Für 2025 rechnete der Automarkt Baden-Württemberg damit, dass mehr Umsatz mit gebrauchten Autos erwirtschaftet wird als mit dem Verkauf von Neuwagen. Der E-Autos-Absatz werde sich erst erholen, wenn E-Mobilität bezahlbar wird.
Schauen skeptisch auf 2024: Pressesprecherin Birgit Leicht, Präsident Michael Ziegler (M.) und Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß.
(Bild: Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg)
Der Automobilmarkt in Baden-Württemberg präsentiert sich aktuell als zweigeteilt. Im Stuttgarter Verbandsgebäude legten Präsident Michael Ziegler, Pressesprecherin Birgit Leicht und Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß die Zahlen für das Autojahr 2024 vor.
Insgesamt wuchs der Gesamtumsatz um 2,16 Prozent auf mehr als 40 Millionen Euro. Während der Gebrauchtwagenmarkt mit 866.720 Besitzumschreibungen um 6,6 Prozent zulegte, kämpft der Neuwagenmarkt (–0,6 Prozent). Im Ländle gab es 404.124 Neuzulassungen, alternative Antriebe, einschließlich der Hybridfahrzeuge, hatten einen Anteil von 54,8 Prozent. Aber auch hier brachen die Zulassungszahlen bei den reinen Elektrofahrzeugen um gut 21 Prozent ein. Der Service wuchs erneut (7,3 Prozent) und erwirtschaftete einen Umsatz von 4,8 Millionen Euro.
Geschäft mit den Gebrauchten wird Neuwagengeschäft überholen
Für 2025 prognostiziert der Verband einen konstanten Neuwagenmarkt und für den Gebrauchtwagenmarkt gar weiteres Wachstum von vier bis fünf Prozent. „Der bevorstehende Preiskampf wird jedoch auch den Gebrauchtwagenmarkt erschüttern. Hohe Preisnachlässe bei Neuwagen drücken direkt auf die Restwerte älterer Fahrzeuge und sorgen für brutalen Margendruck in unseren Betrieben“, warnte Leicht. Dies bedeute weniger Ertrag trotz höherer Verkaufszahlen.
Rabattschlacht wird Restwerte älterer Autos drücken
Der Gebrauchtwagenhandel werde mit seinem Wachstum 2025 erstmals über zwei Drittel aller Fahrzeugkäufe ausmachen – ein klarer Wendepunkt im Ländle. Damit steckten die Autohersteller in der Preisfalle. Jahrelang überreizte Preise treffen nun auf massive Überkapazitäten in der Produktion. Trotz der am Mittwoch (5. März) verkündeten EU-Entlastungen drohten weiterhin CO2-Strafzahlungen. Dieser Dreifachdruck zwinge die Hersteller, ihre Neuwagen mit deutlichen Rabatten in den Markt zu drücken. Das werde auch den Gebrauchtwagenmarkt erschüttern; hohe Preisnachlässe bei Neuwagen drückten direkt auf die Restwerte älterer Fahrzeuge.
Förderung, günstiger Strom und gute Ladeinfrastruktur
Um die Transformation der Mobilität erfolgreich zu gestalten, müsste laut Verbandspräsident Ziegler der hohe Preisunterschied zwischen Elektroautos und Verbrennern von bis zu 15.000 Euro reduziert werden, etwa durch vorübergehende Förderungen. Seit dem abrupten Förderstopp Ende 2023 bestehen Unsicherheiten unter den Verbrauchern, die den Kauf eines E-Autos hinauszögern. Einen Dreiklang aus Technologie, Bezahlbarkeit und Infrastruktur hält Ziegler für erforderlich, um die Akzeptanz der Elektromobilität zu steigern. Mit den richtigen Rahmenbedingungen – bezahlbare E-Autos durch eine Reform der Förderstruktur, bezahlbaren Strom und ausreichender Ladeinfrastruktur – ließen sich die Klimaziele schneller erreichen.
EU muss Wettbewerbsfähigkeit sichern
Stellung nahm Ziegler auch zu dem gerade erst von der EU-Kommission vorgestellten Aktionsplan und dem vorgesehenen Batterie-Booster-Paket mit 1,8 Milliarden Euro. Dies sei ein Schritt in die richtige Richtung, so Ziegler. Er warnte vor den Herausforderungen, die sich aus der aktuellen CO2-Bepreisung ergeben, die deutschen Herstellern zusätzliche Kosten aufbürdet. Mit einer Lockerung des Drucks der Hersteller auf die Händler, mehr E-Autos zu verkaufen, rechne er jedoch nicht.
Im globalen Wettbewerb müsse eine differenzierte Strategie verfolgt werden, die auch Regionen berücksichtigt, in denen Verbrennungsmotoren nach wie vor vorherrschen. Der Verbandspräsident betonte die Notwendigkeit von Technologieoffenheit, um sowohl im Bereich E-Mobilität als auch bei effizienten Verbrennungsmotoren führend zu sein. Und: Nur mit einer starken, wettbewerbsfähigen Automobilindustrie und einem starken Kfz-Gewerbe als Schnittstelle zu den Kunden könne die Transformation zu einer klimafreundlichen Mobilität gelingen, betonte Ziegler.
Unterstützung für den Mittelstand anfordern
Die Verbesserung wirtschaftlicher Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen steht ebenso im Fokus. Ziegler forderte eine grundlegende Steuerreform und eine Kostenbremse in der Sozialversicherung. Zudem sollen eine umfassende Digitalisierungsoffensive sowie Flexibilisierungen im Arbeitszeitgesetz den Druck auf die Betriebe verringern.
Kritik am geplanten Landesmobilitätsgesetz
Der Verband äußerte zudem deutliche Kritik an dem aktuellen Entwurf des Landesmobilitätsgesetzes, das als an vielen Stellen nicht bedarfsorientiert empfunden wird. Besonders die geplante Mobilitätsabgabe für Autohäuser und Werkstätten könnte eine zusätzliche Belastung darstellen. Der Verband fordert hier Anpassungen, um die Bedürfnisse der Verbraucher zu berücksichtigen und die Realität in ländlichen Regionen zu beachten. Ziegler: „Wir fordern das Verkehrsministerium auf, in der Gesetzgebung verbindlich klarzustellen, dass Vorführwagen, Tageszulassungen und rote Kennzeichen komplett von der Abgabe ausgenommen werden müssen. Bei diesen kann der Zweck der Abgabe – der Umstieg auf den ÖPNV – gar nicht erreicht werden.“
Stand: 08.12.2025
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Positive Ausbildungsbilanz und Fachkräftesicherung
Mit 4.584 neuen Ausbildungsverträgen im baden-württembergischen Kfz-Gewerbe wird ein positiver Trend in der Ausbildung beobachtet. Um zukünftige Fachkräfte zu sichern, sind modernisierte Berufsschulen und eine Gleichwertigkeit von akademischen und beruflichen Bildungswegen unabdingbar. Der Verband fordert zudem eine Verdopplung der Meisterprämie, um im Wettbewerb um Fachkräfte nicht hintenan zu stehen.
Ausblick auf die Transformation der Mobilität
Zusammenfassend betonte Ziegler, dass die Transformation der Mobilität mit den betroffenen Menschen gestaltet werden muss. Er sieht die Verpflichtung der Politik, für die notwendigen Rahmenbedingungen zu sorgen, um die Klimaziele zu erreichen, ohne die grundlegenden Bedürfnisse der Autofahrer aus den Augen zu verlieren. Für den Wirtschaftsstandort sei es erforderlich, dass sich die Politik zum Automobilstandort Deutschland bekenne und die Wirtschaftskraft der Branche nutze. 2025 könne für die Elektromobilität entscheidend sein, wenn mit gezielten Maßnahmen Klimaschutz und wirtschaftlicher Wohlstand vereint werden.