Die deutschen Autohersteller BMW, Mercedes-Benz und VW schneiden bilanziell 2024 schlecht ab. Eine EY-Analyse zeigt, dass ihre Umsätze und Gewinne hinter den Konkurrenten zurückblieben.
Die deutschen Autohersteller BMW, Mercedes und VW haben 2024 im internationalen Vergleich schlechter abgeschnitten als bisher. Zu diesem Ergebnis kommen die Marktbeobachter von EY, die die Bilanzen von 16 großen Autokonzernen verglichen haben.
(Bild: Mercedes-Benz Group AG)
Für die deutschen Autokonzerne lief es im vergangenen Jahr schlechter als für viele ihrer Wettbewerber. Das zeigt eine Analyse, für die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY die Zahlen der 16 weltweit führenden Hersteller ausgewertet hat.
Die drei deutschen Autokonzerne BMW, Mercedes-Benz und VW wurden im vergangenen Jahr sowohl bei der Umsatz- als auch bei der Gewinnentwicklung von der Mehrzahl der Wettbewerber abgehängt. Gemessen an der Umsatzentwicklung lief es nur bei Stellantis schlechter. Die Opel-Mutter verzeichnete ein Minus von 17 Prozent. VW erwirtschaftete 2024 noch ein leichtes Umsatzplus, BWM und Mercedes-Benz machten weniger Geschäft. Insgesamt sanken ihre Erlöse um 2,8 Prozent.
Zum Vergleich: Der Umsatz aller untersuchten Unternehmen legte 2024 um 1,6 Prozent zu und übersprang die Marke von zwei Billionen Euro. Immerhin: Das deutsche Trio macht mit einem Erlös von gut 610 Milliarden Euro immer noch etwa 30 Prozent aus.
Auch bei der Gewinnentwicklung hinkten die deutschen Autobauer der Mehrzahl der anderen Unternehmen hinterher: Insgesamt lag der Gewinnrückgang von Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW bei 27 Prozent. Schlechter als Mercedes-Benz und BMW entwickelten sich nur Nissan (minus 73 %) und Stellantis (84 %), wobei sich die japanischen Autobauer überwiegend gut entwickelten.
Auch in puncto Profitabilität mussten die deutschen Autobauer Einbußen hinnehmen. Im Jahr 2023 zählten Mercedes-Benz, Stellantis und BMW zu den margenstärksten Autokonzernen der Welt. Im Jahr 2024 wurde das Margenranking hingegen angeführt von Kia, Suzuki und Toyota. Mercedes-Benz rutscht vom ersten auf den vierten Platz, BMW vom dritten auf den sechsten, und Stellantis sogar von Platz zwei auf Platz 15. Der Volkswagen-Konzern belegte 2024 wie im Vorjahr den zehnten Platz.
EY-Experte: Der Wind hat sich gedreht
„Der Absatz entwickelt sich schwach, die hohen Investitionen in die Elektromobilität amortisieren sich nicht, weil die Nachfrage bei weitem nicht so stark ist wie erhofft“, bewertet EY-Marktbeobachter Constantin Gall die aktuelle Lage. Hinzu kommen ihm zufolge hausgemachte Probleme wie teure Software-Fehlschläge, Restrukturierungskosten und Rückrufe. Ein Problem seien die Forschungsausgaben. Die Gelder würden nach veralteten und ineffizienten Prozessen verteilt, insbesondere im Vergleich zu den asiatischen Wettbewerbern.
Noch im Jahr 2023 sei es gerade den Premiumherstellern gelungen, hohe Preise durchzusetzen, erklärte Gall. Doch das habe sich geändert. Die Wirtschaftslage und globale Konflikte ließen die Nachfrage deutlich sinken. Der Wettbewerb werde wieder verstärkt über den Preis ausgetragen. Außerdem bereiten den Deutschen vorwiegend asiatische Hersteller mit ihren innovativen und gleichzeitig preiswerten Fahrzeugen immer größere Sorgen.
Krise in der Autoindustrie
Neu ist der sich anbahnende Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten: In der vergangenen Woche hatte US-Präsident Donald Trump seine Drohungen wahr gemacht und für Anfang April Zusatzzölle in Höhe von 25 Prozent auf alle Autoimporte angekündigt.
Vor allem für die Hersteller aus Deutschland kommt das zur Unzeit. Denn die USA sind nach jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts ihr wichtigster Exportmarkt. Kein anderes Land nahm so viele neue Pkw aus Deutschland ab wie die Vereinigten Staaten.
Umso wichtiger wird die Entwicklung in China, jedoch „ist der chinesische Markt gerade extrem schwierig für alle etablierten westlichen Autobauer“, sagte Gall. Im vergangenen Jahr gingen 32 Prozent aller Pkw aus den Fabriken der deutschen Autokonzerne an Kunden in China – 2023 hatte der China-Anteil bei 34 Prozent gelegen (2020: 39 %). Diese Rückgänge lassen sich nun eben nicht mehr in anderen Weltregionen ausgleichen, schon gar nicht in den USA.
„Man kann sich nicht gesund sparen“
In laufenden Jahr rechnet Gall nicht mit einer positiven Trendwende – weder beim Absatz noch bei Umsatz und Gewinn: „In Europa lahmt die Konjunktur, in den USA dürften die jetzt eingeführten Zölle erhebliche Absatzeinbußen zur Folge haben und in China herrscht ein erbitterter Verdrängungswettbewerb, der stark über den Preis ausgetragen wird“.
Die Unternehmen müssten jetzt ihre Hausaufgaben machen. An einer strategischen Neuausrichtung und einer Fokussierung auf den Markenkern führe kein Weg vorbei. Ein Sparkurs könne nur Mittel zum Zweck sein, um die eigene Transformation zu finanzieren: „Man kann sich nicht gesund sparen“.
Stand: 08.12.2025
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