30 Jahre Mercedes-Benz SLKDie Grenzen der Faszination
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sp-x
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Vor 30 Jahren aber war die Welt verrückt nach schicken Zweitürern und Sonnenflitzern. Ein Hype, den Mercedes auf die Spitze trieb: Mit dem SLK zeigten die Stuttgarter den ersten Roadster mit klappbarem Metalldach, ein Coupé-Cabrio, das Geschichte schrieb.
Knallgelber Knüller: Der Mercedes SLK revolutionierte 1996 den Roadstermarkt durch ein versenkbares Metallklappdach.
(Bild: Mercedes-Benz Classic Archive)
Zwei Autos in einem – als elegantes Coupé und rassiges Cabriolet – diese Idee setzte zuerst Peugeot um. Die Eclipse-Modelle 301 bis 601 avancierten in den 1930ern zum dernier cri der Pariser Schickeria. Aber den eigentlichen Hype um die Coupé-Cabrios zündete vor 30 Jahren ausgerechnet die konservative Marke Mercedes-Benz: Der kompakte Roadster SLK (Baureihe R 170) begeisterte sogar die jugendlichen Millennials, die sonst von sportlichen BMW oder Alfa träumten.
Der Mercedes SLK war eine Sensation, in gediegenem Silbergrau und Blau stahl der in angedeuteter Keilform gezeichnete Verwandlungskünstler auf dem Turiner Salon 1996 jedem Ferrari die Show. Nur er faltete ein „Variodach“ aus Stahl auf Knopfdruck elektrohydraulisch zusammen, in 25 Sekunden verschwand es komplett im Kofferraum und gab den Blick zum Himmel frei. Welch ein Spektakel – ein solches Klapp-Ballett beherrschte bis dahin kein Serienauto, auch der Ford Skyliner aus den 50er-Jahren konnte sein gigantisches Metalldach nur ungefaltet im Gepäckabteil verstauen.
Ein bissschen was vom 300 SLR
Während BMW mit dem Z3 im Jahr 1996 die Idee des klassischen Stoffdach-Sportwagens in die Moderne führte und damit dem Vorbild des Mazda MX-5 folgte und Porsche mit dem Boxster einen Mittelmotor-Sechszylinder im Stil früherer Zuffenhausener Racer auflegte, wagte Mercedes mit dem SLK etwas noch nie Dagewesenes – und wurde belohnt. Noch bevor die ersten in der grellen Launch-Farbe Yellowstone-Gelb lackierten SLK im Straßenverkehr für Aufsehen sorgten, gab es lange Lieferzeiten: Der SLK avancierte zum Trendsetter. Schon einmal hatte Mercedes einen Vierzylinder-Roadster unterhalb des hochpreisigen, großen SL-Spitzenmodells positioniert: Vom nur 4,22 Meter langen 190 SL wurden ab 1955 über 25.000 Einheiten verkauft, optional gab es sogar ein Hardtop für den Ganzjahreseinsatz des komfortbetonten Zweisitzers.
Konsequenter auf Sportlichkeit und kurze Überhänge vorn wie hinten sowie kurze Abmessungen getrimmt war der knapp vier Meter messende SLK, der zuerst 1994 als Concept Car eine zweigeteilte Premiere feierte. Im Frühjahr wurde auf dem Turiner Salon der schon seriennahe Roadster gezeigt, aber noch ohne Dachkonstruktion. Ein halbes Jahr später sorgte eine zweite SLK-Studie auf dem Design-Catwalk des Pariser Salons für Furore, nun mit elektrohydraulischem, mehrteiligem Klappdach. „Ein Design, das sich ausschließlich am Heute, an der aktuellen Moderne orientiert, ist kein Mercedes-Design“, erklärte der damalige Chefdesigner Bruno Sacco mit Blick auf diese formal völlig eigenständig und progressiv auftretende erste SLK-Studie, die sich gleichwohl in Details wie dem Überrollschutz hinter den Sitzen historische Reminiszenzen an den legendären Mercedes 300 SLR von 1955 erlaubte.
„Bitte so bauen!“
Das SLK-Designkonzept überstrahlte alles, nicht einmal der ebenfalls 1994 vorgestellte Alfa GTV Spider (Tipo 916) in Pininfarina-Couture konnte dem Mercedes Paroli bieten. „Bitte so bauen“, riefen Frischluftfans und Fachmedien, und Mercedes realisierte in nur zwei Jahren ein Serienmodell, das im Werk Bremen in einer spektakulär großen Auflage vom Band rollen sollte. Audi hatte damals bereits seinen offenen TT als Concept gezeigt, Porsche den Boxster avisiert, der BMW Z3 kam zur Auslieferung und dann gab es noch Newcomer wie Alfa Spider, Fiat Barchetta, MGF, Lotus Elise und natürlich den Altmeister Mazda MX-5. Konnte der keineswegs billige SLK auf diesem übervollen Spielfeld punkten? Tatsächlich: So wie 1996 die deutsche Elf unter Berti Vogts in einem denkwürdigen Finale gegen Tschechien mit dem ersten Golden Goal der Geschichte die Fußball-Europameisterschaft gewann, erwies sich der Mercedes SLK als begehrtester Endorphin-Booster unter den Frischluftstürmern.
Noch vor der offiziellen Markteinführung des Mini-SL waren die ersten beiden Jahresproduktionen ausverkauft, junge gebrauchte SLK kosteten zeitweise mehr als Neuwagen, und als 2004 die zweite SLK-Generation (R 171) antrat, konnte Mercedes 311.222 gebaute Fahrzeuge der ersten SLK-Auflage (R 170) vermelden. Diese Zahl toppte alles: Von der billigen Barchetta verkaufte Fiat nur 57.000 Zweisitzer, Alfa kam auf rund 40.000 Spider, und nicht einmal der begehrte BMW Z3 knackte die 300.000-Marke. Der erschwingliche Mazda MX-5 brachte es zwar zum meistgebauten offenen Zweisitzer aller Zeiten, in Deutschland aber hatte der SLK die Nase vorn in den Zulassungszahlen.
Stand: 08.12.2025
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Konnte den Erfolg nicht anknüpfen
Damit nicht genug. Der Mercedes SLK war es, der das Klappdach-Fieber entfachte. Ab der Jahrtausendwende wollten alle Sonnenstürmer mit den Vorteilen des festen Dachs Erfolge ernten. Vom winzigen Daihatsu Copen über den kleinen 2+2-sitzigen Peugeot 206 CC bis zu den familienfreundlichen Typen Renault Mégane CC, Volkswagen Eos, Volvo C70 und dem Mercedes-Benz SL (R 231, ab 2001) warben sie mit der uneingeschränkten Wintertauglichkeit des Coupédachs, mehr Sicherheit bei Überschlägen, Geräuschkomfort und dem Schutz vor kriminellen Verdeckschlitzern.
Aber nichts gibt es ohne Nachteile: So schrumpfte der erste SLK-Kofferraum bei geöffnetem Hardtop auf 145 Liter, gerade genug für kleines Handgepäck. Mercedes empfahl der SLK-Besatzung deshalb die Reise ans Urlaubsziel mit geschlossenem Dach (348 Liter). Auch Cabriofans im mediterranen Raum oder in Kalifornien suchen in den heißen Sommermonaten gerne Schatten unter dem geschlossenen Dach, aber nur ein Textilverdeck verrät auf den ersten Blick das gegenüber dem Coupé noch exklusivere Cabrio. So endete der faszinierende Stahl-Klappdach-Boom Mitte der 2010er-Jahre, plötzlich verlangte die Mode wieder Textil, zugleich schrumpfte der Cabriolet-Absatz insgesamt. Wie seine Konkurrenten kam der Mercedes SLK nun ans Ende seiner Reise, die immerhin drei Generationen hervorbrachte – bemerkenswert sichere und zuverlässige Zweisitzer mit Stern, die heute als Young- und frischer Oldtimer (mit H-Kennzeichen) sehr gesucht sind.
2019 war dann Schluss
In erster Generation genügten dem trotz Metalldach 1.270 Kilo leichten SLK – das Kürzel steht für „Sportlich, Leicht, Kurz“ – noch harmlose Vierzylinder-Motoren mit 100 kW/136 PS bis 142 kW/193 PS und ein 160 kW/218 PS kräftiger V6 fürs Fahrvergnügen. Die zweite Auflage des Roadsters (R 171) startete 2004 mit größerer Karosserie und damals einzigartigem, in den Sitzlehnen untergebrachten Heizsystem Airscarf, mit dem wärmende Luft an Nacken und Kopf der Passagiere strömte. Als erster Roadster in seinem Segment bot der R 171 als SLK 55 AMG einen V8-Motor, dies mit starken 265 kW/360 PS. Noch furioser fuhr 2011 die dritte Generation des SLK (R 172) vor, die als AMG 55 einem 5,5-Liter-V8 310 kW/422 PS entlockte, aber alternativ als neuer 250 CDI Diesel einen Normverbrauch von nur gut vier Litern auswies. 2016 mutierte der SLK nach insgesamt 670.000 Einheiten zum Mercedes SLC, ein R-172-Facelift, das die technische Nähe zur C-Klasse betonte. Es war ein Schwanengesang: Das Roadstersegment verlor an Faszination, Klappdächer kamen aus der Mode und der SLC verabschiedete sich schon 2019 mit einer sonnengelben Final Edition.
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