Der Bosch-Konzern konnte 2023 Umsatz und Ertrag steigern. Damit rechnet die Geschäftsführung für das laufende Jahr nicht. Weil der konjunkturelle Rückenwind fehle, müsse man weiter Kosten senken.
Bosch Forschungscampus in Renningen (Baden-Württemberg).
(Bild: Bosch)
Wegen des stockenden Hochlaufs der E-Mobilität und der angespannten Konjunktur hält sich der Technologiekonzern Bosch mit den Jahreszielen zurück. „Die Märkte entwickeln sich verzögert – das ist bei der Elektromobilität so, das ist bei Wasserstoff und Wärmepumpe nicht anders“, sagte Bosch-Chef Stefan Hartung am Donnerstag anlässlich der Bilanzpressekonferenz im schwäbischen Renningen. Man sehe in diesen Bereichen zwar weiterhin große Wachstumschancen. 2024 bleibe aber anspruchsvoll.
Der weltweit größte Autozulieferer – der auch Haushaltsgeräte, Elektrowerkzeuge sowie Wärmepumpen verkauft – will seinen Umsatz im laufenden Jahr um fünf bis sieben Prozent steigern. Die Prognose fällt damit zurückhaltender aus als im Vorjahr. Das liege auch daran, dass man keinen nennenswerten Rückenwind aus der Weltwirtschaft erwarte, erklärte Bosch-Finanzchef Markus Forschner.
In den ersten drei Monaten 2024 sei der Umsatz der Gruppe im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht gesunken. Bei der Profitabilität stehen die Zeichen auf Stagnation: Forschner sieht das Unternehmen höchstens auf dem Niveau von 2023.
Zielrendite wird frühestens 2026 erreicht
Im vergangenen Jahr erzielte der Konzern wie bereits im Februar angekündigt einen Umsatz von 91,6 Milliarden Euro. Das operative EBIT betrug 4,8 Milliarden Euro – etwas mehr als zunächst angekündigt. Dafür sei der Einsatz aller Kräfte nötig gewesen, hatte Hartung früher im Jahr gesagt. Unter dem Strich (Ergebnis nach Steuern) blieben etwa 2,6 Milliarden Euro übrig – deutlich mehr als im Vorjahr.
Der Umsatz (2023) des Bosch-Konzerns, aufgeteilt nach Unternehmensbereichen. *ohne Sonstiges
(Bild: Bosch)
Die Rendite – in dem Fall der Anteil des operativen Gewinns am Umsatz – lag bei 5,3 Prozent. Sie ist eine wichtige Kerngröße für den Konzern, der aktuell mit seinen finanziellen Kräften haushalten muss, um den Wandel an verschiedenen Stellen aus eigener Kraft bewältigen zu können. Bosch muss sein Geschäft teils radikal neu aufstellen und investiert dafür Milliarden – unter anderem in den Bereichen E-Mobilität, Wasserstoff, Chips und Wärmepumpen. Bis sich die Investitionen auszahlen, dürfte aber noch einige Zeit vergehen.
Im Jahr 2026 will Bosch eine Rendite von mindestens sieben Prozent erreichen – zwei Jahre später als angepeilt. Insofern gelte es nun die Wettbewerbsfähigkeit abzusichern, indem man Kosten senke und Strukturen verändere. Ein Personalabbau sei unvermeidbar, die Zahl der geplanten Stellenstreichungen dürfte jedoch geringer ausfallen als noch vor einigen Wochen angenommen. Zum Jahresende beschäftigte der Konzern 429.416 Menschen, 8.078 mehr als im Vorjahr.
Wachstumsfeld: Mobilität
In seinem Kerngeschäft Mobility treibt Bosch strategische Entscheidungen für kommendes Wachstum voran: Allein in diesem Jahr sollen 30 Serienprojekte für E-Fahrzeuge neu anlaufen. „Die Elektromobilität kommt – die Frage ist nur, wie schnell in den verschiedenen Regionen der Welt“, sagte Hartung. „In Europa werden 2030 nach unserer Einschätzung voraussichtlich 70 Prozent aller Neuwagen reine Elektroautos sein, in China und Nordamerika 40 bis 50 Prozent.“ Wo große Distanzen mit schweren Fahrzeugen zu überwinden seien, blieben dem Bosch-Chef zufolge Konzepte wie Plug-in-Hybrid und Range-Extender noch einige Zeit gefragt.
Weiteren Schub erwartet Bosch Mobility mit Fahrdynamik-Produkten: Mit neuen und redundanten Bremssystemen, zugeschnitten auf das elektrifizierte und automatisierte Fahren, wachse man jährlich um zehn Prozent – deutlich stärker als der Markt. Und mit dem Vehicle Motion Management (VMM) setzt der Zulieferer auf eine innovative Systemlösung, die künftig alle Fahrzeugbewegungen koordiniert, indem es Bremse, Lenkung, Antrieb und Dämpfung ansteuert. Allein für zurückliegende Wintererprobungen hat Bosch laut Hartung mehr als 20 Testfahrzeuge großer Marken mit Varianten des VMM ausgestattet. „Wir sind früh unterwegs und werden in diesem Jahr bereits mit einem ersten Auftrag in Serie gehen“, sagte der CEO. Im Jahr 2030 wolle man mit VMM bereits einen Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe erzielen.
Wachstumsfeld: Wasserstoff
Mit Wasserstoff-Technik will Bosch im Jahr 2030 einen Umsatz von etwa fünf Milliarden Euro erreichen. „2023 ist unsere Produktion von Brennstoffzellen-Systemen in Stuttgart und im chinesischen Chongqing angelaufen“, sagte Hartung. Leitmarkt werde voraussichtlich zunächst China sein, in Europa und Nordamerika erwarte man erst in der nächsten Dekade größere Zuwächse.
Stand: 08.12.2025
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Aus technischer Sicht sei der schnellste Weg zum klimaneutralen Lkw der Wasserstoffmotor. Für die entsprechende Technik sieht Bosch 2030 ein Marktvolumen von nahezu einer Milliarde Euro. Hartung erklärte: „Schon in diesem Jahr kommt in Indien ein Wasserstoffmotor mit unserer Einblastechnik auf die Straße, und wir arbeiten bereits an fünf Serienaufträgen namhafter Lkw-Hersteller aus allen Teilen der Triade.“
Und auch an der Wasserstofferzeugung will Bosch teilhaben: Weltweit werde bis 2030 die Kapazität für die Wasserstoff-Elektrolyse gut 170 Gigawatt installierter Leistung erreichen – rund 25-mal so viel wie heute. „Mit unserem Elektrolyse-Stack sind wir auf Kurs zum Markteintritt im nächsten Jahr“, erläuterte Hartung. Bosch solle künftig nicht nur als Name für Wasserstoff-Antriebe, sondern auch für die Wasserstoff-Produktion stehen.
Insgesamt spielt der Klimaschutz für Bosch weiterhin eine zentrale Rolle. Er bietet aus Sicht von Hartung große Wachstumschancen, auch wenn sich Märkte wie die Elektromobilität verzögert entwickeln würden. „Allerdings sehen wir, dass der Klimaschutz nicht mehr allein an der Spitze der politischen Agenda steht – unter dem Eindruck komplexer Geopolitik und zunehmender sozialer Spannungen in unserer Gesellschaft“, erklärte Hartung. Bosch halte jedoch an den hohen Vorleistungen für Technologien einer CO2-neutralen Zukunft fest, um seinen Beitrag zu leisten und die Transformation an der Spitze mitzugestalten. „Die Förderung CO2-effizienter Technologien steht zwar unter Spardruck. Klimaschutz erfordert jedoch anhaltende Investitionen – vom Staat, von Unternehmen und von jedem Einzelnen“, resümierte Hartung.