In den VW-Werken wird verbal aufgerüstet – und gestreikt. Mit einer zweistündigen Arbeitsniederlegung reagierte die Belegschaft auf das Ende der Friedenspflicht – und die Ablehnung ihrer Sparvorschläge. Es dürfte in den kommenden Wochen noch deutlich lauter werden.
Bei VW Pkw prallen die Interessen aufeinander. Die Beschäftigten haben ihrem Ärger mit Warnstreiks Luft gemacht.
(Bild: Volkswagen AG)
Spätestens seit Freitag scheint klar, dass die Lage bei VW auf eine harte Konfrontation hinausläuft. Die Unternehmensführung hatte das Zukunftskonzept von Betriebsrat und IG Metall als nicht ausreichend angesehen. Nun startete die Belegschaft in den Werken flächendeckend mit Warnstreiks in die Woche. An fast allen deutschen Standorten legten am Vormittag mehr als Zehntausend Mitarbeiter zeitweise die Arbeit nieder.
Tausende zogen mit einem Demonstrationszug durch das Stammwerk und versammelten sich zu einer Kundgebung direkt vor dem Vorstandshochhaus. „Streikbereit! Bundesweit!“, skandierten sie in Sprechchören. In Zwickau und Emden versammelten sich die Mitarbeiter zu Kundgebungen vor dem Werkstor, in Braunschweig zogen mehr als tausend Beschäftigte mit einem Demonstrationszug durch die Stadt. In Zwickau, Emden, Braunschweig und Hannover zählte die Gewerkschaft jeweils 4.000 bis 5.000 Teilnehmer.
Der heutige Ausstand an fast allen Standorten schmerze Volkswagen, sagte IG-Metall-Verhandlungsführer Thorsten Gröger in Wolfsburg. „Aber das ist nur eine Warnung!“ Sollte Volkswagen weiter auf seinen Maximalforderungen bestehen, drohe eine weitere Zuspitzung. „Wer die Belegschaft ignoriert, spielt mit dem Feuer – und wir wissen, wie man Funken in Flammen verwandelt!“ Die nächste Verhandlungsrunde in einer Woche werde hier eine Weichenstellung bringen, sagte Betriebsratschefin Daniela Cavallo. Wenn es sein müsse, „werden wir einen Arbeitskampf durchziehen, der zu Volkswagen passt“.
Vorstufe zur Eskalation?
Am Freitag hatte die Volkswagenführung die Vorschläge der Arbeitnehmerseite mit deutlichen Worten zurückgewiesen. „Eine nachhaltige Einsparung von 1,5 Milliarden Euro ist auch nach intensiver Analyse nicht feststellbar“, teilte Europas größter Autobauer nach Abschluss der Prüfung des Konzepts mit. „Zwar können sich kurzfristig auch positive Effekte ergeben, jedoch führen die genannten Maßnahmen überwiegend zu keiner finanziellen nachhaltigen Entlastung des Unternehmens in den kommenden Jahren.“
Für die in Aussicht gestellte Kostenentlastung von 1,5 Milliarden Euro wollte die Gewerkschaft eine mögliche Tariferhöhung in einen Zukunftsfonds einbringen und vorerst nicht auszahlen. Im Gegenzug sollte VW auf Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen verzichten. VW hatte daraufhin angekündigt, das Konzept zunächst finanziell bewerten zu müssen.
In Emden forderte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste, die Konzernspitze auf, die massiven Sparpläne vom Tisch zu nehmen. „Ansonsten brennt Weihnachten nicht nur der Baum, sonst brennt jedes einzelne Werk.“ In Zwickau drohte der dortige IG-Metall-Bezirksleiter Dirk Schulze bereits mit weiteren Arbeitsniederlegungen: „Sollte der Vorstand nicht zur Vernunft kommen, wird das nicht der letzte Warnstreik sein.“
Warnstreik auf zwei Stunden begrenzt
Die Warnstreiks dauerten jeweils rund zwei Stunden und sollen danach in jeder Schicht wiederholt werden. Im Streit um Lohnkürzungen, Werksschließungen und Stellenabbau erhöht die IG Metall damit den Druck. „Wir wünschen uns diesen Konflikt nicht – aber wir führen ihn, solange der Vorstand nur auf Kürzungen und Entlassungen statt auf Perspektiven setzt“, sagte Gröger. „Wenn nötig, wird das einer der härtesten Konflikte, den Volkswagen je gesehen hat.“
Zu möglichen Ausfällen in der Produktion machte Volkswagen zunächst keine Angaben. Man wolle die Auswirkungen so gering wie möglich halten, sagte ein Sprecher. Deswegen habe das Unternehmen gezielt Maßnahmen ergriffen, die eine Notversorgung sicherstellten.
Nach Ansicht des Branchenexperten Frank Schwope dürften der zweistündige Ausstand für VW zu verschmerzen sein. „Streikbedingte Ausfälle sind leicht aufzuholen“, sagte der Lehrbeauftragte für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule des Mittelstands in Hannover. Anders sähe es aus, wenn sich der Konflikt weiter zuspitzen sollte. „Ein längerer, eskalierender Arbeitskampf würde Volkswagen durchaus schmerzen und könnte auch das Image in der Bevölkerung und in der Politik lädieren.“
In dem Konflikt geht es vordergründig um die Bezahlung der rund 120.000 Beschäftigten in den Werken der Volkswagen AG, wo ein eigener Haustarif gilt. Hinzu kommen mehr als 10.000 Mitarbeiter bei VW Sachsen, für die 2021 eine Angleichung an den Haustarif vereinbart wurde. Gleichzeitig geht es um die Wettbewerbsfähigkeit von VW. Der Autobauer fordert wegen der schwierigen Lage des Konzerns zehn Prozent Lohnkürzung. Zudem stehen Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen im Raum. Die IG Metall will das verhindern und fordert stattdessen eine Zukunft für alle Standorte – ohne Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen.
Stand: 08.12.2025
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VW lehnt IG-Metall-Vorschlag ab
VW hatte zuvor erklärt, man respektiere das Recht der Mitarbeiter auf Warnstreiks und setze weiter auf eine einvernehmliche Lösung mit der Arbeitnehmerseite. In der Sache zeigte sich der Konzern aber hart. VW begründet die geplanten Einschnitte weiterhin mit hohen Kosten und einer geringen Auslastung. Angesichts der schwachen Nachfrage nach Neuwagen müsse VW seine Sparbemühungen verstärken. Laut Markenchef Thomas Schäfer werde man dabei um Werksschließungen wohl nicht umhinkommen.
Erst am Wochenende war bei Europas größtem Autobauer die Friedenspflicht ausgelaufen, in der Arbeitskämpfe nicht erlaubt waren. Bei Volkswagen ist es der größte Ausstand seit Jahren. Flächendeckende Warnstreiks an allen großen Werken in Westdeutschland gab es zuletzt 2018. Nach Angaben der IG Metall beteiligten sich damals mehr als 50.000 Beschäftigte.