Renault Twingo Entwickelt im China-Sprint

Von sp-x 4 min Lesedauer

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Renault nutzt den „China Speed“ und entwickelt den elektrischen Twingo in Shanghai. Es geht nicht nur um Tempo, sondern auch um Zugang zu Start-ups und Zulieferern.

Blick aus der Renault-Niederlassung in Hangzhou.(Bild:  Renault)
Blick aus der Renault-Niederlassung in Hangzhou.
(Bild: Renault)

„Plus rapide“ lautet das Motto bei Renault. Damit ist nicht das Tempo eines Autos gemeint, sondern die Entwicklungszeit. Für den elektrischen Renault Mégane benötigten die Ingenieure noch vier Jahre. Für die Wiederauflage von Renault 4 und 5 mit Batterie und E-Motor gingen jeweils drei Jahre ins Land. „Das muss schneller gehen“, lautet die Erwartungshaltung des Technikvorstands der Renault-Gruppe, Philippe Brunet.

Sein Projekt trägt den Titel „Leap 100“. Mit Leap ist ein großer Sprung gemeint und die 100 steht für die Wochenzahl. In rund zwei Jahren, also doppelt so schnell wie beim Megane E-Tech, soll der elektrische Twingo fertig für die Produktion sein. Renault bündelte bereits Ende 2023 alle Aktivitäten zur Elektromobilität im Tochterunternehmen Ampere. Das unterhält ein Büro in Shanghai mit Sitz im West Bund. Der Stadtteil war im 20. Jahrhundert ein Industriegebiet. In den letzten Jahren hat es sich zum Kunst- und Kulturzentrum entwickelt. Doch stehen hier auch hoch in den Himmel ragende Bürogebäude.

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Philippe Brunet steht im 20. Stock mit Blick über den Fluss Huangpu, während er über das Projekt spricht: „Du kannst keine Schlüsselrolle bei E-Autos spielen, ohne in China vertreten zu sein.“ Renault ist in China nicht vertreten, zumindest nicht mit Autohäusern. Bis auf wenige Ausnahmen werden die Modelle hier nicht verkauft. „Da ist China ein wenig wie die USA. Die Leute wollen größere Autos“, fasst Brunet den Verzicht zusammen. Doch von der schnelleren Entwicklungszeit und den Innovationen der Zulieferer möchte er profitieren.

Entwicklungsschritte laufen parallel

Für das Projekt hat Ampere ein treffendes Akronym gewählt: ACDC. Was normalerweise für Wechsel- und Gleichstrom steht, bedeutet hier Advanced China Development Center. „Während in Europa viele Entwicklungsschritte nacheinander erfolgen, läuft es bei uns parallel. Statt wöchentlicher Entscheidungsrunden, wird täglich über weitere Schritte entschieden“, beschreibt Jeremie Coiffier die Unterschiede zur Arbeit in China. Als leitender Entwicklungsingenieur verantwortet er die Phase von der Fahrzeugentwicklung bis zum Produktionsstart.

Eine wesentliche Rolle spielt die Auswahl der Zulieferer. Hierbei wird geschaut, ob bereits passende Bauteile für den Twingo existieren. Einen Türöffner oder einen Blinkerhebel muss nicht neu erfunden werden. Für den Twingo hat Coiffiers Team bei 30 chinesischen Zulieferern eingekauft. Voraussetzung für den Auftrag ist, dass der Zulieferer die Teile in der Nähe des Werks fertigt. Der Twingo E-Tech wird in der Renault-Fabrik in Novo Mesto in Slowenien vom Band laufen. Dort wurde bereits seit 2007 der Twingo mit Verbrennungsmotor gefertigt. „Wir werden so gut wie keine Bauteile von China per Schiff nach Europa bringen“, sagt Coiffier. Sollte ein Zulieferer nicht in Fabriknähe fertigen können, erwirbt Renault die Rechte am Bauteil und beauftragt hiesige Auftragsfertiger.

Für die richtigen Zulieferer als auch Entwickler für Software, benötigt man Kontakte in China. Die hat Weiming Soh reichlich. Der chinesische Automanager leitet als CEO die Renault Group China. Zuvor war er 16 Jahre für Volkswagen tätig und verließ den Konzern als Vize-China-Chef. Er ist die treibende Kraft hinter der Entscheidung, auch eine Niederlassung im 180 Kilometer entfernten Hangzhou zu eröffnen. Die Stadt gilt als Zentrum der Software-Entwicklung. Hier wurde 1999 die Handelsplattform Alibaba entwickelt, die als chinesisches Amazon gilt. „Heute wird in Hangzhou an künstlicher Intelligenz gearbeitet“, sagt Soh. Dafür ist Deepseek das prominenteste Beispiel.

Beteiligung an Risikokapital-Fonds

Die Franzosen wollen hier einen Fuß in die Tür der Start-up-Szene bekommen. Darum beteiligen sie sich zusammen mit Partnern an einem Risikokapital-Fonds. Über die genaue Höhe des Investments schweigt Renault, doch habe das ACDC-Team bereits knapp 190 Start-ups unter die Lupe genommen. Dabei konzentriere man sich auf Robotik sowie sämtliche Auto-Technologien von Batterie bis Fahrassistenten.

Mit dem Twingo E-Tech will das Unternehmen nicht nur schneller einen Kleinwagen für die Stadt auf den Markt bringen. „Wir haben auch das Ziel einen Startpreis von knapp unter 20.000 Euro zu erreichen“, sagt Brunet. Der Twingo kommt mit einer Eisenphosphat-Batterie (LFP) für 250 Kilometer bei einem Verbrauch von 12 kWh auf 100 Kilometern.

Für Renault ist es besonders wichtig, ihre bisherigen Erfolgsmodelle in eine elektrische Zukunft zu überführen. Mit dem Renault 5 ist das bereits gelungen. In Deutschland wurde das E-Auto als „Car of the Year“ ausgezeichnet. Unter allen elektrischen Renaults dominiert die Nummer 5 in Deutschland. Laut Kraftfahrtbundesamt liegt sein Anteil bei 70 Prozent für die ersten neun Monate des Jahres. Auch insgesamt legen die E-Autos der Marke zu. Im dritten Quartal 2025 stieg der Absatz um 122 Prozent im Vergleich zum gleichen Vorjahresquartal. Für den elektrischen Twingo ist man bei Renault ebenfalls optimistisch. Schließlich wurde der Kleinwagen seit 1992 über 4,1 Millionen Mal mit Verbrennungsmotor verkauft.

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Nun hat das ACDC-Team bewiesen, dass es in China schneller geht. Bei einem kommenden elektrischen Kleinwagen der Tochtermarke Dacia wollen sie noch schneller sein: Die Vorgabe lautet 16 Monate.

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