Bei der Händlertagung am Donnerstag, bei der der Importeur über die Situation informierte, ging es offenbar turbulent zu. „Die Empörung war groß“, erzählt ein Daihatsu-Partner aus Norddeutschland. „Die Veranstaltung wurde abgebrochen, weil die Leute nach und nach frustriert gegangen sind“, beschreibt er die Stimmung.
Einige Händler hätten erst Ende des letzten Jahres ihren Vertriebsvertrag unterschrieben. „Die fühlen sich ziemlich veräppelt“, berichtet der Händler. Für ihn selbst sei die Lage nicht bedrohlich, weil das Unternehmen noch andere Marken vertreibe. Dennoch habe das Autohaus auch in Daihatsu investiert. „Es wird nicht einfach, jetzt noch Neukunden für diese Marke zu gewinnen“, glaubt der Daihatsu-Partner.
Händler: „Unverschämte Nummer“
„Das ganze ist eine ziemlich unverschämte Nummer“, schimpft ein anderer Händler, der Daihatsu exklusiv vertreibt. Daihatsu habe in der Vergangenheit immer wieder versucht, Händler, die sich aus dem Netz verabschieden wollten, bei der Stange zu halten. Nun stelle man sie vor vollendete Tatsachen.
Es werde schwierig werden, die Kunden zu überzeugen, noch einen Daihatsu zu kaufen. Ohne Nachlässe werde es kaum funktionieren. „Das ist jetzt ein gefundenes Fressen für Leute, die gerne Preise verhandeln“, glaubt der Daihatsu-Partner.
Er selbst sei bereits in Verhandlungen mit einer anderen Marke. „Wir haben die entsprechende Größe, dass wir auch woanders einen Vertrag bekommen können. Viele andere Daihatsu-Partner haben diese Vorraussetzung nicht“, erläutert der Händler. Den Servicevertrag werde er nur annehmen, wenn die Konditionen stimmten: „Der Vertrag muss wirklich günstig sein, damit da noch eine zeitlang Geld hängen bleibt.“
Kundenreaktionen schwer abzusehen
„Wir sind geschockt. Keiner hat Verständnis dafür“, sagte Peter Schmaus, Verkaufsleiter beim Autohaus Gott in Ottobrunn bei München. Das Unternehmen vertreibt seit fünf Jahren Daihatsu als Zweitmarke neben Toyota. „Das sind zuverlässige, qualitativ gute Autos. Wir wollten uns mit der Marke etwas aufbauen. Das ist nun vorbei“, so Schmaus.
Das Unternehmen habe im vergangenen Jahr bei den Daihatsu-Verkäufen zugelegt und wollte die Absatzzahlen 2011 weiter steigern. Wie die Kunden nun reagieren, sei schwer abzusehen. Man wolle sich auf jeden Fall nach einer neuen Zweitmarke umsehen.
Unterdessen hat der Hersteller in Japan seinen Rückzug aus Europa offiziell bekannt gegeben. Das Unternehmen nannte als Gründe den niedrigen Absatz in Europa und die schlechte Profitabilität aufgrund des Wechselkurses. Das Unternehmen verkaufte im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben europaweit nur noch 19.000 Autos. Zudem seien die Kosten für die Erfüllung der EU-Abgasvorschriften zu hoch. Insgesamt gibt es in Europa derzeit etwa 1.000 Daihatsu-Händler.
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