Analyse Chinas Kostenvorsprung ist nicht nur eine Frage geringerer Löhne

Von Stefanie Eckardt 2 min Lesedauer

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Die chinesische Autoindustrie ist für ihre Geschwindigkeit bekannt. Dort wird aber auch um 20 bis 30 Prozent günstiger entwickelt. Der Unternehmensberatung Roland Berger zufolge hat das weniger mit den Lohn- und Energiekosten zu tun, sondern ist das Ergebnis eines integrierten Entwicklungsansatzes.

Die Analyse "China Speed" von Roland Berger zeigt auf, dass Entwicklungsgeschwindigkeit nur bedingt mit Lohnkosten zusammenhängt.(Bild:  frei lizensiert bei Pexels)
Die Analyse "China Speed" von Roland Berger zeigt auf, dass Entwicklungsgeschwindigkeit nur bedingt mit Lohnkosten zusammenhängt.
(Bild: frei lizensiert bei Pexels)

Chinesische Industrieunternehmen gelten als Maßstab in puncto Entwicklungsgeschwindigkeit und Kosten. Das ist nicht nur dann der Fall, wenn sie im Reich der Mitte entwickeln oder produzieren. Denn wie die Analyse „China Speed“ der Unternehmensberatung Roland Berger belegt, liegt die Effizienz der entsprechenden Unternehmen noch zwischen 50 und 80 Prozent, wenn sie Teile ihrer Wertschöpfungskette nach Europa verlagern.

Kein kulturelles Phänomen

Entgegen der weit verbreiteten Annahme liegt Chinas Kostenvorsprung nur zu einem Teil an niedrigeren Löhnen. Die Analyse von Roland Berger zeigt: Rund 60 Prozent des Kostenvorteils entstehen durch Design- und Systementscheidungen, etwa durch konsequente Standardisierung, reduzierte Variantenvielfalt und ein sogenanntes Fit-for-purpose-Engineering, also der Fokus auf marktrelevante Leistung.

Weitere Treiber sind demnach wettbewerbsfähige Lieferantenstrukturen und operative Effizienz, nicht primär Personalkosten. „China Speed ist kein kulturelles Phänomen, sondern das Ergebnis klarer Entscheidungen bezüglich Produktdesign, Portfoliokomplexität und der Lieferantenbasis. Und genau deshalb ist ein Teil davon auch in Europa umsetzbar“, erklärt Oliver Knapp, Senior Partner bei Roland Berger.

Die Geschwindigkeit in China sei das Ergebnis eines konsequent integrierten Entwicklungsansatzes. Chinesische Hersteller verkürzten Entwicklungszeiten vor allem durch:

  • deutlich kürzere Strategie- und Entscheidungsphasen,
  • einen hohen Anteil virtueller Tests von bis zu 80 Prozent,
  • parallele Entwicklung von Software und Hardware,
  • frühe, systematische Einbindung von Lieferanten.

Ein konkretes Fallbeispiel aus der Automobilindustrie zeigt: Ein chinesischer Automobilhersteller konnte seine Entwicklungszeit um 14 Monate im Vergleich zum globalen Referenzwert reduzieren, hauptsächlich durch organisatorische und prozessuale Anpassungen, ohne Abstriche bei Marktfähigkeit oder Produktreife.

Welche Chancen bieten sich Europa?

„China Speed“ ist der Analyse zufolge auch in Europa möglich – allerdings nur in einer „abgespeckten Variante“. Noch verfügen europäische Unternehmen über wichtige Stärken: tiefe Kundenkenntnis, regulatorische Expertise, starke Marken und hohe Qualitätsreputation. Doch sie verlören an Wirkung, wenn Kostenlücken und Entwicklungszeiten nicht deutlich verkleinert oder verkürzt würden, so die Unternehmensberater. Europäische Unternehmen könnten aber gezielt Elemente der chinesischen Produktionsweise übernehmen und an die eigenen Systeme anpassen: Sozusagen eine „China-Speed-Light“-Version. 

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