Der niederbayerische Shootingstar

Redakteur: Elvira Minack

Am Anfang stand ein Steuersparmodell. Herausgekommen ist dank strategischem Weitblick und zahlenorientierter Vorgehensweise des Unternehmers Franz Xaver Hirtreiter eine der erfolgreichsten Händlergruppen Deutschlands.

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Mit ihren heute 460 Mitarbeitern erwirtschaftet die AVP Gruppe mit Sitz in Deggendorf in diesem Jahr 200 Millionen Euro Umsatz und vermarktet 3 000 Neu- und 4 000 Gebrauchtfahrzeuge. Damit hat das Unternehmen trotz eines miserablen Autojahrs 2007 wieder eine Rekordrunde gedreht. Bis 2009 peilt die Gruppe 10 000 Fahrzeugverkäufe an. Dabei, so ist sich Unternehmer Hirtreiter sicher, wird der Gebrauchtwagenanteil weiter auf rund 7 000 Einheiten steigen. Innerhalb von nur zehn Jahren hat es der gelernte Journalist und ehemalige Verlagsdirektor der Passauer Neuen Presse geschafft, ein kleines Autohaus-Imperium mit Händler- und Werkstattvertretungen der Marken VW, Audi, Seat, Skoda, Suzuki und Porsche in Niederbayern zu errichten.

Die Gruppe ist heute in Deggendorf, Plattling, Dingolfing, Landau, Landshut, Regen, Zwiesel, Viechtach, Rosenheim und Altötting vertreten. Diese Aufbauarbeit trotz angespannter Automobilkonjunktur verdankt Hirtreiter auch seinem Gesellschafter, der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich. Sie ist mit 25 Prozent am Unternehmen beteiligt. „Mit der Aufnahme der Bank ins Unternehmen vor zehn Jahren habe ich die beste unternehmerische Entscheidung meines Lebens getroffen“, sagt der Unternehmer. Allerdings, so Hirtreiter: „Wenn unsere Zukäufe schief gegangen wären, hätte jede Bank irgendwann Schluss gemacht.“ Die AVP habe die „beste Bank der Welt“. „Wir konnten unseren Gesellschafter überzeugen, dass es sich lohnt, durchzuhalten“, betont Hirtreiter.

Unternehmerischer Instinkt

Bereits vor seinem Einstieg in die Auto-branche hat Hirtreiter sein Gespür für Erfolg immer wieder unter Beweis gestellt. „Was er anpackt, wird ein Erfolg. Franz Xaver Hirtreiter ist eine Ausnahmeerscheinung. Der geborene Unternehmer eben“, hat eine große deutsche Tageszeitung über ihn geschrieben. Im Bayerischen Wald aufgewachsen, wäre er wohl auch mit der Zucht von Rindern – was er im übrigen einige Jahre im Nebenerwerb machte – glücklich geworden. Sein unternehmerischer Instinkt aber trieb ihn weiter und strukturierte das Handeln von Hirtreiter bereits als Angestellter. Nach Abitur, Volontariat bei der Verlagsgruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung sowie als Redakteur und Chef vom Dienst ging ihm das Zeitungsmachen in Fleisch und Blut über. Die größte Herausforderung seines Berufslebens kam, als die Passauer Neue Presse 1988 den damals 32-jährigen Hirtreiter bat, die Geschäftsführung des Verlags zu übernehmen und das Verlagshaus zu sanieren. Als Hirtreiter kam, erwirtschafteten 450 Mitarbeiter 89 Millionen Mark Umsatz. Als er nach 15 Jahren ging, waren es 660 Millionen Euro (1,3 Milliarden Mark) und mehr als 6 000 Mitarbeiter. Hirtreiter hatte ein Medienimperium geschaffen. Als die Passauer Verlagsgruppe in Polen so stark wurde, dass sich das Kartellamt einschaltete, entschied sich Hirtreiter, eine in Masuren zum Kauf anstehende Tageszeitung privat zu kaufen. Sieben Jahre später wurde sie zum Marktführer und zur besten Regionalzeitung Polens gekürt. Mit der Übernahme des VW Audi Autohaus Ballach in Regen 1997, an dem er sich bereits einige Jahre vorher beteiligt hatte, verwirklichte Hirtreiter schließlich seinen Traum, als eigenständiger Unternehmer zu arbeiten. Zehn Jahre später zeigt Hirtreiter nun auch der Autobranche, wie Erfolg gemacht wird.

Größtes Mehrmarkenzentrum

Den jüngsten Coup landete Hirtreiter jetzt mit der Übernahme des Geländes des Mercedes-Benz Betriebes Eiberweiser in Plattling. Nach der Eröffnung ihres 15. Betriebes, eines neuen VW Autohauses in der BMW-Stadt Dingolfing (ehemals Spanner Gruppe) im Oktober, erwarb die AVP Gruppe jetzt mit dem Kauf des direkt an das AVP Betriebsgelände angrenzenden Mercedes-Händlers in Plattling ihren 16. Betrieb. An diesem, am Autobahndrehkreuz Deggendorf gelegenen, Standort will Hirtreiter Niederbayerns größtes Autoland für die überregionale Kundschaft eröffnen. „Unsere Kunden aus den drei größeren Städten der Region – Landshut, Regensburg und Passau – erreichen uns innerhalb von einer Stunde“, so Hirtreiter mit Blick auf das geplante „Autoland“.

Auf dem 35 000 m² großen Gelände entsteht ein Mehrmarkenhaus mit fünf Marken und einem Gebraucht- und Dienstwagenzentrum. Rund 500 Fahrzeuge der Marken des Volkswagenkonzerns, Porsche und Suzuki werden hier künftig präsentiert. Außerdem soll für die gesamte Gruppe ein Karosserie- und Lackierzentrum errichtet werden. Die sechs-Millionen-Euro-Investitionen beinhalten darüber hinaus die Erweiterung des Porsche Zentrums Niederbayern, das für den Panamera-Start 2009 expandiert.

Mit ganzem Einsatz

Befragt nach dem Erfolgsrezept für seine Autohausgruppe, meint der Vollblutunternehmer: „Wenn man sich in diese Branche begibt, muss man bereit sein, seinen Weg zu Ende zu gehen.“ Zwar habe auch Hirtreiter in den vergangenen zehn Jahren bisweilen an seiner Entscheidung, in die Autobranche zu investieren, gezweifelt. „Aber ich bereue nichts“, betont der Unternehmer. Er sei trotz des Krisengejammers um ihn herum zufrieden. Strategisch habe er die richtigen Dinge zur richtigen Zeit gemacht und somit die angepeilten Ziele bisher immer erreicht. „Wir befinden uns auf einer schnurgeraden Autobahn und wissen genau, wo wir hinwollen“, so Hirtreiter. Allerdings macht das katastrophale Autojahr 2007 auch vor der AVP Gruppe nicht halt. So erwartet Hirtreiter nach einem Bilanzgewinn von über einer Million Euro im Vorjahr für 2007 eine Halbierung. „Das Wichtigste für uns ist jedoch, dass wir in einem Krisenjahr wie diesem nicht auf Null oder gar Verluste zurückfahren“, ist Hirtreiter froh. Der allgemeine Einbruch im Privatkundengeschäft von nahezu minus 30 Prozent in Deutschland hat auch die AVP Gruppe erwischt. Denn wegen des schwachen Gewerbes in der Region stützt sie sich normalerweise auf 55 Prozent Privatkunden.

Klare Führungsstruktur

Bei Hirtreiter steht der Mensch im Mittelpunkt. Die Qualität des Miteinanders im Unternehmen ist ihm wichtig. In guten Führungskräften mit langfristigen Verträgen sieht Hirtreiter daher auch die größten Chancen für ein weiteres Wachstum der Gruppe.

Daher setzt der Unternehmer auch auf klare Zuständigkeiten seiner heute sechs Geschäftsführer. So ist Georg Winklmeier für alle Betriebe der Marke VW zuständig, Anton Emerdinger für Audi, Georg Gabriel für Porsche und Georg Oswald für Gebrauchtwagen, Suzuki und Internet. Zum Finanzgeschäftsführer der Gruppe wurde Anfang 2006 der frühere Controllingleiter Joachim Huber berufen. Angesichts der steigenden Bedeutung des Aftersalesbereichs (O-Ton Hirtreiter: „Wir haben dieses Geschäftsfeld lange vernachlässigt.“) setzt Hirtreiter jetzt auch für diesen Bereich auf einen eigenen Geschäftsführer. Es ist Johann Kirschner, der betriebsübergreifend sämtliche Werkstätten verantwortet. Hirtreiter: „In der AVP wird in den nächsten Jahren der ein oder andere Serviceleiter zu den Shootingstars auch im Verdienst zählen, nicht immer nur die Verkäufer.“

Die AVP, die heute zu den fünf größten Porschehandelshäusern in Deutschland zählt, hat sich auch in der Porsche Händlerschaft großen Respekt verschafft. So wurde Franz Xaver Hirtreiter nicht zuletzt dank seines unternehmerischen Talents und seiner klaren Sichtweise in diesem Jahr auch zum Vorsitzenden des Deutschen Porsche Händlerverbands gewählt. Seiner Meinung nach ist im Verhältnis von Hersteller und Händler vor allem Diplomatie gefragt. „Ich sehe uns Händler nicht als Gewerkschaft, die gegen den Hersteller kämpft, sondern als Standesorganisation, die stolz ist, diese Produkte zu verkaufen“, bringt es Hirtreiter auf den Punkt. Es gelte, sich auf gleicher Augenhöhe gegenüber zu sitzen und fair miteinander zu diskutieren. Kriegszenarien führten dagegen zu verbrannter Erde und damit zu wenig Erfolg. Mit viel Fingerspitzengefühl konzentriert sich Hirtreiter daher auch innerhalb seiner AVP Gruppe ganz auf die Herstellergespräche und die strategische Planung, während seine Geschäftsführer für die operative Umsetzung zuständig sind.

Keine ungebremste Expansion

Trotz seiner Erfolge bleibt Hirtreiter auf dem Boden. „Wir sind nicht unbegrenzt handlungsfähig“, räumt der Manager ein. Daher werde er niemals auf eine ungebremste Expansionsstrategie setzen. Gerade in diesem Jahr haben viele Handelspartner nach Kooperationen und Übernahmen angefragt. Doch mit der heutigen Größe sei für die AVP Konsolidierung wichtig. Hirtreiter: „In den kommenden drei Jahren werden wir uns auf die Stärkung und den Aufbau von Eigenkapital konzentrieren.“ Hirtreiters Formel für den Automobilhändler von morgen: „Er braucht viele Autos und viel Geld.“ Wer beides habe, sei auch in Zukunft dabei.

Hirtreiter sieht die Zukunft „schwarz-weiß“: Es werde nur noch ganz kleine oder ganz große Händler geben. In der Mitte bleibe keine Luft. Nur wer seine Strukturen den Veränderung des Marktes anpasse, werde überleben. „Wer davon träumt, dass die Zukunft golden wird,“ sagt Hirtreiter, „wird untergehen.“

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