BMW Active Hybrid 7: Die Stromschnelle

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Auch beim Blick in den Motorraum zeigt sich wenig Innovatives. Hybridkomponenten? Fehlanzeige. Alles mutet an wie bei einem ganz normalem 7er mit Benzin- oder Dieseltriebwerk. Anders sieht es bei einem Blick in den Kofferraum aus. Den an sich üppig dimensionierten Laderaum verkleinert im linken Bereich ein mit Teppich verkleideter Quader in Bierkastengröße. Das sieht trotz des imageträchtigen Aufdrucks „Active Hybrid Power Unit“ etwas behelfsmäßig aus und verringert das Ladevolumen auf zerklüftete 460 Liter.

Im Inneren des Bierkastens sitzt gut isoliert der rund 27 Kilogramm schwere Lithium-Ionen-Akkupack mit einer Betriebsspannung von 120 Volt. Immerhin bleibt die Skidurchreiche in den Innenraum erhalten. Gründe für die alles andere als sinnvolle Platzierung im Gepäckabteil sind eine bessere Gewichtsverteilung und die geringeren Temperaturschwankungen. Entwicklungspartner Daimler hat das gleiche Akkupaket beim S 400 Hybrid sinnvollerweise in den Motorraum gepresst.

Aufdringliche Hybrid-Schriftzüge

Der Kasten im Laderaum ist neben den allzu aufdringlichen Hybrid-Schriftzügen rund um das Fahrzeug und dem Infodisplay im Armaturenbrett jedoch das offensichtlichste Elektromerkmal. Ansonsten hat man schlicht das Gefühl, in einem BMW 750i zu sitzen, der eine Leistungsspritze bekommen hat. Grund: Die E-Maschine stellt beim Start ein Extra-Drehmoment von 210 Newtonmetern zur Verfügung. Wer es im Teilzeit-Elektriker fliegen lässt, spürt die elektronischen Akku-Vitamine deutlich, allerdings auch das Mehrgewicht, das bei rund 100 Kilogramm liegt.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

Bei der Frage, warum BMW als Trägertriebwerk für den Hybridantrieb den durstigen Achtzylinder und nicht wie der Hauptkonkurrent einen kleineren Sechszylinder gewählt hat, muss Werner Bauer nicht lange überlegen: „Wir erwarten, dass 45 Prozent aller Active Hybrid 7 in die USA gehen. Die USA sind ein reiner Achtzylindermarkt. Das wird sich erst einmal nicht ändern. Auf Platz zwei bei der Hybridnachfrage erwarten wir Deutschland mit rund 20 Prozent.“

Ob die Hybridkunden diese Leistungsstärke spüren wollen, wird sich zeigen. Schließlich hätte der erwartete Normverbrauch eines doppelt aufgeladenen Sechszylinders mit knapp 350 PS wohl unter acht Litern Super auf 100 Kilometern gelegen. Damit käme man nahe an den Dieselverbrauch des BMW 730d heran – ein Wert, der Zeichen gesetzt hätte.

Hybridaufschlag liegt bei 5.000 Euro

Ein günstiges Vergnügen wird der BMW 7er Hybrid nicht, doch immerhin haben die Bayern aus dem gigantischen Aufpreis des Active Hybrid X6 gelernt. Das ab Mitte April verfügbare Elektro-Flaggschiff BMW Active Hybrid 7 soll mindestens 105.900 Euro kosten. Die Langversion ist nochmals 6.600 Euro teurer. Zum Vergleich: Der ähnlich leistungsfähige Vollhybrod Lexus LS 600h kostet ab 103.900 Euro.

Abzüglich der serienmäßigen Mehrausstattung beträgt der Hybridaufschlag somit rund 5.000 Euro. BMW rechnet quer durch alle Märkte beim Siebener mit einem Hybridanteil von knapp zehn Prozent. Der Siebener soll bei BMW zusammen mit dem X6 Hybrid nur der Auftakt in ein neues Elektronenzeitalter sein.

„Das Hybridmodul, das wir hier verbaut haben, wird man mittelfristig nicht allein im 7er sehen“, deutet Baureihenleiter Oliver Walter an. Längst ist es kein Geheimnis mehr, dass auch die neuen Schwestermodelle 5er und 5er GT beizeiten mit der Kombination aus ZF-Achtgang-Automatik und dem Hybridmodul ausgestattet werden.

(ID:325741)