Lancia Eher unkonkret

Von sp-x/jr

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Um Aufmerksamkeit für seine fast vergessene Marke zu erzeugen, zeigt Stellantis eine Studie, die wie ein abgebrochener Dachbox-Deckel aussieht. Vielleicht gab es auch einfach nicht genug Geld für ein vollständiges Konzeptauto.

Das neue Lancia-Design: Kunst oder Dachbox-Ersatzteil? (Bild:  Stellantis)
Das neue Lancia-Design: Kunst oder Dachbox-Ersatzteil?
(Bild: Stellantis)

Lancia litt jahrelang unter dem Spardiktat der Mutterfirma Fiat, verkalkulierte sich mit neuen Modellen wie dem Lybra oder dem Thesis, die keiner wirklich haben wollte. Derzeit gibt es nur noch den Kleinwagen Ypsilon, der jedoch ausschließlich in Italien verkauft wird. Dort ist er allerdings ein Top-Seller im B-Segment, von Januar bis August kam der Kleinwagen auf dem nationalen Pkw-Markt mit gut 27.000 Einheiten auf einen Marktanteil von 3,8 Prozent. Montiert wird der Ypsilon aber nicht etwa in Italien, sondern im polnischen Werk Tichy.

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Nun soll Lancia zur Edelmarke von Stellantis werden und zusammen mit den Konzernschwestern Alfa Romeo und DS die Speerspitze auf der Jagd nach zahlungskräftiger Kundschaft bilden. Drei neue Modelle bis 2028, alle elektrisch und mit klangvollen Namen: Neben dem Ypsilon soll auch der einst auch auf Rallye-Pisten erfolgreiche Delta wieder auferstehen. Diese Information ist allerdings nicht neu und was die Wiederbelebung der Marke im Rest von Europa angeht, wissen die Verantwortlichen derzeit dem bereits ein Jahr alten letzten Informationsstand nichts hinzuzufügen.

Auch das neue Top-Modell hat noch keinen Namen, könnte aber vielleicht wieder Aurelia heißen. Im einem der vielen Säle des italienischen Schlosses, in dem eine Design-Enthüllung für angereiste Motorjournalisten stattfindet, wird es von einer großen Plane verhüllt, bis Lancia-Chef Luca Napolitano selbst Hand anlegt und das „Design für die nächsten 100 Jahre“ ankündigt. Doch da steht mitnichten ein Auto, eher ein stromlinienförmiges, hellblaues Gebilde, das radlos für Ratlosigkeit sorgt.

SUV mit Schrägheck?

Ein Ausblick auf ein dynamisches Modell, Sportwagen oder SUV mit Schrägheck? Chefdesigner Jean-Pierre Ploué lässt das offen und verweist auf die Frontpartie dieser Skulptur, deren kelchförmiger Kühlergrill an historische Modelle erinnern soll und den Lancia-Schriftzug trägt. Darunter drei LED-Strahlen in Form eines Windrads, die laut Ploué den Übergang ins elektrische Zeitalter symbolisieren. Das kuppelförmige Dach mit einer verglasten mittigen Öffnung soll als Hommage an die Klassiker der Marke wie eben jenen Aurelia herhalten.

Kreisrunde Rückleuchten am hinteren Ende der Designstudie nehmen ebenfalls den modernisierten Schriftzug in ihre Mitte, sollen an den flachen Sportwagen Stratos erinnern und werden in ähnlicher Form am neuen Ypsilon auftauchen, der im zweiten Quartal 2024 in Deutschland an den Start gehen soll.

Viel Fantasie im Spiel

„Pu-Ra Zero“ nennt der aus Frankreich stammende Chefgestalter das neue Design. „Pu“ steht für „pur“ und „Ra“ für „radikal“. Nach diesem Motto soll sich Lancia vom internen und externen Wettbewerb abheben. Wie das später in die Praxis umgesetzt werden soll, bleibt trotz des durchaus imposanten Design-Denkmodells der Fantasie überlassen, da nur einzelne Elemente des künftigen Aussehens der Lancia angedeutet werden. Innerhalb des Premium-Trios unter den Stellantis-Fabrikaten soll Lancia jedenfalls für italienischen Lifestyle stehen, während sich Alfa durch ein sportliches Image abgrenzen und DS die Pariser Lebensart repräsentieren soll.

Auch über das Innenleben der künftigen Lancia-Modelle verrät Vorstandschef Luca Napolitano nichts Konkretes. Fest steht nur, dass der Autobauer dafür mit der Firma Cassina, dem in Fachkreisen bekannten italienischen Hersteller von Designermöbeln, zusammenarbeitet. So soll zum Beispiel beim kleinen Ypsilon gut die Hälfte der im Innenraum berührbaren Flächen aus ökologischen Materialien bestehen.

Zum geplanten Vertriebskonzept wiederholte Luca Napolitano lediglich, was die frühere FCA-Deutschland-Chefin Maria Grazia Davino bereits vor über einem Jahr anlässlich des IFA-Kongresses in Nürtingen gesagt hatte: Der Löwenanteil der kommenden Modelle soll rein digital verkauft werden – nur 100 Schauräume sollen europaweit Anlaufpunkte für Interessenten sein. Zum Servicenetz gibt es noch keinerlei Informationen – hier dürften die zahlreichen Vertragswerkstätten der Stellantis-Fabrikate für Wartung und Reparaturen bereitstehen.

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