Das sieht zwar einladend aus. Doch von Wohlfühlatmosphäre ist der Frankenstein-Fiat weit entfernt. Es ist eng und heiß wie in der Hölle, der Sound raubt einem die Sinne. Und mit dem Tank vor den Knien und nichts als dem Motor im Nacken fühlt man sich festgeschnallt in den roten Lederschalen wie Baron Münchhausen auf der Kanonenkugel. Nur dass Dini kein Lügenbaron ist. Sein Fiat funktioniert tatsächlich – und wie.
Dicker Rauch quillt aus den ewig breiten Radkästen, unter denen sich die gekürzten Lambo-Achsen breit machen. Dann greifen die riesigen Walzen in den Asphalt und mit ohrenbetäubendem Brüllen schießt die ehemalige Knutschkugel davon.
Am Steuer vergeht einem Hören und Sehen, der in der fest stehenden Lenkradnabe montierte Drehzahlmesser schnellt Richtung 7.000 Touren und im Augenwinkel erkennt man noch, dass der Tacho bis 400 geht. Übertrieben? „Probier’s aus, wenn Du Dich traust“, brüllt Dini in den Lärm. „Mich hat bei 300 Sachen der Mut verlassen, und da war die Luft aus dem Lambo-Motor noch lange nicht raus.“
Der tarnkappengraue Tiefflieger ist nicht der erste Monster-Fiat aus der Werkstatt von Signore Dini. Davor hat er auch schon den Sechszylinder-Boxer eines Porsche 911 und den V8 des Ferrari 308 ins Heck der Knutschkugel gequetscht. Und es wird auch nicht der letzte sein. Denn auf der Hebebühne steht schon der nächste. Der hat zwar nur einen V6-Motor von Chrysler. Doch wird das dafür das erste Cabrio des verrückten Italieners.
Mittlerweile wird es in seiner Werkstatt auf halbem Weg zwischen Florenz und Rom so eng, dass Dini langsam darüber nachdenken muss, seine Kanonenkugeln zu verkaufen. Angebote aus Russland, Amerika, China und den Emiraten hat er schon zuhauf. „Viele wollten mehr zahlen, als für einen echten Lamborghini“, freut sich der Mechaniker. Aber so richtig trennen kann er sich vom Frankenstein-Fiat noch nicht. Irgendwie ist ihm sein Monster halt doch ans Herz gewachsen. Genau wie damals bei Professor Frankenstein.
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