Firmenhistorie Bosch: Milch und Wienerli

Von Timothy Pfannkuchen, AUTOINSIDE - AGVS-Medien 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Den Namen Bosch kennen wir ja alle. Aber wer weiss schon, wer die Robert Bosch GmbH wirklich ist? Wir blicken mal zurück, wie Bosch das Auto umkrempelte, das Garagengewerbe miterfand und warum ein Bosch-Werbeslogan einst „Trinkt mehr Milch!“ lautete.

Genialer Tüftler und stets engagiert für gute Ausbildung: Robert Bosch (vorne) 1936 bei seinen Lehrlingen.(Bild:  Bosch)
Genialer Tüftler und stets engagiert für gute Ausbildung: Robert Bosch (vorne) 1936 bei seinen Lehrlingen.
(Bild: Bosch)

Bei Bosch kauft man naja, zum Beispiel Milch. Wie bitte? Nein, kein Scherz: Einst warb Bosch „Trinkt mehr Milch!“ für frisch gemolkene Bosch-Produkte. Noch heute kann man auf dem Boschhof im bayerischen Mooseurach zum Beispiel Wienerli kaufen oder Apfelsaft. Bosch, das war und ist vor allem Auto. Aber ist eben nicht nur Scheinwerfer, Bremsbelag, Zündkerze und Diagnosegerät, sondern zu einem Umsatzdrittel Bohrhammer (ein Bosch-Patent!), Kühlschrank, Wärmepumpe, Software oder E-Bike.

Der heute nicht mehr zur Robert Bosch GmbH gehörende, aber von der Familie Bosch betriebene Boschhof ist eine Bosch typische Anekdote. Oder, wie man heute sagen würde, eine „#LikeABosch“-Story (so lautet ein Werbe-Slogan): August Robert Bosch (1861 bis 1942) stammte aus einer schwäbischen Bauernfamilie und nutzte den Boschhof zur Erholung. Aber der geniale Tüftler wäre nicht er selbst geblieben, steckte dahinter nicht mehr. Bosch wollte nie gross Milch verkaufen, sondern die Welt ein bisschen besser machen. Deshalb forschte er in einer Zeit, als Lebensmittel knapper waren, an besseren Anbaumethoden. Mit Erfolg.

Frisch gemolken by Bosch: 1933 wirbt Bosch mit dem Slogan „Trinkt mehr Milch!“ für Produkte vom Boschhof, auf dem der Firmengründer an Anbaumethoden forscht.(Bild:  Bosch)
Frisch gemolken by Bosch: 1933 wirbt Bosch mit dem Slogan „Trinkt mehr Milch!“ für Produkte vom Boschhof, auf dem der Firmengründer an Anbaumethoden forscht.
(Bild: Bosch)

Die Zündkerze wurde zum Hit

Doch vor allem kam der Erfolg mit allem, was Räder hat. Nach Wan der und Lehrjahren in der Ferne gründet der gelernte „Mech“ Robert Bosch 1886 in Stuttgart 25-jährig seine „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“. In demselben Jahr erfindet Carl Benz im nahen Mannheim das Automobil. „Ein böses Gewürge“ nennt Bosch später seine schweren ersten zehn Geschäftsjahre. Böses Gewürge bleibt aber auch das Autofahren: Alle zehn Kilometer eine Panne oft der Zündung wegen, weil jene von Stationärmotoren im Auto nicht taugt. Eine Bosch-Challenge quasi: Das geht auch besser. So finden sich Tüftler und Vehikel.

Et voilà: Bosch erfindet die erste zuverlässige Magnetzündung für Autos. Und 1902 die hochdrehzahlfähige Hochspannungs-Magnet-Zündung mit passender Zündkerze. Durchbruch! Die Zündkerze wird der Zündfunke zum Weltkonzern. Anfangs sind es ein paar hundert, heute bei Bosch 300 Millionen Zündkerzen im Jahr: in 138 Jahren vom Drei-Mann-zum 430.000 Mann-und-Frauen-Betrieb (davon 85.000 Entwickler/-innen) starken Riesen und zum (vor Denso, Continental, ZF und Magna) größten Autozulieferer. Klar: Auch Bosch kennt Krisen, ob Weltkriege, Finanzkrisen oder in den 60er-Jahren, als der Konzern zu unbeweglich geworden war. Heute ist der Mobilitätswandel eine Challenge. Aber am Erfindergeist soll es jedenfalls nicht liegen.

Gut gerüstet: Ein Fahrzeug für ABS Tests in den frühen 1970er Jahren. Das erste erfolgreiche elektronische ABS war eine Bosch Entwicklung und fand ab 1978 bei Mercedes seinen Weg in die Grossserie.(Bild:  Mercedes-Benz)
Gut gerüstet: Ein Fahrzeug für ABS Tests in den frühen 1970er Jahren. Das erste erfolgreiche elektronische ABS war eine Bosch Entwicklung und fand ab 1978 bei Mercedes seinen Weg in die Grossserie.
(Bild: Mercedes-Benz)

Ohne Bosch weder ABS noch ESP

Nur ein paar Beispiele: erste Direkteinspritzung, erste elektronische Einspritzung, Common-Rail-System, Lambda-Sonde, elektrischer Scheibenwischer, Massen-Autoradio (Blaupunkt), Lenkradschloss, Xenon Scheinwerfer. Oder die Sicherheit: Das elektronische Antiblo ckiersystem (ABS) und der Schleuderschutz ESP feierten als Bosch Entwicklungen in Mercedes-Modellen Premiere. Und häufig war es auch Bosch, wo gute, aber bislang gescheiterte Ideen perfektioniert und damit serientauglich wurden. Erste Airbags waren in den USA gefloppt. Ein Problem: die Auslösung zum richtigen Zeitpunkt. Bosch entwickelte das Steuergerät mit Beschleunigungssensor und machte den Luftsack reif zum Serien Lebensretter für alle.

Vielleicht sollte Bosch es als Kompliment verstehen, dass kaum eine Marke so viel gegen Produktpiraterie unternehmen muss (zur Echtheitsüberprüfung hat Bosch sogar die Plattform bosch-origify.com gegründet): Ein gefälschter Scheibenwischer verkauft sich halt erst gut, wenn man „Bosch“ auf die Packung druckt. Bosch funktioniert. Und Bosch kam auch darauf, was man am besten tut, wenn es mal nicht mehr funktioniert. In der Frühzeit des Autos gab es keine Garagen: Service war Privatsache, Reparaturen übernahmen Spengler und Velomechs. Erst mit dem Massenauto Ford Model T kamen ab 1908 in Serie gefertigte Ersatzteile der Aftermarket. Bald entstanden erste reine Auto-Werkstätten. Bosch erkennt den Trend: 1921 wird die erste „Einbau- und Reparatur-Werkstätte“ gegründet, später zum „Bosch Dienst“, dann zum Bosch Car Service. Jetzt ist er mit global 16.000 Partnerbetrieben (Schweiz 90) eines der größten Werkstattkonzepte.

Beststeller: Bis heute sind Zündkerzen ein typisches Bosch-Produkt. Typisch sind auch die Isolatoren Rippen, in dieser Form bei Bosch 1969 erfunden. Bild in Kreis: Zündfunke zum Aufstieg von Bosch: Die Hochspannungs-Zündkerze von 1902 mit Flansch.(Bild:  Bosch)
Beststeller: Bis heute sind Zündkerzen ein typisches Bosch-Produkt. Typisch sind auch die Isolatoren Rippen, in dieser Form bei Bosch 1969 erfunden. Bild in Kreis: Zündfunke zum Aufstieg von Bosch: Die Hochspannungs-Zündkerze von 1902 mit Flansch.
(Bild: Bosch)

Viel Innovation und viel Engagement

Dass der Laden brummt (92 Milliarden Euro Jahresumsatz 2022), verdankt der Konzern dem Neuerfinden, um sich treu zu bleiben. Aus Elektrik wurde Elektronik, aus Elektronik die IT, aus Benzin wird Strom. Zwei Beispiele: Remote-Diagnose oder Brennstoffzelle sind Bosch-Stärken. Und das Vermächtnis von Robert Bosch, sich zu engagieren. Bosch, der nie studiert hatte, beschäftigte vom ersten Tag an Lernende und baute Studenten-Wohnheime damit aus dem Nachwuchs was wird. Im Dritten Reich unterstützte er Widerständler. Er verkürzte vor allen anderen die Arbeitszeiten und erhöhte die Löhne. Robert Bosch: „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern habe viel Geld, weil ich gute Löhne zahle.“

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Bis heute ist die Robert Bosch GmbH ein Familienunternehmen und weltweit in den Top Ten der meisten Patentanmeldungen ob Halbleitertechnologie oder Künstliche Intelligenz, Anlasser oder Starterbatterie. Und die Zündkerze, mit der alles begann? Die hat längst nicht ausgedient und trägt bis heute stolz jene Isolatorenrippen, die 1969 (für mehr Zündspannung) Bosch entwickelte. Und sie zündet und zündet.

Erschienen am 22. März 2024 auf agvs-upsa.ch

(ID:49978084)