Das deutsche Wirtschaftswunder prägte BMW dann durch V8-Limousinen („Barockengel“ 501 und 502), luxuriöse Traumsportwagen (503 und 507) und originelle Kleinstmobile (Isetta und 600). Eine schrille Modellmelange, die 1959 fast zu einem Verkauf an Daimler-Benz führte. Die Rettung brachten protestierende Kleinaktionäre und der finanzielle Einstieg der bis heute engagierten Industriellenfamilie Quandt.
Wichtiger Bestandteil des Sanierungsplans war der BMW 1500, der als sportliche Mittelklasse auf der IAA 1961 debütierte. Und dies passgenau zur Borgward-Pleite, denn BMWs sogenannte „Neue Klasse“ füllte die zuvor von der Borgward Isabella besetzte Nische leistungsstarker Limousinen. Zur Ära der Golden Sixties wurden die folgenden Jahre für BMW aber auch durch die zweitürigen 1600-2 bis 2002 tii, die alle Sportfahrerherzen im Sturm gewannen. Und in der Oberklasse starteten ab 1968 neue Sechszylinder-Limousinen und Coupés mit 2,5 bis 3,3 Liter Hubraum.
Große Motoren sorgten für Boom
Passend zu den Olympischen Spielen in München präsentierte BMW 1972 die vom Volksmund „Vierzylinder“ genannte neue Konzernzentrale mit markanten runden Türmen. Allerdings waren es nun nicht mehr nur Vierzylinder, sondern vor allem die großen Motoren, die BMW einen Boom bescherten, den nicht einmal Ölkrisen ernsthaft bremsten.
So bewirkten das 6er Sportcoupé und die 7er Limousine einen neuen Auftritt in der Luxusklasse, der im 745i von 1980 vorläufig gipfelte. Mit 185 kW/252 PS markierte der Turbo-7er die Leistungsspitze bei Luxuslinern mit sechs Zylindern, während der Mittelmotorsportwagen M1 mit bis zu 346 kW/470 PS einen Ritt auf der Kanonenkugel versprach wie sonst nur Ferrari und Lamborghini. Tatsächlich war Lamborghini am Entstehen des M1 nicht ganz unbeteiligt.
Mit der zweiten Generation des 7ers deklassierte BMW dann nachhaltig die Konkurrenz mit Stern, war der 750i von 1987 doch der erste deutsche Zwölfzylinder der Nachkriegsära. Für Volumen und die Auslastung der vielen neuen BMW-Werke – auch in Südafrika, Österreich und den USA – sorgten derweil die erfolgreichen 5er- und 3er-Baureihen, die schließlich um den kompakten BMW 1er sowie um die Z-Sportwagen ergänzt wurden.
Zum Imageträger wurde derweil die BMW M GmbH mit weiteren Hochleistungsmodellen wie M3 und M5. Ausgerechnet auf dem Höhepunkt des milliardenschweren Flops der Rover-Übernahme präsentierte BMW 1999 den X5 als Vorreiter einer erfolgreichen Crossover-Offensive.
Verkäufe und Zukäufe
Mit diesem Schwung im Rücken konnten sich die Bayern im Jahr 2000 durch den Verkauf der Rover Group aus einer neuerlichen Konzernkrise befreien. BMW kam wieder mit einem blauen Auge davon und zeigte sich anschließend stärker denn je. So konnten die Münchner die Übernahmeschlacht um Rolls-Royce gegen VW souverän gewinnen. Und Mini als bei BMW verbliebenes Rover-Erbe erwies sich sogar als auflagenstarker Segen.
Viel gewagt und letztlich fast immer gewonnen, lässt sich über die 100-jährige BMW-Geschichte resümieren. Die Bayern hatten das Glück am Ende immer auf ihrer Seite, und genau das erhoffen sie sich nun von der Elektromobilität, für die sie mit den Modellen i3 und i8 ihre Initialzündung setzten.
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