Cadillac CTS-V: Schneller geht's nicht

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Verzögerungsfreier Kompressor

Mit seinem Motorenkonzept hebt sich der CTS-V deutlich von den Aggregaten der deutschen Konkurrenz ab. Die verfügen nicht nur über weniger Hubraum, sie werden auch durchweg von Abgas-Turboladern aufgeladen. Die Turbos helfen der Effizienz, doch das verzögerungsfreie Ansprechverhalten eines per Kompressor aufgeladenen Motors bleibt unübertroffen. Und so ist dieser 6,2-Liter der vielleicht faszinierendste Motor in dieser Klasse. Ganze 3,8 Sekunden dauert es, bis die 100-km/h-Marke katapultartig durchflogen wird. Die Spitze liegt bei glatten 320 Stundenkilometern und damit signifikant oberhalb der deutschen Konkurrenz. Dort hält man es aus unerfindlichen Gründen für nötig, dem Vorwärtsdrang bei 300 bzw. 305 km/h Einhalt zu gebieten.

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Trotz seiner extrem hohen Dynamik lässt sich der CTS-V auch problemlos als Komfort-Limousine bewegen. Die Federung ist straff, aber nicht unkomfortabel, das Platzangebot großzügig.

Allerdings trüben einige Qualitätsmängel das Bild. Dazu zählt das umständliche Infotainment-System CUE ebenso wie die wenig ansprechende Haptik der Schalter im Lenkrad. Ebenfalls wenig gelungen ist die Innenbeleuchtung, aber auch jene Heizmatte in den Vordersitzen, die sich nicht nur ertasten lässt, sondern diesen Vorgang außerdem mit vernehmlichen Knackgeräuschen quittiert. Auf der Haben-Seite stehen liebevolle Details wie die echten Kohlefaser-Applikationen, das diskret integrierte Head-Up-Display und die Magnesium-Schaltpaddel. Die elektrische Abdeckung für den Cupholder ist sogar vielleicht etwas zu viel des Guten.

In seiner nunmehr dritten Modellgeneration präsentiert sich der Cadillac CTS-V in vielerlei Hinsicht ebenbürtig mit der deutschen Konkurrenz, in einigen Punkten sogar überlegen. Zudem kann er einen niedrigeren Einstandspreis in die Waagschale werfen. 98 500 Euro sind zwar nicht gerade ein Sonderangebot, andere Hersteller langen jedoch noch deutlich ungenierter zu.

Um sich auf breiter Front in Europa zu etablieren, braucht Cadillac nicht nur ein größeres Vertriebsnetz, sondern auch sparsame Dieselmotoren – und die kommen frühestens 2019. Aber bis dahin reicht es vielleicht schon einmal aus, den Spitzenmodellen aus Neckarsulm, Garching und Affalterbach auf der Autobahn den Kohlefaser-Diffusor und vier Chromstahl-Endrohre zu zeigen.

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