Ladeinfrastruktur-Masterplan Bund ignoriert Erfahrungen der Kfz-Betriebe

Von Doris S. Pfaff 3 min Lesedauer

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Der Bundesverkehrsminister will mehr Tempo beim Ausbau zur Ladeinfrastruktur geben. Bis 2030 soll das Ladeangebot deutlich größer und effizienter sein. Die Reaktionen der Branchenverbände fallen gemischt aus.

Das Ladeangebot für E-Autos ist entscheidend für den Hochlauf: Darin sind sich die Branchenverbände ZDK, VDA und VDIK einig. Kritik am Masterplan des Bundesverkehrsministeriums gibt es dennoch. (Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Das Ladeangebot für E-Autos ist entscheidend für den Hochlauf: Darin sind sich die Branchenverbände ZDK, VDA und VDIK einig. Kritik am Masterplan des Bundesverkehrsministeriums gibt es dennoch.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) begrüßt den Entwurf des Bundesverkehrsministeriums für den „Masterplan Ladeinfrastruktur 2030“ als wichtigen Schritt, verweist jedoch auf Defizite bei der Berücksichtigung von Handel und Kunden.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hatte den Entwurf in Berlin als „den neuen Fahrplan für den Umstieg auf klimafreundliche Mobilität“ vorgestellt. Der Entwurf zum Masterplan soll den flächendeckenden, bedarfsgerechten und benutzerfreundlichen Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos bis voranbringen. Er definiert die zentralen Schritte für den weiteren Hochlauf der Elektromobilität bis zum Jahr 2030. Vorgesehen sind unter anderem vereinfachte Genehmigungsprozesse, Förderungen, die Investitionen in Ladepunkte und innovative Technologien beschleunigen sollen, sowie mehr Preistransparenz.

ZDK warnt vor Fehlplanungen

„Wer den Ausbau der Ladeinfrastruktur an den Bedürfnissen der Nutzer vorbeiplant, riskiert Akzeptanz und Tempo“, warnt ZDK-Präsident Thomas Peckruhn. Er kritisiert vor allem das Vorhaben, das Kfz-Gewerbe bei den Gesprächen nicht einzubeziehen, in denen es darum gehen soll, die Maßnahmen realitätsnah am Markt umzusetzen. Schneider hatte angekündigt, diese zwischen dem Ministerium und den Herstellern führen zu wollen. Damit werde die entscheidende Kundenerfahrung ausgeblendet, so Peckruhn. „Mit einer halben Million täglicher Kundenkontakten in unseren 40.000 Autohäusern und Kfz-Werkstätten sind die Kfz-Betriebe die Schnittstelle zwischen Industrie und Verbrauchern – und genau diese Stimme fehlt bisher am Tisch“, kritisiert er und fordert, bei diesen Gesprächen auch das Kfz-Gewerbe zu berücksichtigen.

Positiv wertet der ZDK die im Entwurf genannten Maßnahmen wie Förderprogramme für Ladeinfrastruktur in Mehrparteienhäusern und die Abschaffung nächtlicher Blockiergebühren. Insgesamt sei der Masterplan das richtige Ziel, die Ladeinfrastruktur als Schlüssel des Mobilitätswandels zu nutzen. Peckruhn: „Entscheidend ist jetzt eine praxisnahe, technologieoffene und wirtschaftlich tragfähige Umsetzung – mit dem Kfz-Gewerbe als zentralem Partner.“

VDA sieht Nachbesserungsbedarf

Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) bewertete den Masterplan insgesamt positiv, sieht jedoch Verbesserungsbedarf bei einzelnen Punkten. VDA-Präsidentin Hildegard Müller fordert weiter eine Gesamtstrategie: „Um den Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge weiter zu beschleunigen, die Nutzerfreundlichkeit zu erhöhen und für bezahlbare Ladepreise zu sorgen, ist eine schlüssige, ressortübergreifende Gesamtstrategie Laden unerlässlich.“

Müller begrüßte Vereinfachungen bei Genehmigungs- und Netzanschlussverfahren sowie Maßnahmen zur Preistransparenz. Sie mahnte aber Nachbesserungen an, etwa bei Vorgaben für Ladepunkte an Gebäuden nach EU-Recht und beim Segment der leichten E-Nutzfahrzeuge: „Die im Entwurf unter dem Begriff ‚Pooling‘ angeführte Bündelung von Ladepunkten über mehrere Standorte hinweg würde die EU-Vorgaben deutlich abschwächen und dem Ziel einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur widersprechen. Sie ist daher unbedingt abzulehnen“, so Müller.

Alle drei Verbände betonen jedoch, dass ein Masterplan für den weiteren Hochlauf der Elektromobilität entscheidend ist. Der Entwurf des Bundesverkehrsministeriums wurde in Abstimmung mit dem im Juni 2025 gegründeten Expertenforum Klimafreundliche Mobilität und Infrastruktur (EKMI) erarbeitet. Nach Auswertung der Rückmeldungen – auch der Verbände – soll der Masterplan dem Bundeskabinett noch im Herbst zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

VAD fordert übersichtliche Preisgestaltung des Ladestroms

Der Verband der Automobilhändler (VAD) sieht beim Masterplan Nachholbedarf in Fragen der Nutzerfreundlichkeit. Präsident Burkhard Weller betonte: „Elektromobilität kann sich nur durchsetzen, wenn der Laden einfacher, transparenter und preiswerter wird.“ Der Verband begrüßt geplante Maßnahmen wie Kommunikationskampagnen und gezielte Förderungen für Ladepunkte an Mehrfamilienhäusern, auf Betriebshöfen und vor Einkaufszentren, sieht aber vor allem beim Kostenthema Handlungsbedarf.

Weller fordert ein Laderoaming-System, das es Autofahrern ermöglicht, an jeder Ladesäule den eigenen Stromtarif zu nutzen. Die bisherige Preisgestaltung mit vielen verschiedenen Ladekarten, Gebühren und Preisen sei unübersichtlich und halte zahlreiche Verbraucher vom Umstieg auf E-Mobilität ab.

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VDIK: Ausbauziele und Zeitvorgaben fehlen

Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) bewertete den Entwurf grundsätzlich positiv. „Im Entwurf des Masterplans Ladeinfrastruktur 2030 finden sich viele Anregungen des VDIK wieder. Dennoch bleibt der Vorschlag in zentralen Punkten wenig verbindlich. Es fehlen klare Ausbauziele, verbindliche Zeitpfade und überprüfbare Indikatoren auf kommunaler Ebene“, kritisiert VDIK-Präsidentin Imelda Labbé.

Labbé sieht auch wichtige Hemmnisse wie lange Netzanschlusszeiten und bürokratische Verfahren nur unzureichend adressiert. Sie fordert mehr Tempo, Produktqualität und Transparenz: „Nur mit klaren Zielen, belastbaren Fristen und fairen Rahmenbedingungen kann der Markthochlauf der Elektromobilität gelingen – und der Automobilstandort Deutschland gestärkt werden.“

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