Jahresbilanz des Kfz-Gewerbes Ein verlorenes Jahr für die E-Mobilität

Von Doris S. Pfaff 3 min Lesedauer

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Auch wenn der Gesamtumsatz im Kfz-Gewerbe 2024 stieg, zeigte sich das ZDK-Präsidium bei der Vorstellung der Bilanz unzufrieden. Dem Absturz der E-Mobilität habe die Politik tatenlos zugesehen. Nun drohe eine massive Verteuerung des Autofahrens.

In Berlin stellte das ZDK-Präsidium mit Pressesprecher Ulrich Köster (v.l.) die Zahlen von 2024 vor: Bundesinnungsmeister Detlef Peter Grün, Präsident Arne Joswig und ZDK-Vize und Sprecher der Fabrikate, Thomas Peckruhn.(Bild:  Promotor)
In Berlin stellte das ZDK-Präsidium mit Pressesprecher Ulrich Köster (v.l.) die Zahlen von 2024 vor: Bundesinnungsmeister Detlef Peter Grün, Präsident Arne Joswig und ZDK-Vize und Sprecher der Fabrikate, Thomas Peckruhn.
(Bild: Promotor)

In Berlin legte am Dienstag der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) seine Jahresbilanz vor: Das Ergebnis bewertete Präsident Arne Joswig als zwiespältig. Der Umsatz des Kfz-Gewerbes sei zwar über alle drei Geschäftsbereiche – Neuwagen, Gebrauchtwagen und Service – im vergangenen Jahr um 5,6 Prozent 218,9 Milliarden Euro gewachsen, nicht aber im Neuwagengeschäft.

Der Verkauf stagnierte bzw. sank leicht, die Umsätze im Markenhandel sanken um 2 Prozent auf 65,3 Milliarden Euro. Das entspricht einem Absatz von 1,58 Millionen Pkw und damit etwas mehr als der Hälfte (55,8 %) der insgesamt 2,82 Millionen Pkw-Neuzulassungen. Die Gründe für den Umsatzrückgang im Neuwagengeschäft: Der durchschnittliche Neuwagenpreis sank leicht (- 2,5 %), es gab weniger Verkaufe auf dem Privatmarkt (- 2,1 %) und es gab einen starken Einbruch beim E-Autoverkauf um insgesamt 27,4 Prozent.

Im Gebrauchtwagen-Gesamtmarkt wechselten rund 6,5 Millionen Pkw die Besitzer, das waren 7 Prozent mehr als im Jahr 2024. Davon wurden 2,7 Millionen Pkw über den Markenhandel verkauft, der Umsatz stieg hier um 22 Prozent auf 71 Milliarden Euro. Mit rund 2,2 Millionen Besitzumschreibungen (+ 7,4 %) erzielte der freie Pkw-Handel einen Umsatz von 30 Milliarden Euro und damit 8 Prozent weniger als im Jahr 2024.

Das Alter von Autos steigt auf 10,3 Jahre

Im Geschäftsfeld Service und Reparatur verzeichneten die Autohäuser und Werkstätten im Jahr 2024 laut Bundesinnungsmeister Detlef Peter Grün erneut ein kräftiges Umsatzwachstum von 7,4 Prozent auf rund 36 Milliarden Euro im Vergleich zu 2023. Der Trend, Autos länger zu fahren, halte an. Inzwischen sei das Pkw-Durchschnittsalter auf 10,3 Jahren angestiegen. Das zahle sich im Servicegeschäft aus, so der Bundesinnungsmeister. Die Werkstattauslastung liege mit 87 Prozent auf weiterhin sehr hohem Niveau.

Der Gesamtumsatz des Kfz-Gewerbes stieg 2024 um 5,6 Prozent. Besonders positiv sich schlug das Servicegeschäft nieder.(Bild:  ZDK)
Der Gesamtumsatz des Kfz-Gewerbes stieg 2024 um 5,6 Prozent. Besonders positiv sich schlug das Servicegeschäft nieder.
(Bild: ZDK)

Für das laufende Jahr erwartet das Kfz-Gewerbe eher noch eine Verschlechterung der Situation in den Betrieben. Laut einer Blitzumfrage des ZDK Ende gaben 57 Prozent der 690 teilgenommenen Betriebe an, bei ihren Umsatzerwartungen für 2025 weniger zuversichtlich als vor einem Jahr zu sein, nur 11 Prozent zeigten sich optimistischer. Rund ein Drittel der Betriebe bewertet die Erwartungen insgesamt als „gleich“.

Forderung nach Signalen für die Elektromobilität

Als großes Hemmnis für den Handel gilt der weiterhin schwächelnde Absatz von E-Autos. Durch den Wegfall des Umweltbonus Ende 2023 brach der Markt der reinen Stromer um fast 27 Prozent ein. „Monat für Monat hat die Politik beim Absturz tatenlos zugeschaut, anstatt zu handeln“, kritisierte ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn, zugleich Sprecher des Fabrikatshandels. Für das Erreichen der selbstgesteckten Klimaziele sei 2024 daher ein verlorenes Jahr gewesen. Peckruhn fordert von der neuen Bundesregierung dringend Impulse für die E-Mobilität. Die Anstrengungen zum Hochlauf der E-Mobilität müssten sich jetzt verdoppeln.

Dafür sprachen sich auch mehrheitlich die befragten Kfz-Betriebe aus. Als wichtigste Instrumente nannten sie Strompreissenkungen, eine staatliche Kaufprämie und verbesserte Sonderabschreibungen für gewerbliche Fahrzeuge.

Rekordzahlen in der Ausbildung

Rekordzahlen verzeichnete das Kfz-Gewerbe im Ausbildungssektor: Mit einem Zuwachs um 7,2 Prozent auf 25.221 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge habe das Jahr 2024 die beste Bilanz seit Jahren. „Junge Menschen sehen im Kfz-Handwerk und den Ausbildungsberufen der Automobilbranche ihre Zukunft“, sagte der Bundesinnungsmeister. Wer den nächsten Schritt gehen wolle, müsse allerdings für einen Meisterkurs rund 15.000 Euro bezahlen, während ein Studienplatz kostenlos sei, kritisierte er. „Hier muss die Politik endlich handeln, um eine Gleichheit zwischen akademischer und handwerklicher Weiterbildung zu ermöglichen.“

Spritpreise könnten auf 2,50 Euro pro Liter steigen

Die Zahl der Gesamtbeschäftigten sank minimal um 0,5 Prozent auf 428.000 Menschen (Vorjahr 430.000), auch die Anzahl der Betriebe ging laut der ZDK-Bilanz um 140 (-0,4 %) auf insgesamt 36.030 markengebundene und freie Unternehmen zurück.

Große Sorgen äußerte ZDK-Präsident Joswig mit Blick auf die steigenden CO2-Preise. Die individuelle Mobilität dürfe nicht zum Luxus werden. „Wenn die Klimaziele eingehalten werden sollen und die E-Mobilität nicht vorankommt, wird der CO2-Preis bis zum Jahr 2030 explodieren. Bei dann möglichen rund 2,50 Euro pro Liter Kraftstoff können sich viele Menschen das Autofahren kaum leisten. „Die Politik muss deshalb Lösungen entwickeln, die Mobilität für alle Schichten der Gesellschaft erschwinglich zu halten, ohne die Klimaziele aus den Augen zu verlieren“, fordert Joswig.

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Der Schlüssel zu einer nachhaltigen Individualmobilität liege nicht in der Verteuerung oder gar Abschaffung des Autos, sondern in der Förderung klimafreundlicher Technologien wie E-Mobilität, Wasserstoffantriebe und synthetische Kraftstoffe, so Joswig. Hier müsse der Staat mit gezielten Förderprogrammen und einem konsequenten Ausbau der Lade- und Tankinfrastruktur aktiv werden, statt den Autofahrern immer neue finanzielle Hürden aufzubürden, forderte er.

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