ gab dabei insgesamt eine gute Figur ab.
Land: Kanada. Provinz: Alberta. Stadt: Calgary – Austragungsort der diesjährigen Berufsweltmeisterschaften, bei denen insgesamt 45 Berufsgruppen gegeneinander angetreten sind. Calgary, von den Kanadiern in spöttischer Anerkennung als Quelle des Reichtums der Region auch „Cowtown“ genannt, weil sich der Wohlstand ursprünglich auf Viehzucht gegründet hat. Das ist heute höchstens noch die halbe Wahrheit, denn seit der Rohölpreis für das Barrel die 50-Dollar-Marke deutlich überschritten hat, lohnt sich rund um Calgary die Ausbeutung der Ölsande und beschert der Provinzhauptstadt einen nie dagewesenen Wohlstand.
Im Jahr 1988 wurde die Provinzhauptstadt als Austragungsort der olympischen Winterspiele erstmals in Europa wahrgenommen. „Eddy the Eagle“ – ein fast blinder Engländer – schrieb hier Skifluggeschichte. Dieses Jahr war sie Austragungsort der Berufsweltmeisterschaften 2009, der zweitgrößten Veranstaltung in der Geschichte Albertas, deren Eröffnung sich der Premierminister des Landes, Stephen Harper, nicht nehmen ließ. Um für genügend jugendliches Publikum zu sorgen, hatte man in Alberta die Ferien kurzerhand vorverlegt, damit interessierte Jugendliche den Wettbewerb besuchen konnten. Eine Rechnung, die voll aufging, denn von den insgesamt 151.000 Besuchern waren weit über 50.000 Schüler.
Welche wirtschaftlichen Dimensionen eine solche Veranstaltung hat, sollte man sich vor dem Hintergrund klarmachen, dass Deutschland 2013 Austragungsort dieser Veranstaltung sein wird. Die Vorbereitungskosten und Investitionen werden von den Kanadiern auf 56 Millionen Kanadische Dollar beziffert. Als Impuls für die heimische Wirtschaft fließen über 82 Millionen Dollar direkt in die Stadt Calgary zurück. Der Löwenanteil daraus speiste sich aus über 30.000 Übernachtungen. Denen folgen weitere direkte Einnahmen.
Über 1.000 Teilnehmer waren als Delegierte und Experten bei den Wettkämpfen im Stampede-Park, dem Messegelände. Mehr als 3.000 freiwillige Helfer sorgten für einen reibungslosen Ablauf von der Eröffnungsveranstaltung bis zur Schlusssirene. Vorbereitungszeit: Vier Jahre!
Dreimal Gold für Deutschland
Die „Deutsche Nationalmannschaft“ hatte Grund zu jubeln, als sie am Ende der Veranstaltung insgesamt drei Gold-, zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen verzeichnen konnte. Dazu kamen zwölf „Medailles d‘Excellence“ – eine besondere Anerkennung für gute Platzierungen im Teilnehmerfeld. Damit konnte das deutsche Team unterm Strich sein Ergebnis der letzten WM in Shizuoka (Japan) klar übertreffen.
Gold holten die Landschaftsgärtner Tobias Bohnert und Andreas Waldvogel sowie der Koch Florian Neumann. Silber ging an den Bautischler Thorsten Kornmayer und den Anlagenelektriker Florian Fuchs. Der Fliesenleger Georg Leicht erzielte genauso Bronze wie der Offsetdrucker Stephan Groß. Nicht ganz so gut lief es für unseren Kraftfahrzeugmechatroniker Florian Weiss. Nach einigen Schwierigkeiten an den Stationen „Getriebe“ und „Kraftstoffversorgung“ reichte es nur für Platz 23. Frei nach Coubertin, dem Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit, war für Florian Weiss Dabeisein diesmal alles.
Duale Berufsbildung ist leistungsfähig
Insgesamt zählte das deutsche Team zu den Top Ten der Welt, obwohl es mit 23 Wettkampfteilnehmern zu den kleineren Mannschaften gehörte. Die für Berufsbildung zuständige Geschäftsführerin beim ZDK, Birgit Behrens, wertete das Gesamtergebnis als „deutliches Zeichen für die Leistungsfähigkeit der dualen Berufsausbildung.“
Ihr ausdrücklicher Dank ging an die Geschäftsführer der Firma Carbon aus Eigeltingen, Edeltraut Holle und Siegbert Müller, die die Teilnahme von Florian Weiss in Calgary mit 10.000 Euro gesponsert haben. Behrens wörtlich: „Firmen wie die Carbon GmbH sind für unsere Nachwuchsarbeit ausgesprochen wichtig. Sie helfen uns bei Jugendmessen und anderen Events und unterstützen unsere Sonderschauen mit Systemlösungen und Schulungskonzepten im Bereich innovativer Karosserieinstandsetzung.“
Weitere Unterstützung gab es von allerhöchster Stelle: Bildungsministerin Annette Schavan war sich sicher, dass die teilnehmenden Damen und Herren „hervorragende Botschafterinnen und Botschafter für die Deutsche Berufsausbildung auf internationalem Parkett waren.“ Nicht zuletzt deswegen wird das Bundesministerium für Bildung und Forschung den Wettbewerb weiterhin wirtschaftlich unterstützen.
Weltmeisterschaften 2013 in Leipzig
Für Deutschland bedeuteten die Weltmeisterschaften in Calgary einen doppelten Gewinn. Denn neben der eigentlichen Teilnahme setzte sich Leipzig mit seinem Bewerbungskomitee gegen Paris als Austragungsort 2013 durch. Dabei ging die Entscheidung denkbar knapp aus. Mit 23 : 22 Stimmen war es ein echtes Wimpernschlagfinale, in dem man auch dem Konkurrenten Respekt zollen musste.
„Das war sicher kein einfaches Unterfangen, da mit Frankreich ein professioneller Wettbewerber an den Start ging“, kommentierte Dr. Theodor Niehaus, Vorstandsvorsitzender von Skills Germany, das Ergebnis. „Die Freude in der deutschen Delegation war riesig, der Dank geht an alle beteiligten Partner. Die World Skills 2013 werden der Berufsbildung in Deutschland einen starken Impuls verleihen.“
Als hätte er es geahnt, war auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkard Jung mit nach Calgary gereist und zeigte sich überglücklich: „Diese Entscheidung ist eine tolle Chance für unsere Stadt, aber vor allem für die deutsche Berufsausbildung und die regionale Wirtschaft.“ Auch die Geschäftsführer der Leipziger Messe, Wolfgang Marzin und Martin Buhl-Wagner, hatten allen Grund zur Freude. Nach der Entscheidung sahen sie sich Aufwand und Struktur des Wettbewerbs in Calgary genau an und nahmen sicher schon die eine oder andere Anregung mit nach Hause.
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