Europäischer Rechnungshof E-Autos alternativlos, aber nicht realisierbar

Von Doris S. Pfaff /dpa 3 min Lesedauer

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Wenn Europa in Sachen E-Mobilität nicht wettbewerbsfähig wird, kann es nur einen Hochlauf mit importierten Autos geben. Das stellte der Europäische Rechnungshof in seinem Bericht zur Elektromobilität fest. Aber: Alternativen zum Stromer sieht das Organ der EU nicht.

Für die 27 Mitgliedstaaten stellen die Klimaziele der EU ein Problem dar. Die Emissionsziele sind laut dem Europäischen Rechnungshof nur mit Elektroautos zu erreichen. Den Hochlauf umzusetzen, gefährde aber die eigene Wirtschaftskraft. (Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Für die 27 Mitgliedstaaten stellen die Klimaziele der EU ein Problem dar. Die Emissionsziele sind laut dem Europäischen Rechnungshof nur mit Elektroautos zu erreichen. Den Hochlauf umzusetzen, gefährde aber die eigene Wirtschaftskraft.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Das Verringern der CO2-Emissionen von Pkw könnte für Industrie und Verbraucher sehr kostspielig werden. Der Europäische Rechnungshof warnt nun in einer Stellungnahme vor industriepolitischen Risiken der Elektrifizierung, sieht aber zum Aus des Verbrennungsmotors keine Alternative, sollen die CO2-Ziele bestehen bleiben. Das stellte der Europäische Rechnungshof, der seinen Hauptsitz in Luxemburg hat, in seinem Bericht zur Situation der Elektromobilität in Europa fest.

Denn die die CO2-Emissionen des Verkehrssektors seien kontinuierlich gestiegen und machten noch fast ein Viertel der Gesamtemissionen der EU aus. Die Hälfte falle davon auf den Pkw-Verkehr. Die Die Klimaziele der EU seien nur erreichbar, wenn die Pkw-Emissionen reduziert werden. Spätestens 2050 sollen die Netto-Emissionen in der EU auf Null sinken, Neuwagen dürfen bereits ab 2035 kein Treibhausgas mehr ausstoßen.

Aus Sicht des Europäischen Rechnungshofs stellt das für die 27 Mitgliedstaaten ein Dilemma dar. Der Hochlauf der E-Mobilität funktioniere nicht in dem Tempo, wie es erforderlich sei. Gleichzeitig belasteten die Kosten dafür die Verbraucher und die europäische Industrie.

Als Kernproblem im Hochlauf nennt der Europäische Rechnungshof die schwache Position der europäischen Autohersteller im Wettbewerb. Weniger als zehn Prozent der weltweiten Batterieherstellung erfolge in Europa, und zumeist handele es sich bei den Herstellern um außereuropäische Unternehmen – insbesondere aus China.

Das lässt sich nach Ansicht der Budget-Wächter nur schwer ändern, da die EU stark auf Rohstoffe aus Drittländern angewiesen ist, was zu Kostenzwängen führt und geostrategisch abhängig macht. Geeignete Handelsabkommen mit Ländern wie Australien, Gabun und der Demokratischen Republik Kongo fehlten aktuell, so der Europäische Rechnungshof.

Die Batterieproduktion in Europa ist zu teuer

Die wenigen zurzeit in Europa hergestellten Batterien sind dem Rechnungshof zufolge trotz umfangreicher öffentlicher Unterstützung teurer als geplant. Durchschnittlich 15.000 Euro kostete ein Energiespeicher aus europäischer Produktion – deutlich mehr als vergleichbare Produkte aus China.

Das Ziel erschwinglicher E-Autos aus heimischen Werken sei damit in Gefahr: „Wenn bei den Kapazitäten und der Wettbewerbsfähigkeit der EU keine klare Verbesserung erzielt wird, besteht die Gefahr, dass die ‚Elektroauto-Revolution‘ in Europa auf Importe angewiesen ist“, heißt es vom Europäischen Rechnungshof.

Kritik gibt es auch an der E-Auto-Infrastruktur. Die Zahl der verfügbaren Ladepunkte liege weit unter dem für 2025 anvisierten Zielwert von einer Million. Zudem konzentrierten sich fast drei Viertel der installierten Säulen auf Frankreich, Deutschland und die Niederlande. Vor allem in Osteuropa fehlt es demnach an Lademöglichkeiten.

Der Rechnungshof bezieht sich in seiner Stellungnahme auf vier in den vergangenen Monaten und Jahren veröffentlichte Studien. Diese stellten unter anderem fest, dass die CO2-Reduktion beim Verbrennungsmotor gescheitert ist – Diesel und Benziner verbrauchen demnach heute immer noch nahezu genauso viel wie vor 12 Jahren. Alternative Kraftstoffe wie etwa E-Fuels können das Problem mangels Verfügbarkeit nicht lösen, seien keine „ernsthafte Alternative“. Biokraftstoffe könnten nicht in ausreichender Menge hergestellt werden, zudem fehlten Sicherheitsvorkehrungen, um sicherzustellen, dass sie alle umweltfreundlich sind.

Der Rechnungshof spricht vor diesem Hintergrund eine Reihe von Empfehlungen aus. Unter anderem sollte die EU ihre zuletzt 2018 formulierte Batterie-Strategie dringend aktualisieren, um Abhängigkeit und Kosten zu reduzieren. Außerdem sei eine bessere Koordinierung der zahlreichen nationalen und übernationalen Förderprogramme für den Batteriesektor nötig.

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