Blue Gasoline Bosch, Shell und VW entwickeln Bio-Sprit

Redakteur: Tanja Schmitt

Bosch, Shell und VW haben einen erneuerbaren Ottokraftstoff entwickelt. Blue Gasoline enthält bis zu 33 Prozent erneuerbare Anteile. Der Sprit soll noch in diesem Jahr an die Zapfsäulen kommen, hat aber einen Nachteil.

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Mit Blue Gasoline sollen sich 20 Prozent Kohlendioxid einsparen lassen.
Mit Blue Gasoline sollen sich 20 Prozent Kohlendioxid einsparen lassen.
(Bild: Ralf Groemminger/Bosch)

Bosch, Shell und VW haben gemeinsam einen erneuerbaren Kraftstoff für Benziner entwickelt. Blue Gasoline enthält bis zu 33 Prozent erneuerbare Anteile. Pro Kilometer sollen sich zudem mindestens 20 Prozent Kohlendioxid einsparen lassen. Dazu ein Rechenbeispiel: Würde man 1.000 VW Golf (VIII 1,5 TSI) jährlich 10.000 Kilometer fahren, könnte man insgesamt mehr als 230 Tonnen CO2 einsparen. Der neue Kraftstoff soll im Laufe des Jahres an deutschen Tankstellen erhältlich sein. Den Anfang machen die Bosch-Werktankstellen: Dort können die Mitarbeiter bereits ab Mai umweltfreundlich tanken.

Die Kehrseite ist der Preis. Für die CO2-Einsparung müssen die Fahrer verglichen mit dem bekannten E10 oder Super 95 beim Literpreis deutlich drauflegen. Der saubere Sprit wird preislich in der Premiumregion von Shell V-Power und Co. liegen – derzeit sind das etwa rund 25 Cent Aufschlag gegenüber Super E10. Dessen Durchschnittspreis lag in der letzten Aprilwoche 2021 nach Angaben des ADAC bei knapp 1,47 Euro.

Der Kraftstoff kann in Neu- und Bestandsfahrzeugen eingesetzt werden, die für den Betrieb mit Super 95 E10 Benzin zugelassen sind. Dank der hohen Lagerstabilität eigne sich Blue Gasoline vor allem für Plug-In-Hybride, wo der Sprit häufig über längere Zeiträume im Tank verweilt. Der Kraftstoff entspricht der Norm EN 228/E10 und erfüllt somit die Kriterien für Lagerstabilität und Siedeverhalten. Die Additivierung soll zudem für Motorsauberkeit und Korrosionsschutz sorgen.

Bis zu 33 Prozent erneuerbare Anteile

Blue Gasoline enthält bis zu 33 Prozent erneuerbare Anteile. Diese bestehen aus biobasiertem, vom Zertifizierungssystem ISCC (International Sustainability and Carbon Certification) zertifiziertem Naphta oder Ethanol. Naphtha wird etwa aus Tallöl gewonnen, einem Nebenprodukt aus der Papier-Herstellung. Alternativ können auch weitere Rest- und Abfallstoffe als Ausgangsbasis dienen.

Laut Bosch sind erneuerbare, CO2-reduzierte beziehungsweise -neutrale Kraftstoffe kein Ersatz für die Elektromobilität, sondern eine Ergänzung. Auch in den kommenden Jahrzehnten werden wohl noch viele Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor oder Hybridantrieb auf die Straßen kommen. Blue Gasoline kann auch für Schiffe, Flugzeuge und Schwerlasttransporte eingesetzt werden.

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