VDA-Jahresgespräch Elektro-Absatz muss um 75 Prozent wachsen

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Die Hersteller sitzen in der Elektrofalle: Der Absatz müsste deutlich wachsen, um Strafzahlungen zu verhindern. Doch die Kunden ziehen nicht – auch weil die Autos bislang teuer sind. Jetzt hat der VDA 2025 zum Jahr der Trendwende ausgerufen.

VDA-Präsidentin Hildegard Müller will 2025 zum Jahr für die Autobranche des Neustarts machen.(Bild:  VDA)
VDA-Präsidentin Hildegard Müller will 2025 zum Jahr für die Autobranche des Neustarts machen.
(Bild: VDA)

Um die CO2-Grenzwerte für Neuwagenflotten in der EU einzuhalten, braucht es aus Sicht der Autobranche in diesem Jahr einen deutlichen Hochlauf bei Elektroautos (BEV). Allein reine Batteriefahrzeuge müssten beim Absatz um rund 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zulegen, sagte der Chefvolkswirt des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Manuel Kallweit, auf einer Pressekonferenz des Verbands zum Jahresstart in Berlin. Damit müssten im laufenden Jahr rund 666.000 Elektro-Neuwagen auf die Straßen kommen.

Andere elektrische Antriebe wie die Plug-in-Hybride einbezogen, müsste das Wachstum im Vorjahresvergleich rund 53 Prozent betragen. Nach derzeitiger EU-Gesetzeslage drohen ab diesem Jahr hohe Geldbußen für Autohersteller, wenn sie die strenger gewordenen CO2-Flottengrenzwerte nicht einhalten. Die Vorzeichen stehen schlecht, im vergangenen Jahr waren die BEV-Zulassungen um gut ein Viertel eingebrochen. Lediglich rund 380.600 Elektro-Pkw kamen neu auf die Straße.

Einmal mehr forderte der VDA als Maßnahme zur Stärkung der Elektromobilität den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Im vergangenen Jahr war die Zahl der Ladepunkte zwar deutlich gestiegen, die Suche nach einem freien Ladeplatz ist allerdings nicht immer einfach. In der Versorgung gibt es zudem große regionale Unterschiede.

Politik will wieder mehr E fördern

Die Politik scheint die Elektromobilität neu zu entdecken. Bundeskanzler Olaf Scholz strebt eine Förderung für Elektroautos an, die in Deutschland hergestellt werden. „Dafür braucht es das Okay der EU-Kommission – eine europaweite Lösung wäre am besten“, sagte der SPD-Politiker der „Freien Presse“. „Der Kauf von Elektroautos lässt sich nicht einfach verordnen", führte Scholz aus. Die Modelle müssten die Verbraucherinnen und Verbraucher überzeugen. Die Autohersteller würden nun aber mehr und mehr Fahrzeuge anbieten, die ausgereifter und günstiger seien. „Das macht mich zuversichtlich, was die Zukunft des E-Autos angeht.“

Jenseits der CO2-Flottengrenzwerte kommen auf die Automobilindustrie weitere Probleme zu. Insbesondere hat der neue US-Präsident Donald Trump Zölle für Einfuhren aus Europa angedroht. Gleichzeitig fehlen aus Sicht der Industrie die politischen Rahmenbedingungen, um diese Herausforderungen zu meistern.

„2025 muss ein Jahr des Neustarts sein, um das Jahr der Trendwende zu werden“, sagte die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard Müller. „Keine kleinen Schritte, sondern der große Wurf ist notwendig“, forderte sie mit Blick auf eine neue Bundesregierung. Es brauche weniger Bürokratie, niedrigere Energiepreise und eine geringere Steuerbelastung.

Gesamtabsatz dürfte 2025 erneut stagnieren

Insgesamt rechnet der VDA in Deutschland für 2025 mit rund 2,8 Millionen Neuwagen. Das wären in etwa so viel im vergangenen Jahr und nach wie vor rund ein Viertel weniger als im Vorkrisenjahr 2019. Die Märkte in den USA (+ 2 %) und China (+1 %) dürften diesen Erwartungen zufolge allerdings auch nur leicht wachsen.

Infolge der Transformation der Branche hin zur Elektromobilität rechnet der Verband mit einem anhaltenden Stellenabbau. Bis 2035 könnte der Prozess in der Branche insgesamt rund 190.000 Arbeitsplätze kosten, sagte Kallweit. 46.000 Stellen davon seien bereits weggefallen. „Die Standortbedingungen und die gesamtwirtschaftliche Lage, in der wir uns befinden, könnten dazu führen, dass diese Zahl noch deutlich steigt.“

Müller: „Brauchen in Europa mehr Pragmatismus“

Deutsche Innovationen seien weiter international gefragt, betonte Müller. Es brauche aber angesichts der geopolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen mehr Pragmatismus und eine besser aufeinander abgestimmte Industrie- und Innovationspolitik innerhalb der EU. Müller forderte eine europäische Energie- und Kapitalmarktunion, einen gemeinsamen Strommarkt sowie weitere Freihandelsabkommen nach dem jüngsten Mercosur-Vorbild – einem EU-Handelsabkommen mit mehreren lateinamerikanischen Ländern.

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