Für den jungen Familienvater, der vom Porsche träumte, aber nur VW Golf fahren durfte, ging vor 50 Jahren der Himmel auf: Der Golf GTI war da. Auf den ersten Blick nur ein praktischer Kompakter, bei genauem Hinsehen ein Hot Hatch neuer Art.
Sieben Generationen Golf GTI und rund zwei Millionen verkaufte Einheiten – dieser VW ist Kult und Vorbild für viele GTI-Nachahmer anderer Marken.
(Bild: Volkswagen AG)
Er sieht unspektakulär aus, fast wie ein billiger VW Golf in Basisversion: Der Golf GTI in Urform konnte auf den ersten Blick enttäuschen, damals auf der IAA 1975 in Frankfurt zwischen all den wilden Rallyestreifenträgern von der Art eines Ford Escort RS oder Opel Kadett GS/E. Und dennoch schrieb der erste Golf GTI Geschichte als stilprägendes Sportgerät, das die Liga der frontangetriebenen Hot Hatches begründete und VW volle Kassen bescherte.
Vor 50 Jahren war die erste Ölkrise mit strengen Tempolimits gerade erst bewältigt, aber die Autobauer in Deutschland, Italien oder Großbritannien waren bereits wieder ganz wild darauf, in ihre kompakten Krawallschachteln kräftige Vierzylinder einzupflanzen, mit denen leistungsstarke Sechszylinder von der Überholspur gejagt werden konnten. Aber einen furiosen Kompakten ohne Kriegsbemalung, dafür mit praktischer Heckklappe und Platz für die junge Familie, zukunftsweisender Frontantrieb inkludiert: So etwas hatte die Autowelt noch nicht gesehen – der Golf „Gran Turismo Injection“, kurz GTI, löste einen Urknall aus.
Die eigene Verkaufsabteilung rechnete mit 500 Stück
Kurz vor der Frankfurter Autoshow prognostizierte der Volkswagen-Vertrieb pessimistisch einen GTI-Absatz von 500 Einheiten, bis zum Produktionsende der ersten Golf-Generation im Jahr 1983 wurden rund 462.000 GTI verkauft. Von dieser Begeisterung für den „Golf im Schafspelz“, wie ihn Fachmedien nannten, ließen sich andere Hersteller rasch infizieren: Der Typencode GTI mutierte zum Gattungsbegriff, rund 30 Modelle anderer Marken adaptierten die drei magischen Buchstaben. Von kleinen Miniflitzern wie Suzuki Swift oder Peugeot 205 bis zu großen Reisekreuzern à la Citroen CX und Mitsubishi Galant war alles dabei.
Das Rezept war so einfach wie genial: ein leichtgewichtiger, uneingeschränkt alltagstauglicher kompakter Hatchback mit starkem Motor. Warum gab es so etwas nicht vor dem Golf GTI? Gewiss, Autobianchi A112 Abarth oder Simca 1100 TI wiesen in die Richtung, spielten aber doch in kleineren Leistungsklassen. Und die nicht selten in leuchtendem „golf-gelb“ lackierten BMW 1502 bis 2002 tii sind als Stufenhecklimousinen ebenfalls keine GTI-Vorläufer. Provokative Disruption erfordert Mut, und diesen hatte der VW-Konzern Mitte der 1970er komplett in die Umstellung von Käfer auf Golf investiert.
Anfangs war der GTI eine geheime Kommandosache
Zwar entwickelte sich der Golf 1974 vom Start weg zum Sensationserfolg und auch das neue Sportcoupé Scirocco reüssierte, aber ein Golf als Mini-Muscle-Car? Nein, so etwas wollte die Wolfsburger Konzernführung nicht, schließlich hatte 1973 der Käfer als schriller „Gelb-Schwarzer Renner" mit Tuningfreigabe für öffentliche Diskussionen gesorgt. Deshalb entstand der Golf GTI als Geheimsache einer kleinen Gruppe gleichgesinnter Petrolheads – der erste Audi 100 hatte 1968 gezeigt, dass verbotene Undercover-Entwicklungen im VW-Konzern am Ende erfolgreich sein konnten. Und genauso begann der Lebenslauf des legendärsten Golf aller Zeiten, einer bis heute in acht Generationen in rund 2,5 Millionen Einheiten verkauften sportlichen Ikone, die sogar eigene Festivals am Wörthersee und in Wolfsburg hervorbrachte.
Zusammen mit Hermann Hablitzl, Projektentwicklungsleiter Golf, Jürgen Adler, Konstruktion Interieur, Horst-Dieter Schwittlinksy, Marketing, und dem späteren Entwicklungs-Vorstand Herbert Schuster konfigurierte der VW-Pressesprecher Anton Konrad den Sport-Golf 1974/75 aus vorhandenen Serienteilen. Den passenden 81 kW/110 PS starken 1,6-Liter-Vierzylinder mit Bosch K-Jetronic lieferte der neue Audi 80 GTE, entstanden unter dem damaligen Audi-Entwicklungsvorstand Ferdinand Piëch. Optisch gab sich der Golf GTI auf brillante Art bescheiden: Rote Zierstreifen um den Kühlergrill und das große GTI-Signet auf der mattschwarzen Kühlermaske waren alles, was vor der Kanonenkugel warnte, die im Rückspiegel Vorausfahrender auftauchte.
Ölkrise überwunden und schon startete der GTI durch
So viel Gleichteile-Strategie und Undercover-Optik – im Gegensatz zum früheren VW 1303 „Gelb-Schwarzer Renner" – da konnte auch der 1975 neu ernannte VW-Vorstandschef Toni Schmücker nicht nein sagen. Schmücker musste VW zwar aus den roten Zahlen führen, setzte jedoch statt eines strikten Sparkurses die von seinem Vorgänger Rudolf Leiding eingeleitete Modelloffensive fort. Das zahlte sich aus: Als die Folgen der ersten Ölkrise überwunden waren und sich die Autokonjunktur belebte, fuhr Volkswagen auf der Gewinnstraße vorweg: „Der neue Volksport: Golf“ machte es möglich, wie die Werbung jubelte. Und der 1975 vorgestellte und ab 1976 gebaute Golf GTI verwandelte das Volksauto in einen Racer: „Neun Sekunden zum Kennenlernen: Wir dachten, dass es wohl einige flotte Damen und Herren geben muss, die einen Sportwagen voll Rasse und Klasse wollen.
Stand: 08.12.2025
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Für die haben wir den Golf GTI entwickelt. Und damit die Brillanz unserer Golf-Serie auf die Spitze getrieben. Auf 182 km/h, um genau zu sein“, posaunte das Marketing. 9,0 Sekunden, was für eine Dynamikansage in einer Ära, als sich ein Standard-Golf noch 16,5 Sekunden gönnte, und der wahlweise marsrote oder diamantsilberne GTI jedem BMW 3er, Lancia Montecarlo oder Porsche 924, aber auch V8-Typen wie dem Bitter Diplomat CD davonstürmte. Wer noch mehr Power begehrte, konnte seinen GTI tunen lassen: Artz, Abt, Mahag, Nordstadt, Oettinger oder Zender erfüllten alle Wünsche nach Leistung und Luxus. 64.000 Mark verlangte etwa Nordstadt für einen Golf GTI mit 92 kW/125 PS, Telefon, Fernseher – damit war der GTI kostspieliger als ein Lamborghini Uracco und so teuer wie sieben VW Golf in Basisausführung.
Der klassenlose Sportler für Jedermann
Wichtigster Vorteil des GTI: Das Understatement in den von Sozialneid geprägten 1970ern und frühen 1980ern. Allein auf den Rennpisten legte der GTI jede Zurückhaltung ab, dort deklassierte er die Konkurrenz als wilder Reiter und gewann spätestens ab 1981 so ziemlich alle denkbaren Meistertitel. Zwei Jahre später erreichte die erste Golf-GTI-Generation die Zielgerade, dies aber nur, damit die zweite GTI-Auflage von 1984 bis 1991 mit 628.000 Einheiten für den Kulttyp ein Allzeithoch erreichte. Der Golf III GTI überzeugte von 1991 bis 1997 durch 16-V-Motoren in einem dezentem Karosseriekleid 327.000 Käufer. Den vierten GTI (1998-2003) gab es auch als Diesel-TDI und mit Fünfzylinder, aber nur 165.000 Käufer griffen zu. GTI Nummer 5 wurde von 2004 bis 2008 in rund 182.000 Einheiten verkauft, dazu trugen ein turboaufgeladener TFSI und ein neues Doppelkupplungsgetriebe bei.
Der sechste GTI (2009-2012) konnte sogar als Cabriolet geordert werden und verkaufte sich in nur drei Jahren rund 200.000 Mal. Golf GTI Nummer VII (2013-2019) brachte als TCR erstmals eine Rennversion auf die Straße, vor allem befriedigte er High-Speed-Junkies mit bis zu 265 km/h Vmax. Seit 2020 regiert der VIII GTI – und die Faszination für den Kult-Sportler bleibt ungebrochen. Auch nach 50 Jahren, wie VW durch regelmäßige GTI-Updates und Sondereditionen bestätigt. Der elektrische VW I.D. GTX kann an den GTI-Mythos nicht anknüpfen, und so wird es irgendwann einen neunten Golf GTI geben, der Jagd auf athletische BMW oder Benz macht.