Die elektrische Mobilität wird erwachsen. Auf der Messe Power-2-Drive war zu sehen, wie die Fahrzeuge schon als Teil eines Hochleistungs-Stromnetzes fungieren. Wer davon richtig profitieren will, braucht aber hierzulande noch bessere Hardware – und Geduld.
Der Mercedes EQS kann in Japan schon Strom wieder zurück ins Netz speichern. In Deutschland ist das noch Zukunftsmusik.
(Bild: Mercedes-Benz)
Deutschlehrer wird es wahrscheinlich gruseln angesichts dieser Menge an unaussprechlichen Wortschöpfungen mit „e“: Elecq, Eaaze, Elli oder Exnaton – bei manchen Ausstellern auf der Messe Power-2-Drive wussten vielleicht selbst manche Mitarbeiter nicht, wie der Firmenname ausgesprochen wird. Hauptsache, die Spannung stimmt.
Denn um die geht es ja bei einer wirklichen, nachhaltigen und elektrischen „Energiewende“. Eine Rundgang durch die prallvollen beiden Messehallen belegte, dass es durchaus kraftvoll und ideenreich vorangeht beim „Charging the Future of Mobility“, wie die Veranstaltung ihren Anspruch selbst titulierte. Viele Fahrzeuge sind schon ganz schön schlau, das Netz hinkt der Entwicklung allerdings noch hinterher – zumindest in Deutschland.
Den Beleg dafür kennt etwa Thomas Raffeiner. Der Gründer und Chef von The Mobility House zeigte auf der Messe einen Weg zum kostenlosen Laden. Nur sollte man dafür vorzugsweise nach Frankreich ziehen. Wer sich dort einen Renault 5 oder Alpine A 290 zugelegt hat, kann damit ein ganzes Elektroauto-Leben unterwegs sein, ohne jemals für den Ladestrom zu bezahlen. Der Besitzer der Kompaktwagen muss lediglich eine spezielle AC-Ladestation installieren und mit dem Serviceanbieter Mobilize den passenden Vertrag abschließen – schon kann der Gratis-Strom fließen.
Bidirektionales Laden wird Realität
Möglich wird die Europapremiere, weil Auto, öffentliches Stromnetz und alle Anschlüsse dazwischen intelligent und in alle Richtungen kommunikativ sind – und der Gesetzgeber für das Vehicle-to-grid (V2G) die passenden Rahmenbedingungen setzt. Das bidirektionale Laden ermöglicht es den Franzosen, Strom nicht nur zu laden, sondern auch ins Netz zurückzuspielen. Für rund 15 Stunden Verbindung am Tag bekommen sie Fahrstrom für 10.000 Kilometer umsonst. Denn ihre E-Autos werden zu „mobilen Kraftwerken“, so Raffeiner.
Die nahtlose und bidirektionale Einbindung von Elektrofahrzeugen in das Stromnetz war ein Topthema der Messe. In Halle C6 gab es dazu sogar eine Sonderschau „Bidirektionales Laden“. Dutzende Aussteller von Dienstleistern wie X-Charge Europe, Eco G oder Dekra über Autohersteller wie Renault und Mercedes bis zu Stromkonzernen oder Forschungsinstituten sowie ein eigener Kongressbereich beschäftigten sich mit Stand und Zukunft von Vehicle-to grid (V2G) – und was damit in Frankreich, Estland, China oder Italien schon alles möglich ist.
In Deutschland ist dagegen das Gratis-Laden noch Zukunftsmusik – vor allem, weil unsere Netze noch zu dumm sind. Dabei könnten laut einer aktuellen Studie von Eurelectric und EY die Akkus der E-Autos den Versorgern helfen, „den weiter steigenden Anteil von Wind– und Solarstrom zwischenzuspeichern, so die Stromnetze zu stabilisieren und überschüssigen Ökostrom besser nutzbar zu machen.“
Bis 2030 könnte allein die europäische E-Auto-Flotte laut Studie eine Speicherkapazität von 114 TWh bereitstellen und damit „30 Millionen Haushalte mit Strom versorgen oder vier Prozent des europäischen Strombedarfs decken.“ Auch für Autobesitzer lohnt sich die Technik: Wer sein Elektroauto als Energiepuffer nutzt, kann laut Studie jährlich „zwischen 450 und 2.900 Euro an Stromkosten sparen.“
Das E-Auto bringt sich ins Energiesystem ein.
(Bild: Mobilize)
V2G bleibt in Deutschland ausgebremst
Ein Hauptproblem dabei: das Netz in Deutschland und einigen anderen Ländern Europas ist global gesehen rückständig bei der Vorbereitung auf V2G und die nötige Abrechnungstechnik. Mercedes-Benz etwa bietet zwar bereits seit mehreren Jahren bidirektional-fähige Fahrzeuge an – in Japan. Dort hat sich schon vor 15 Jahren ein Industriekonsortium mit Rückendeckung des Gesetzgebers auf CHAdeMO als gemeinsamem Standard festgelegt.
Für den europäischen Markt und darüber hinaus gilt der relevante Standard ISO 15118-20, der vor etwa 1,5 Jahren veröffentlicht wurde. Aktuell arbeiten alle Automobil– und Wallboxhersteller an der Umsetzung dieses Standards für die nächste Generation von Elektrofahrzeugen.
Dann wollen die Schwaben auch bidirektionales Laden europaweit anbieten; eine entsprechende Vereinbarung mit The Mobility House haben sie pünktlich zur Messe verkündet. wie Lade-Experte Frank Spennemann von Mercedes erklärt: „Unsere nächste Generation von Elektrofahrzeugen wird bidirektionales Laden unterstützen.“
Vielleicht ist ja bis dahin auch die rechtliche Lage in Deutschland kein Hindernis mehr für die breite Einführung des bidirektionalen Ladens. Hierzulande fällt nämlich bisher durch die sogenannte doppelte Besteuerung bei Energie, die im Auto gespeichert und wieder ins Netz eingespeist wird, zweimal Abgaben an. Das macht die Technologie finanziell unattraktiv.
Zudem ist Deutschland auch bei der Stromversorgung ein digitales Entwicklungsland. Hier hinkt Deutschland beim Rollout minutengenau messender Stromzähler (Smart-Meter) hinterher, was die notwendige Flexibilität für die Energiewende beeinträchtigt. China hat beinahe 100 Prozent aller Haushalte mit intelligenten Zählern versorgt. Die Einführung begann früh und wurde durch staatliche Vorgaben und massive Investitionen der beiden großen Netzbetreiber vorangetrieben. Auch Länder wie Schweden, Dänemark und Italien haben bereits nahezu alle Haushalte umgerüstet. In Estland, Spanien, Finnland, Luxemburg und Norwegen liegt die Durchdringung bei mindestens 98 Prozent, viele andere EU-Staaten sind bei weit über 80 Prozent.
Stand: 08.12.2025
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Neue Autos sollten V2G-fähig sein
In Deutschland dagegen sind weniger als zwei Prozent der Messstellen mit Smart Metern ausgestattet. Erst Ende des Jahrzehnts kann V2G auch hier richtig Fahrt aufnehmen. Immerhin ein starkes Argument, sich schon jetzt bei der Anschaffung des nächsten Autos mit der Möglichkeit zum Stromaustausch mit dem Netz zu beschäftigen.
Denn im eigenen Haushalt gibt es ja da schon einige Möglichkeiten. Esystems etwa zeigte gemeinsam mit Kontron Solar die neue Ghostone Wallbox, die speziell für das Photovoltaik-Überschussladen entwickelt wurde. Das System ermöglicht unterbrechungsfreies Laden mit eigenem Solarstrom, unterstützt die Norm ISO 15118 und ist kompatibel mit Smart-Home-Systemen. „E-Autos können mit eigenem Solarstrom zu 100 Prozent nachhaltig und kostengünstig geladen werden. Gleichzeitig entlastet das Eigen-PV-Laden das Stromnetz und treibt die Energiewende voran“, so Hannes Niederhauser, Chef der Kontron AG.
Compleo Charging Solutions und KOSTAL präsentierten sogar schon ein AC-Gesamtsystem für bidirektionales Laden, das ab 2027 für den Massenmarkt verfügbar sein soll. Ziel sei auch hier die nahtlose Integration von Fahrzeug, Wallbox und weiteren Energieeinrichtungen, um das Auto als aktiven Bestandteil der Energiewende und als Stromspeicher nutzbar zu machen, so Compleo-Chef Björn Dietrich. „Während andere noch über Konzepte und Ideen sprechen, schaffen wir ein europaweit zertifiziertes System.“ Jetzt muss Deutschlands Netz bloß noch schlauer werden.