Bewegte Geschichte

Redakteur: Elvira Minack

Am 17. Oktober 1907 ließen Louis Renault und vier französische Kaufleute in Berlin die „Renault Frères Automobil Aktiengesellschaft“ in das Handelsregister eintragen.

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Damit verfügten die Franzosen über ihre erste Tochtergesellschaft in Deutschland. Der Firmensitz und die Verkaufsräume befanden sich in der Mohrenstraße in Berlin Mitte.

Zum Verkaufsprogramm gehörten zunächst Luxus-Limousinen, später dann auch mittlere Limousinen, Taxen, Busse und Nutzfahrzeuge. Neben einer Zweigniederlassung in Frankfurt hatte das Unternehmen 13 Vertretungen in Deutschland.

Bis zum ersten Weltkrieg erlebte das junge Unternehmen einen anhaltenden Aufschwung. Die Modelle waren wegen ihrer hohen Qualität und Zuverlässigkeit bei Taxiunternehmen und ab 1912 auch bei den ersten Autovermietern sehr beliebt. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die Firma unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt. Krieg und Wirtschaftskrise zwangen Louis Renault, die Gesellschaft zu liquidieren.

Schnelles Wachstum

1927 nahm Renault seine Aktivitäten in Frankfurt am Main wieder auf. Das Unternehmen entwickelte und produzierte zu dieser Zeit auch Bootsmotoren, Flugzeuge, Lastwagen und Traktoren. Neben dem Primaquatre gewannen auch die Luxusmodelle Nervastella und Nerva Grand Sport sowie die eleganten Cabriolets die Gunst der deutschen Kunden.

Die Weltwirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg stoppten das Unternehmen in Deutschland erneut.

Im Gründungsjahr der Bundesrepublik 1949 starteten die Franzosen in Baden-Baden neu. Zunächst durften sie Automobile ausschließlich an Angehörige der alliierten Streitkräfte verkaufen. Erst den Renault 4 CV konnten auch wieder Privatkunden erwerben. 1954 ging es aus dem Badischen nach Köln.

Das Modell Dauphine brachte Jahre später das Unternehmen auf Erfolgskurs. Die Zahl der Händler wuchs auf 250, die Zulassungen kletterten auf 36 000 Einheiten pro Jahr. 1959 erfolgte die Teilung in die Deutsche Renault Vermögensverwaltung und die Deutsche Renault Automobilgesellschaft KG., die sich am heutigen Standort Brühl niederließ.

Wichtigster Markt

In den sechziger Jahren entwickelte sich Deutschland zum wichtigsten Auslandsmarkt. Die neuen Modelle R4 und R16 waren sehr beliebt und führten dazu, dass 1967 der Marktanteil erstmals über die Fünf-Prozent-Marke stieg: 950 Händler verkauften mehr als 74 000 Einheiten.

Mit einem Marktanteil von sieben Prozent und nahezu 150 000 Fahrzeugen wurde Renault nur drei Jahre später erstmals Marktführer unter den nicht deutschen Anbietern. Der R4 stand für mehr als die Hälfte aller Neuzulassungen. Der Umsatz betrug fast eine Milliarde Mark.

Die anhaltend hohen Verkäufe und der parallel dazu steigende Gesamtfahrzeugbestand erforderten ein großes Händlernetz. 1978 verfügte Renault mit 1 600 Partnern über das viertgrößte Servicenetz in Deutschland. Ende der siebziger Jahre nahm die Renault Leasing GmbH ihre Tätigkeit auf. Die Renault Credit Bank GmbH erhielt die Vollbankkonzession. 1989 begann Renault als einer der Ersten mit dem Aufbau eines Vertriebsnetzes in den neuen Bundesländern und startete damit eine neue Erfolgsstory. Schon 1991 wurden die Franzosen mit mehr als 241 000 verkauften Einheiten erneut größter nicht deutscher Anbieter; diese Position haben sie bis heute nicht mehr abgegeben. 1995 wurde Michael Schumacher der erste deutsche Formel-1-Pilot, der mit einem Renault-Motor den F1-Weltmeistertitel errang.

Heute sind rund 2,6 Millionen Renault-Fahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs. Mit ihren hohen Sicherheitsstandards – Renault verfügt als einziger Hersteller über acht Fahrzeuge mit der Höchstwertung von fünf Sternen im Euro-NCAP-Crashtest – hat die Marke weiter an Ansehen gewonnen.

Im Jubiläumsjahr umfasst das Händlernetz rund 1 400 Verkaufsstellen und beschäftigt 18 000 Mitarbeiter.

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