2024 werden einige Händler an ihre wirtschaftlichen Grenzen kommen. Die Marge werde deutlich sinken, prognostiziert das Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg. Dagegen war 2023 ein Jahr mit einem dicken Umsatzplus von mehr als elf Prozent.
Die Unternehmerin und Pressesprecherin des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg, Birgit Leicht, präsentierte zusammen mit Präsident Michael Ziegler (M.) und Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß die Jahresbilanz des Kraftfahrzeuggewerbes im Jahr 2023.
(Bild: Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg)
Auch wenn das Autojahr 2023 dem Kraftfahrzeuggewerbe Baden-Württemberg ein Umsatzplus von mehr als 11 Prozent und 39,4 Milliarden Euro bei einer Rendite von drei Prozent bescherte – 2024 werde anders ausfallen, prognostiziert Verbandspräsident Michael Ziegler.
„Die Rendite wird mit Sicherheit deutlich niedriger ausfallen und es wird auch der ein oder andere Händler in wirtschaftliche Schwierigkeiten kommen“, betonte Ziegler am Mittwoch (28. Februar) bei der Vorstellung der Jahresbilanz im Stuttgarter Verbandsgebäude. Das Ergebnis von 2023 sei besonderen Effekten und der noch laufenden Förderung der Elektromobilität geschuldet.
Aktuell sei der Markt für E-Autos zusammengebrochen. Die Marge werde wegen sinkender Fahrzeugpreise dieses Jahr schrumpfen. Auch die Restwerte von E-Autos würden den Umsatz drücken. Die Hintergründe und einzelne Zahlen zur Jahresbilanz erläuterte Pressesprecherin Birgit Leicht. Hauptgrund für die gute Jahresbilanz seien der Abbau des Auftragsüberhangs aus dem Vorjahr und gestiegene Neuwagenpreise.
Insgesamt wurden knapp 1,2 Millionen Autokäufe getätigt. Davon waren 406.738 Neuwagen, was allein einen Umsatz von 18,2 Milliarden Euro (+15 %) bescherte. Der Gebrauchtwagenmarkt erreichte einen Umsatz von 15,2 Milliarden Euro (+5 %). Der Anteil des Privathandels an den Besitzumschreibungen sank auf 29 Prozent (-7 %).
Auch der Werkstattbereich verzeichnete eine Umsatzsteigerung (+17,6 %) auf rund 4,5 Milliarden Euro. Der Fahrzeugbestand in Baden-Württemberg erreichte zum 1. Oktober 2023 mit fast 6,9 Millionen Einheiten einen Rekordwert. Für das Werkstattgeschäft ist das eine gute Grundlage.
Ausbildungsbilanz zeigt wieder positive Zahlen
Gute Nachrichten gibt es auch vom Ausbildungsmarkt in Baden-Württemberg: Mit 3.015 neuen Verträgen beim/bei der Kfz-Mechatroniker/in (+10,6 %) und 870 beim/bei der Automobilkaufmann/-frau (+12,4 %) endete eine vierjährige Minus-Phase, so Leicht.
Der bundesweite aktuelle Trend zeigte sich auch bei den Autokunden in Baden-Württemberg: In absoluten Zahlen stieg 2023 trotz noch laufender E-Förderung die Nachfrage nach neuen Benzin- und Dieselfahrzeugen. Benziner legten um 8,0 Prozent zu, neu zugelassene Diesel-Pkw um 6,1 Prozent.
Von einer Kehrtwende kann aber keine Rede sein, denn trotz des Anstiegs in absoluten Zahlen sank der Marktanteil der klassischen Verbrenner: Benziner hatten einen Marktanteil von 28,5 Prozent, Diesel-Pkw von 17 Prozent. Insgesamt waren 2023 45,5 Prozent aller Neuwagen Verbrenner. Im Jahr 2022 waren es noch 47 Prozent.
Leicht: „Der Elektro-Marktanteil lag 2023 bei 29,3 Prozent. Allerdings waren es im Autojahr 2022 noch 35,1 Prozent. Diese Zahl verdeutlicht, wie verheerend der Förderstopp beim Umweltbonus wirkt.“
Erstmals seit Jahren sank auch der Anteil der Hersteller im Direktvertrieb. Mit 264.380 neu zugelassenen Pkw stieg somit der Anteil des Handels im Jahr 2023 auf 65 Prozent (+4,7 %). Die Vertriebswege der Hersteller seien demnach nicht weiter gewachsen und ausgebaut worden, so Leicht.
Der durchschnittliche Preis von 44.850 Euro (Vorjahr: 43.110 Euro) für einen neuen Pkw resultierte aus dem gestiegenen Anteil der E-Fahrzeuge, die durchschnittlich 50.060 Euro kosteten sowie aus erneuten Verschiebungen in den Marktsegmenten und höheren Einkaufspreisen, erläuterte die Pressesprecherin.
E5-Verbot und HVO-Beimischung könnte Klimabilanz gleich verbessern
Die aktuelle Situation im Autohandel ließe sich nur ändern, wenn Politik und Wirtschaft an einem Strang ziehen würden und gemeinsam dafür sorgten, dass Mobilität für alle bezahlbar bliebe. Dazu gehöre allen voran die Technologieoffenheit. „Wirklicher Klimaschutz bedeutet Reduzierung der Verbrenner-Emissionen bei gleichzeitigem Ausbau der Elektromobilität“, erläuterte Ziegler.
Langfristig mit E-Fuels und kurzfristig mit bereits verfügbaren Alternativen wie dem HVO-Treibstoff könnten die CO2-Emissionen schneller gesenkt werden. Auch der deutschlandweite, vollflächige Umstieg von E5 auf E10 wäre eine sofort klimawirksame Maßnahme. Ziegler verwies auf eine Studie des Bundesverbandes der deutschen Bioethanolwirtschaft, wonach der Umstieg auf E10 fast drei Millionen Tonnen CO2 einsparen könnte.
„Andere Länder in Europa haben E5 längst abgeschafft. Warum Deutschland dies nicht tut, erschließt sich uns angesichts der großen Vorteile nicht. Zudem könnten die freiwerdenden E5-Zapfsäulen für den Verkauf alternativer Kraftstoffe wie HVO genutzt werden“, so Ziegler.
Stand: 08.12.2025
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Das Kfz-Gewerbe sollte fordern, E5-Kraftstoff abzuschaffen, ergänzte Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß. „
Wenn nur noch E10 verkauft wird, haben wir ein Äquivalent von fast 1,5 Mio. zusätzlichen BEV und sofortigen Klimanutzen. Das entspricht in etwa dem aktuellen Gesamtbestand an BEV in Deutschland am 1.1.2024 von rund 1,5 Mio. Einheiten, den wir zudem nur mit Milliardensubventionen erreicht haben! Da schlummert riesiges Potential“, erklärte er. Außerdem würden bei einem E5-Verbot auch die Zapfsäulen an den Tankstellen frei, um HVO 100 anzubieten.
Mercedes-Entscheidung bestätigt Bedeutung des Handels
Individuelle Mobilität mit dem Auto müsse bezahlbar sein, sonst werde der soziale Friede gefährdet und dürfe nicht durch Sonderabgaben belastet werden. Positiv wertet der Verband die Unterstützungsmaßnahmen, die das Land Baden-Württemberg dem Gewerbe bei der Digitalisierung und dem Transformationsprozess leistet.
Auch die Hersteller sollten ihren Beitrag leisten. Ziegler betont, dass es an der Zeit sei, den Aufwand und Nutzen der Vertriebsfunktionen der Händler objektiv zu bewerten und den Handel fair zu entlohnen. Die Entscheidung von Mercedes, seine Niederlassungen unabhängig zu machen, zeige, dass unabhängige Händler effektiver und kundennäher arbeiten können. Diese Einsicht von Mercedes sende ein starkes Signal an das Kfz-Gewerbe und unterstreiche, dass der Handel am besten wisse, wie man Flexibilität und Schnelligkeit in den Dienst der Kunden stelle, so Ziegler.