BYD macht weiter Tempo. Nach Vorstellung des elektrischen Kompakt-SUVs Atto 2 im Frühjahr gab es Kritik am dürftigen Ladetempo und der geringen Reichweite. Nun schicken den Atto 2 mit besserer E-Performance hinterher - und einen Plug-In-Hybrid mit bis zu 1.000 Kilometer Reichweite gleich mit.
BYD legt beim Atto 2 in Sachen Antrieb nach.
(Bild: BYD)
So langsam löst sich die Handbremse. Chinas Hersteller bekommen auch in Deutschland nach und nach Gummi auf die Straße, die Skepsis der Autokäufer weicht einer gewissen Akzeptanz und Neugierde. In diesem Jahr wurden bei uns bis Oktober rund 47.000 Fahrzeuge chinesischer Hersteller zugelassen. Zählt man Marken, die zu chinesischen Konzernen gehören wie Volvo, Polestar, Smart oder Lotus dazu, sind es bereits deutlich mehr.
Chinese Nummer 1 in Deutschland bleibt MG. Dahinter nimmt BYD mit über 16.000 Einheiten in den ersten zehn Monaten ordentlich Fahrt auf. 2024 waren es im kompletten Jahr lediglich 2.891. Der weltweit größte Hersteller von Elektrofahrzeugen wird mittlerweile zumindest nicht mehr wie ein ungebetener Gast am deutschen Auto-Buffet schief angeguckt. Das liegt nicht nur an den attraktiven Preisen und dem mehrheitsfähigen Design, sondern auch an der steilen Lernkurve. BYD verliert beim Aufstieg kein Tempo. Ein gutes Beispiel dafür ist der Kompakt-SUV Atto 2. Erst im März vorgestellt, reagieren die Chinesen bereits jetzt auf anfängliche Kritik.
Zum Marktstart galten Reichweite und Ladeleistung als enttäuschend und kaum langstreckentauglich, die Antriebstechnologie als okay, aber nicht wegweisend. Genau hier setzt BYD jetzt an – und präsentiert eine elektrifizierte Doppelspitze, die den SUV neu auflädt: den Atto 2 Comfort als vollelektrische Spitzenvariante und den Plug-In-Hybrid Atto 2 DM-i als Reichweitenkönig mit maximaler Effizienz.
Atto 2 Comfort: Blade-Batterie wächst deutlich
Zunächst zum Stromer. Während die bisherigen E-Versionen Active und Boost im Programm bleiben, wird BYD mit dem neuen Atto 2 Comfort (ab 41.990 Euro) deutlich wettbewerbstauglicher. Seine Blade-Batterie, die in die Struktur des Autos eingebaut ist, dem Fahrzeug damit mehr Stabilität gibt, basiert weiterhin auf LFP-Chemie, wächst aber deutlich in der Leistung. 64,8 kWh nutzbare Kapazität stehen jetzt im Datenblatt – ein Plus von knapp 20 kWh im Vergleich zu den bisherigen Varianten. Der vergrößerte Akku ist der Schlüssel zur versprochenen Reichweitensteigerung auf 430 Kilometer (bisher 312 km), im Citybetrieb sollen es sogar über 600 Kilometer sein.
Doch Reichweite allein ist nur eine Note in der Gesamtkomposition. Gerade die Ladeleistung wird ein zunehmend entscheidender Kauffaktor. BYD reagiert auch hier mit einem bemerkenswerten Sprung: Der Atto 2 Comfort lädt nun mit bis zu 155 kW Gleichstrom (vorher 65 kW). Damit verkürzt sich die Ladezeit von 30 auf 80 Prozent auf 19 Minuten – ein Wert, der das Modell plötzlich ins vordere Drittel der kompakten SUVs spült. Weil der neue Akku rund 150 Kilo mehr wiegt, wurde auch die Leistung angepasst. 150 kW/204 PS sind es nun statt 130 kW/177 PS, 310 Newtonmeter Drehmoment statt 290. Damit bleibt der Atto 2 ein spritziger Bursche, der in 7,9 von 0 auf 100 km/h sprintet. Auf erster Testfahrt zeigt sich zudem, dass BYD vermutlich auch bei der Dämmung von Fahrgeräuschen nachgelegt hat, der SUV rollt extrem leise ab, was wiederum den Fahrtwind stärker ins Spiel bringt.
Mehrlenker-Hinterachse ermöglicht Platzgewinn
Um Platz für die neue Batterie zu schaffen, wurde die e-Plattform 3.0 für die Comfort-Version ebenfalls verändert. Eine aufwendige Mehrlenkerachse hinten ersetzt die bisherige Torsionslenkerachse – eine teure Transplantation, die sich gelohnt hat. Fahrpräzision und Stabilität erweisen sich verbessert, wobei der Atto 2 ohnehin aus der aktiven Ecke kommt. Eher strammer als zu soft abgestimmt, merkt man schon, wie es um den jeweiligen Straßenbelag bestellt ist. Trotzdem ein ordentlicher Kompromiss zwischen Handling und Komfort. Ein weiterer Vorteil der neuen Achse ist der Platzgewinn im Kofferraum. 450 Liter bedeuten 50 Liter mehr als bisher.
Im Innenraum zeigt der elektrische Atto 2, dass BYD bei Materialgüte und Verarbeitung binnen kurzer Zeit ein Level erreicht hat, das nur schwerlich Raum für Kritik lässt. Zumindest im Neuzustand. Dazu kommt eine großzügige Grundausstattung, die gegenüber den anderen E-Versionen serienmäßig ein paar Goodies mehr bietet. Zum Beispiel schnellere USB-Ports, 50-Watt-Ladeschalen für zwei Handys oder eine elektrische Lordosenstütze für den Fahrer. Dazu kommen ein großes Panoramadach, reichlich Assistenten, ein 12,8-Zoll-Touchscreen, sowie ein Multimedia-System, dass Befehle extrem schnell umsetzt – und auch eine strenge Frauenstimme, die jede kleine Unaufmerksamkeit des Fahrers schroff aus dem Off rügt: „Schauen Sie auf die Straße!!!“
Atto 2 DM-i: Plug-in-Hybrid mit fast 1.000 Kilometer Reichweite
Wir wechseln den Fahrersitz und steigen in den Atto 2 DM-i. Dieses Konzept eines Plug-In-Hybriden hat BYD bereits vor einigen Wochen im Seal vorgestellt. Er richtet sich an alle, die dem reinen E-Antrieb noch nicht so recht über den Weg trauen und vor allem Verlässlichkeit auf längeren Strecken suchen. Während viele europäische Hersteller ihre PHEV-Programme reduzieren oder neu sortieren, setzt BYD große Stücke auf die Misch-Technologie, die in China riesige Zuwächse verzeichnet.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Optisch zeigt der Atto 2 DM-i gegenüber den E-Versionen kaum Unterschiede. Sie beschränken sich auf die Schriftzüge und offene, statt geschlossene Lamellen unterm Nummernschild. Technisch biegt der DM-i allerdings auf eine komplett andere Spur ab. Er verheiratet einen 1,5-Liter-Benziner mit zwei E-Motoren und einer Batterie. Zwei Konfigurationen sind erhältlich. Zum einen die Active-Version (ab 35.990 Euro) mit einer Systemleistung von 122 kW/166 PS und einer 7,8 kWh-Batterie, die rein elektrisch 40 Kilometer schaffen soll und eine Gesamtreichweite von 930 Kilometer verspricht. Zum anderen der DM-i Boost (ab 38.990 Euro) mit 156 kW/212 PS und einer Batteriekapazität von 18 kWh. Sie soll 90 Kilometer rein elektrisch schaffen, die Gesamtreichweite gibt BYD mit fast 1.000 Kilometer an.
Thermischer Wirkungsgrad von 43 Prozent überrascht
Möglich macht es unter anderem der thermische Wirkungsgrad des Verbrenners. Der liegt bei erstaunlichen 43 Prozent, also ähnlich dem eines modernen Diesels. Normale Benziner erreichen im alltäglichen Betrieb einen Wirkungsgrad von etwa 20 Prozent. Ziel war es, den Atto 2 über möglichst lange Zeit wie ein E-Auto anzutreiben. Dabei fungiert der Benziner quasi als Generator im Hintergrund, der die Batterie und die Elektromotoren über einen Wechselrichter mit Strom versorgt, der Antrieb erfolgt dabei elektrisch. Wenn zusätzliche Leistung benötigt wird, schaltet der Antrieb von seriell auf parallel und kitzelt so das Potenzial des Benzinmotors und des Elektromotors heraus.
Die Funktionsweise ist klar auf Effizienz ausgelegt. Obwohl die von uns gefahrene „starke“ Version mit 156 kW ambitioniert beschleunigt, wird schnell klar: hier will einer nicht den Asphalt anzünden, sondern mit möglichst wenig energetischem Aufwand über die Runden kommen. Das sollte klappen. Laut Bordcomputer sind Verbräuche auch deutlich unter fünf Liter kein Hexenwerk. Dabei fährt der DM-i vom Gefühl her wie ein E-Auto: sehr leise und nahezu frei von Vibrationen. Selbst dann noch, wenn sich der Verbrenner – beispielsweise beim Überholen - einmischt. Auch, wenn der DM-i auf die sensibler ansprechende Multilink-Hinterachse verzichten muss und insgesamt noch etwas trockener federt, dürfte er für viele das attraktivere Angebot sein. Er fährt wie ein Stromer, nur eben ohne Reichweitenangst. Das könnte vielen Skeptikern den Stecker ziehen.