Dragster: Motorsport auf Amerikanisch

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60 Liter Sprit auf 300 Meter

Wie der Fahrer hat auch der Motor – falls beide das Duell gewinnen – nicht einmal eine Stunde Zeit, sich zu erholen. Dann geht es schon zum nächsten Lauf, bis am Ende der Champion fest und auf dem Podest steht und zu den pathetischen Klängen der amerikanischen Nationalhymne den Sieger-Pokal entgegen nehmen kann.

Doch damit das klappt, müssen an dem Höchstleistungsaggregat nicht nur Zylinder, Ventile, Lager und Zünderzen jedes Mal komplett ersetzt werden. Auch das Öl ist unbrauchbar und die Kupplung erst recht – sie ist eine der Achillesfersen eines Dragsters, denn: Nur mit ihr reguliert der Fahrer, der sobald die Ampel auf grün schaltet Vollgas gibt, die Leistung.

Würde die gesamte Kraft von Beginn an über die Hinterräder herfallen, wäre an ein Fortkommen nicht zu denken. Die Energie würde in einem Burnout verpuffen – wie er übrigens vor jedem Start nötig ist, um die Pneus einigermaßen auf Betriebstemperatur zu bringen. Erst nach knapp 300 Metern lässt der Fahrer die Kupplung des Eingang-Getriebes komplett los – und 20 Meter später ist das Rennen schon vorbei.

Fährt der Dragster über die Ziellinie, sind auch gut 16 Gallonen Sprit verbrannt worden, also mehr als 60 Liter. Allerdings fahren Top-Fuel-Dragster und Funny Cars nicht mit herkömmlichen Benzin, sondern mit Nitromethan, das ohne Sauerstoff verbrennen kann und direkt mit bis zu fünf bar Druck in die Brennkammern gepresst wird. Der bei der Verbrennung frei werdende Wasserstoff verbrennt in teils meterlangen Auspuffflammen – und ist neben dem ohrenbetäubenden Lärm, der ohne Schutz kaum auszuhalten ist, wohl einer der besten Showeffekte der Dragster-Rennen. Allerdings auch einer, den man noch einige Zeit in Nase und Augen spüren kann. Da soll noch jemand sagen, von einem Dragster-Rennen hätte man nicht länger was.

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