Die Preise fallen
Da die Nachfrage nach Unfallfahrzeugen merklich abnimmt, sinken auch deren Restwerte. Der Handel mit verunfallten Fahrzeugen spielt sich weitestgehend auf den großen Kfz-Marktplätzen im Internet ab.
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50 Experten, die mit dem Thema Schadenabwicklung zu tun haben, trafen sich zu einem Restwertforum. Initiiert wurde die Veranstaltung von der Restwertbörse W.O.M. AG. Dirk Detmer, Vorstand der W.O.M. AG, begrüßte die Teilnehmer, moderierte das Treffen und stellte die Referenten vor.
Harald Penning, Geschäftsführer des Bundesverbands des Unfallwagenhandels (BVUH), sprach über „Schadenmanagement – der letzte Baustein. Reparieren oder verwerten“. Dazu präsentierte Penning Zahlen und Fakten: „Ab 50 Prozent der Reparaturkosten ist die Verwertung vorteilhafter“, erklärte er und prognostizierte, dass sich diese Grenze weiter nach unten verschieben wird. Laut Penning profitieren der Gebrauchtwagenhandel und die Automobilhersteller davon, da die Nachfrage nach Gebraucht- und Neufahrzeugen zunehmen wird. Der Restwerthandel und die Restwertbörsen gewinnen durch das steigende Angebot an Unfallfahrzeugen. Zu den Verlierern gehören nach Pennings Meinung Kfz-Werkstätten, die keinem Reparaturnetz angehören, oder die sich als Gegner der Versicherer und deren Schadenmanagement-Bestrebungen darstellen. Kfz-Betriebe, die sich als Dienstleister der Versicherungen sehen und sauber arbeiten, können von mehr Reparaturvermittlungen profitieren. Weitere Informationen unter: www.ac-automotive-consulting.de.
Bernd Sengpiel, Sengpiel Automobile GmbH, beschäftigte sich in seinem Vortrag mit dem Thema „Restwertehandel – heute und in der Zukunft“. Er schilderte, wie mit der Öffnung nach Osten Anfang der neunziger Jahre die große Nachfrage nach Unfallfahrzeugen begann. Hervorgerufen wurde dies durch den großen Bedarf aus Polen, Litauen und Tschechien, da in diesen Ländern die Fahrzeugreparaturen günstiger waren als in Deutschland.
Nachfrage flaut ab
Die Folge: Aufgrund der großen Nachfrage stiegen die Preise (Restwerte). Dies blieb laut Sengpiel auch den Versicherungen nicht verborgen und so holten sie sich Aufkäufer ins Haus, die anhand der Schadengutachten ihre Restwertangebote abgaben, die wiederum von den Versicherern bei der Schadenregulierung in Abzug gebracht wurden.
In den späten neunziger Jahren entstanden die ersten Onlinerestwertbörsen, wodurch auf einmal viele Aufkäufer für ein Fahrzeug bieten konnten. Das erhöhte den Restwert der Fahrzeuge noch einmal erheblich.
In diesen Börsen bieten heute zirka 50 große Restwertaufkäufer und mehrere Tausend Autohändler, die gelegentlich auch Unfallfahrzeuge kaufen. Verstärkt sind auch Aufkäufer aus dem EU-Ausland direkt oder indirekt als Bieter tätig. Inzwischen spielt sich der Handel mit verunfallten Fahrzeugen weitestgehend auf den großen Kfz-Marktplätzen im Internet ab.
Wie Sengpiel weiter erklärte, beginnt sich der Restwertmarkt bereits heute zu drehen. Aus dem Verkäufermarkt beginnt ein Käufermarkt zu werden. Die Märkte in den osteuropäischen Zielländern sind gesättigt, ebenso sind die Reparaturkosten in diesen Ländern gestiegen. Neben der sinkenden Nachfrage hat der Restwertaufkäufer noch weitere Probleme: hohe Treibstoffpreise, Löhne und Sozialabgaben sowie ein geringer Rücklauf der in den Restwertbörsen angebotenen Fahrzeuge.
Laut Sengpiel erreicht man nur bei acht Prozent der abgegebenen Gebote die erste Rangstelle. Das bedeutet: Um ein einziges Fahrzeug zu erhalten, müsste man im Schnitt 100 Angebote abgeben. Legt man hier zirka drei Minuten Bearbeitungszeit pro Angebot zugrunde, sind fünf Stunden reine Arbeitszeit anzusetzen.
Die Zukunftsprognose von Sengpiel lautete deshalb: „Trotz oder gerade wegen der zunehmenden Europäisierung des Restwertmarktes rechne ich mittelfristig mit einem Absinken des Restwertniveaus.“
Um dies zu vermeiden, schlug er Folgendes vor: die Gebotsbindefristen verkürzen, ein schnelleres Abwicklungsmanagement durch die Restwertbörse, eine schnellere Logistik zur Einsparung von Standgeldkosten sowie ein aktiver Kampf gegen „Restwertbörsenmissbrauch“ bei Haftpflichtschäden.
Einfacher abrechnen
Frank D. Rohmann, Geschäftsführer Eucon Informationssysteme GmbH, informierte die Zuhörer über die „Restwertabfrage als Bestandteil der Rechnungsprüfung und optimierte Prozessabläufe“. Um den Schadenprozess einfacher, schneller und effektiver gestalten zu können, bietet das Unternehmen Eucon das Tool „Check-it“ an. Es besteht aus sechs Bausteinen und erfüllt die Anforderungen der Fahrzeughersteller, Werkstätten und Versicherungen. Beispielsweise können Kfz-Werkstätten und Versicherungen darüber Schadendokumente anlegen und abrufen. Das System digitalisiert und extrahiert Daten wie SZF, DV90, Text-PDF. Die Vorteile sind laut Rohmann, dass die Anwender auf eine umfassende Aftermarket-Datenbank zugreifen können. Zudem kann man den integrierten Digitalservice zur Datenregulierung nutzen, das komplette Schadenmanagement abgeben und das Regelwerk individuell programmieren. Weitere Informationen unter: www.eucon.de.
Der Geschäftsführer der Manheim Deutschland GmbH/Dent Wizard GmbH, Alain van Münster, erklärte die Einsatzgebiete von Smart Repair. Die Dent Wizard GmbH ist seit elf Jahren deutschlandweit aktiv und hat 180 fest angestellte Mitarbeiter. Ihre Kompetenzfelder sind die Dellenentfernung ohne Lackieren (DoL), das Beseitigen von Hagelschäden, die Spot-Lackierung sowie die kosmetische Felgenreparatur und die Interieurreparatur.
Die Vorteile beim DoL sind laut van Münster, dass keine Demontage- und Montagekosten anfallen und etwaige Lieferfristen entfallen. Zudem bleibt der Lack- und Korrosionsschutz des Fahrzeugherstellers erhalten und somit geht auch keine Garantie verloren. Um die Wirtschaftlichkeit zu veranschaulichen, zeigte van Münster eine Beispielrechnung für das DoL:
- Austausch der defekten Teile = 250 bis 1.000 €
- Smart Repair = 129 €
- Einsparpotenzial = 40 bis 85 Prozent
Das Reparatursystem ist umweltschonend und verbraucht wenig Ressourcen.
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