Gefahren Dacia Bigster: Angriff aufs C-Segment

Von sp-x 4 min Lesedauer

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Mit dem Bigster will Dacia künftig im C-Segment mitmischen. Das Flaggschiff-SUV der rumänischen Renault-Tochter dürfte die Konkurrenz dabei mächtig unter Druck setzen.

Dacia baut sein Modellangebot nach oben aus.(Bild:  Dacia/Adrien Cortesi)
Dacia baut sein Modellangebot nach oben aus.
(Bild: Dacia/Adrien Cortesi)

Gut und günstig. Mit dieser Strategie fuhr Dacia bislang bestens. Was einst bescheiden mit dem Billigmodell Logan begann, entwickelte sich zu einer Marke, die vor Selbstbewusstsein nur so strotzt. Der Marktanteil in Deutschland liegt mit 2,5 Prozent auf einem Allzeithoch. Rekordwert auch beim Privatkundenanteil: 85 Prozent. Keine andere Automarke hält hier mit. Damit nicht genug. In den jeweiligen Klassen, in denen Dacia vertreten ist, schnitt die rumänische Renault-Tochter im vorigen Jahr als beste Importmarke ab.

Im B-Segment ist Dacia schon seit Jahren die Nummer eins, der Sandero ist der meistverkaufte Pkw in Europa, der 4,34 Meter lange Duster im letzten Jahr das meistverkaufte SUV am Privatmarkt. Gleiches möchte man mit dem Bigster (4,57 Meter) nun erstmals auf das C-Segment übertragen, dem mit jährlich rund drei Millionen Neuzulassungen größten europäischen Fahrzeugmarkt. „Wir behalten dabei das beste Preis-Leistungs-Verhältnis im Auge“, sagt Patrice Lévy-Bencheton, Vice President und Produktchef von Dacia.

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Der Bigster wird zu einem Preis von 23.990 Euro starten, als Mildhybrid mit 103 kW/140 PS. Wer Allradantrieb möchte, zahlt 4.000 Euro mehr. Und selbst das Topmodell Dacia Hybrid 155 bleibt mit seinen 28.590 Euro deutlich unter der 30.000-Euro-Grenze. Eine derart attraktive Positionierung dürfte in den Vertriebsabteilungen der Wettbewerber für Nervosität sorgen. Zumal beim Bigster keinesfalls von einem Billigmodell gesprochen werden kann. Design, Karosseriequalität und Materialien im Innenraum geben – stets in Relation zum Preis gesehen – keinen Anlass zu Kritik.

Für erste Fahreindrücke stand besagter Hybrid 155 zur Verfügung. Sein Antrieb ist eine Neuentwicklung und feiert im Bigster Debüt. Kombiniert werden ein 1,8-Liter-Vierzylinder mit 107 PS, eine E-Maschine mit 50 PS, ein Starter/Generator und ein automatisches Elektrogetriebe, das über vier Gänge für den Verbrennungsmotor und über zwei weitere für die Elektromotoren verfügt. Hört sich kompliziert an, funktioniert in der Praxis aber prima. Welcher Motor sich wann wie ins Geschehen einbringt, ob einzeln oder im Verbund, entscheidet die Software nach dem jeweiligen Leistungsabruf. In der Stadt ist das System so effizient, dass der Bigster bei vorausschauender Fahrweise bis zu 80 Prozent der Zeit im Elektromodus unterwegs sein kann. Auch das Anfahren erfolgt immer elektrisch.

Hybrid: Verbrauch unter 6 Liter

Entsprechend gering fällt der Spritverbrauch aus. Nach WLTP-Norm verspricht Dacia nur 4,7 l/100 km. Unser Bordcomputer pendelte sich bei unter sechs Liter/100 km ein, immer noch ein hervorragender Wert für ein Auto dieser Größe. Und groß ist der Bigster. Auch auf den Rücksitzen haben Erwachsene eine gute Bein- und Kopffreiheit. Hinter ihnen bleibt ein Kofferraum von 546 Litern. Legt man die Rücksitzlehnen um, was auch mittels Hebel vom Kofferraum aus möglich ist, erweitert sich die Ladekapazität auf 1.851 Liter. Viel mehr haben klassische Mittelklasse-Kombis auch nicht zu bieten.

Gelungen ist die Abstimmung des Fahrwerks. Die Lenkung arbeitet präzise, erteilt eine gute Rückmeldung, der Federungskomfort ist ausgewogen, das Handling direkt und der Wendekreis überraschend klein. Auffällig am Testwagen waren leidglich die bereits bei Tempo 100 recht starken Windgeräusche, besonders im Bereich der Dachreling.

Kleiner Wendekreis

Hinter dem Lenkrad gibt sich der Bigster modern mit einer guten Mischung aus digitaler und analoger Welt. Zentrales Element ist einmal mehr der große Bildschirm in der Mitte der Armaturentafel. Bei der Bedienung läuft glücklicherweise nicht alles über Touch und Display. Insgesamt findet man sich im Interieur gut zurecht. Manches könnte allerdings bei der Menüführung logischer und intuitiver gestaltet werden.

Dacia hat den Bigster bewusst rustikal gestylt, ihm so ein bisschen Outdoor- und Abenteuer-Image mit auf den Weg gegeben. Das Ganze ist jedoch keine Show, sondern durchaus für den einen oder anderen Geländeeinsatz ausgelegt. Die Karosserie verfügt an kritischen Stellen über recyceltes, durchgefärbtes Kunststoffmaterial, das kleinere Stöße und Schläge halbwegs unbeschadet wegsteckt.

Outdoor-Lifestyle soll ebenso das Zubehörangebot unterstreichen. Erwähnt sei das „Sleep Pack“, ein Doppelbett mit Ablagetisch und Stauraum. Es ist in weniger als zwei Minuten aufgebaut und passt zusammengelegt in den Kofferraum.

Sein neues Flaggschiff-SUV, ausgelegt mit Fokus auf Familie, bietet Dacia in drei Ausstattungsstufen an. Los geht’s mit „Essential“, die allerdings recht mager daherkommt. Wer sich hierfür entscheidet, sollte sich nicht an mickrigen Stahlfelgen (17 Zoll), kleinem Fahrerinfodisplay (7 Zoll), ungeteilter Rücksitzlehne und fehlendem Navi stören. Besser wird die Sache ab „Expression“. Hier gibt es eine Zweizonen-Klimaautomatik, eine elektrische Parkbremse und klappbare Außenspiegel. Darüber rangiert „Extreme“. An Bord sind jetzt sogar Panorama-Glasschiebedach sowie Navigations- und Soundsystem. Und wer sein Smartphone kabellos laden möchte, kreuzt „Journey“ an und kann – hier wird Dacia fast luxuriös – sein gekühltes Getränk aus dem Fach unter der Armlehne nehmen.

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